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Kommentar: Das Ja zu Thömu kommt nicht von Herzen

Am 9.Februar stimmt Köniz über zwei Geschäfte ab, die sich sehr ähnlich sind. Trotzdem werden die Vorlagen in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Am 9. Februar stimmt Köniz über zwei Geschäfte ab, die sich sehr ähnlich sind. Im bäuerlich geprägten Oberried wie auf der genauso bäuerlich geprägten Schlattmatte soll Landwirtschaftsland für gewerbliche Zwecke eingezont werden, und beiderorts haben die Nachbarn keine Freude, weil sie Verkehr und Lärm befürchten. Trotzdem werden die Vorlagen in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während der Bikepark in Oberried für Schlagzeilen sorgt, bleibt es um die Holzschnitzelproduktion auf der Schlattmatte mehr oder weniger ruhig.

Hinter dem Bikepark steckt halt Thomas Binggeli, besser bekannt als Thömu von der Thömus AG – und Thömu ist ein Phänomen. Das ist seit seinen unternehmerischen Anfängen zu Beginn der 1990er-Jahre so, als er auf dem elterlichen Bauernhof anfing und allein mit seinen jugendlichen 17 Jahren für Aufsehen sorgte. An diese Bekanntheit knüpfte er an, entwickelte und verkaufte nicht nur Velos, sondern setzte auf das Erlebnis. Dazu gehörte auch eine eigene Velokleiderlinie, und bald gingen unter dem grossen «T» auf rotem Grund eigene Wettkampfteams an den Start.

Thömu schuf eine Welt, die viele in ihren Bann zog und gerade auch in Politik und Wirtschaft begeisterte Anhänger fand. Die einen erlagen der Faszination, dass da einer unbekümmert daherkommt und aus dem Nichts ein Unternehmen aufbaut, die andern tauchten in eine Gemeinschaft mit einem grossen Zusammengehörigkeitsgefühl ein und lebten nach dem Motto: Wer Thömu fährt und Thömu trägt, setzt sich in der Beiz automatisch zu den Kollegen aus der grossen Thömu-Familie. Vielleicht hat es genau damit zu tun, dass die Könizer Behörden – trotz einer Verwaltung mit Spezialisten und professionellen Politikern an der Spitze – Thömu so lange gewähren liessen. Sie schauten nicht richtig hin, wenn der Jungunternehmer in Oberried wieder einmal erweiterte – bis der Punkt erreicht war, an dem Ignorieren nicht mehr ging. Eine Lösung musste her, gefunden wurde sie in einer Überbauungsordnung, die neben der Hofparzelle auch einen Bikepark umfasst.

Ganz anders liest sich die Vorgeschichte zur Holzschnitzelproduktion auf der Schlattmatte, hinter der die H.H.Käser GmbH steht. Auch dieses Unternehmen wächst stark, und auch dieses Unternehmen hat ein Problem mit seinem angestammten Sitz in der Landwirtschaftszone. Doch nach dem Nein der Behörden zu ersten Ausbauplänen am alten Ort wartete es zu – und hat nach langem Warten endlich ein Areal in Aussicht, das alle Probleme löst.

Die Holzschnitzelproduzentin hat deshalb das Ja der Stimmberechtigten mehr als verdient, zumal Holzschnitzel als ökologisch gelten und gut ins bäuerliche Umfeld der Schlattmatte passen. Schwieriger wird es beim Bikepark. Wer hier Ja sagt, belohnt letztlich einen Unternehmer dafür, dass er während Jahren gegen das Gesetz verstossen und damit Fakten geschaffen hat. Vertretbar ist es angesichts der unbestrittenen Leistungen von Thömu und seinen Leuten dennoch.

Mail: stephan.kuenzi@bernerzeitung.ch

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