Kommentar: Ohnmacht der Behörden

Bern

Massenanlässe, für die via soziale Medien mobilisiert wird, stellen Behörden weltweit vor Probleme. Sie werden erpressbar.

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Wolf Röcken

Ein anonymer Aufruf auf Facebook – und die Behörden kommen ins Rotieren. Am 25. Mai soll der Anlass «Tanz dich frei» stattfinden. Mehr ist nicht bekannt. Weder Route noch Zeitplan noch allfällige Sicherheitsvorkehrungen. Trotzig behauptet ein «Kollektiv», sich über all dies Gedanken gemacht zu haben. Nur behält es diese Gedanken für sich.

Als Reaktion rollt die Stadt den roten Teppich aus: Sie räumt mögliche Hindernisse aus dem Weg, sie koordiniert die Bereitschaft der Blaulichtorganisationen. Es sind Arbeiten, für die Organisatoren Dutzende Gesuche stellen und Hunderttausende Franken zahlen müssen. Nicht so bei «Tanz dich frei».

Das ist ärgerlich. Noch ärgerlicher ist, dass der Stadt keine andere Wahl bleibt. Massenanlässe, für die via soziale Medien mobilisiert wird, stellen Behörden weltweit vor Probleme. Sie werden erpressbar. Rechtlich gibt es kaum Möglichkeiten, anonyme Urheber solcher Partyaufrufe in die Verantwortung zu nehmen. Ein Aufruf allein ist keine Straftat, und Facebook hält Daten geheim, ohne dafür belangt zu werden. Die Urheber wiederum tauchen am Anlass in der anonymen Masse unter.

Die Ausgangslage ist wegen der Grossbaustellen heikler als 2012, als «Tanz dich frei» weitgehend reibungslos verlief. Die Stadt trifft deshalb Vorkehrungen, die die Urheber der Aufrufe sträflich unterlassen. Sie könnte auch jede Verantwortung ablehnen. Doch sie weiss, dass es am Ende wohl doch auf sie zurückfallen würde, sollte es zu Zwischenfällen, etwa mit Unbeteiligten, kommen. Das Handeln der Stadt hat nichts mit Panikmache zu tun. Eher mit Ohnmacht. Und mit Ärger gegenüber den Köpfen hinter «Tanz dich frei», denen bisher jedes Verantwortungsbewusstsein fehlt.

wolf.roecken@bernerzeitung.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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