Konflikt-Bar ist wieder offen

Toffen

Nach über einem Jahr wird die Café-Bar im Dorfzentrum von Toffen am Dienstag wieder eröffnet. Der Streit zwischen der Besitzerin und dem früheren Pächter ist aber noch nicht beigelegt.

Die Café-Bar 21 empfängt wieder Gäste, aber der frühere Betreiber hat Hausverbot.

Die Café-Bar 21 empfängt wieder Gäste, aber der frühere Betreiber hat Hausverbot.

(Bild: Raphael Moser)

Johannes Reichen

Ein Anschlag mit roten Buchstaben hängt neben dem Eingang zur Café-Bar 21 in Toffen: «Hausverbot» steht darauf. Es gilt L. D., dem früheren Pächter der Bar, aber auch seinen «sämtlichen Angehörigen» wie «Ehefrau, Kinder, Bruder etc.». Angeordnet hat das Verbot Elisabeth Dähler, die Besitzerin der Bar. Viel kleiner hat sie unten links auf dem Zettel hinzugefügt: «Fröie mi uf öie Bsuech». Das gilt den künftigen Gästen.

Am Dienstag eröffnet Dähler, 73-jährig, das Lokal an der Bahnhofstrasse 21 wieder. Ein Jahr lang war es geschlossen. Die Ursache dafür war der Streit zwischen Dähler und D. Der Konflikt ist immer noch nicht beendet. «Es ist der absolute Wahnsinn», sagt sie, «ich bin fix und fertig.» Und doch sieht sie keine andere Lösung, als wieder hinter der Bar zu stehen und Kaffee zu servieren.

D. kümmert das Hausverbot nicht. «Ich habe es zur Kenntnis genommen», sagt er bei einem Gespräch in seinem Restaurant in Bern. An das Hausverbot werde er sich aber halten. «Ich will diese Bar sowieso nicht mehr betreten.» Was er auch nicht will: dass sein voller Name in der Zeitung steht. Überhaupt, die Sache mit der Bar sei für ihn erledigt.

«Immer unerträglicher»

Nicht erledigt ist die Sache für Dähler. Sie blickt verbittert auf die letzten Jahre mit Pächter D. zurück. «Er hat mir das Leben schwergemacht.» D. pachtete das Lokal ab 2012 und betrieb es unter dem Namen Coco Café-Bar. Alles lief rund. Aber im Frühling 2017 erklärte er, dass er einen Nachmieter suche. Kurz zuvor hatte er den Mietvertrag verlängert. Sie war damit nicht einverstanden. Stattdessen schlug sie vor, dass der Mietvertrag in gegenseitigem Einvernehmen beendet wird.

«Ich weiss gar nicht, ob ich die Kraft haben werde nach dieser schweren Zeit.»Elisabeth Dähler, Barbesitzerin

Doch das wollte D. nicht – oder höchstens gegen die Bezahlung von 60'000 Franken, wie er einmal in einem Brief schrieb. Ein andermal wollte er ihr das Inventar für 80'000 Franken überlassen – dabei gehöre es gar nicht ihm, sagt Dähler. Die Auseinandersetzung wurde immer giftiger – bis D. die Bar zu Beginn des letzten Jahres wegen «diverser Probleme» schloss. Daraufhin reichte Dähler gegen ihn Strafanzeige wegen Erpressung und Nötigung ein.

Ein Jahr ging ins Land, die Bar blieb zu. «Die Situation wurde für mich immer unerträglicher», sagt Besitzerin Dähler. «Viele Leute verstanden nicht, dass dieser beliebte Treffpunkt geschlossen bleibt.» Aber ihre Gesundheit sei ruiniert worden. Denn hinzu kommt, dass sie im Dezember nahe ihrem Haus in Belp stürzte und sich ein Schädelhirntrauma zuzog. Doch sie wollte unbedingt, dass die Bar wieder öffnet. Zu Beginn dieses Jahre bat sie Pächter D. zu einem Gespräch.

«Kein Problem»

Am 9. Januar setzten Dähler und D. eine Vereinbarung auf. Darin stand: Der Mietvertrag wird beendet. Dähler verpflichtete sich, 15'000 Franken sowie das Mietzinsdepot von 10'000 Franken an D. zu zahlen. Und D. muss alle Schlüssel aushändigen, die im «Sicherheits-Schein» des Mietvertrags aufgeführt sind. Am Ende setzten beide ihre Unterschrift unter das Dokument. Doch wieder gabs Probleme.

Dähler sagt: D. habe nicht alle Schlüssel zurückgegeben, das sei belegt. Deshalb müsse sie alle Zylinder auswechseln. Auch für das Postfach fehlten zwei von vier Schlüsseln. Ausserdem sei das Inventar, das ihr gehöre und das D. benützt habe, unbrauchbar geworden. Zudem fehle eine Tischplatte aus Marmor. Deswegen habe sie erneut Anzeige erstattet. D. widerspricht, die Vorwürfe seien falsch. Richtig sei nur, dass zwei Postfachschlüssel fehlten. «Darum werde ich mich kümmern.» Ansonsten sei alles korrekt abgelaufen. Er wisse also nicht, wo das Problem sei.

Dähler hat in den Tagen vor der Eröffnung alle Hände voll zu tun. Nun will sie den Laden wieder selber führen. «Ich weiss gar nicht, ob ich die Kraft haben werde nach dieser schweren Zeit.» Aber sie müsse es tun, das schulde sie den treuen Gästen. «Die Tatsache, dass sich so viele Leute auf die Wiedereröffnung freuen, macht mir Mut.»


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