Kommen die Fahr-Prüflinge leichter davon?

Fahrlehrer befürchten, dass die Autoprüfung seit dem Umzug nach Münchenbuchsee entwertet wird. Weil die dezentrale Lage längere Fahrten durch den schwierigen Stadtverkehr erschwere.

Die Prüfungsfahrt – ob ihr der Umzug des Strassenverkehrsamts schaden wird, ist umstritten.

Die Prüfungsfahrt – ob ihr der Umzug des Strassenverkehrsamts schaden wird, ist umstritten.

(Bild: iStock)

Stephan Künzi

Es war ein Kampf um Worte und Sätze im Büchlein für die Gemeindeabstimmung vom 23. September. Doch eigentlich ging es letzte Woche im Parlament von Münchenbuchsee um weit mehr: Vehement legten sich Linke und Grüne gegen den ausgehandelten Baurechtsvertrag für das Land in der Buechlimatt ins Zeug.

Sie glaubten nicht, dass das Geschäft dem sowieso schon arg belasteten Dorf nur 10 Prozent Mehrverkehr beschert – genau: Auf dem Areal von Gemeinde und Burgergemeinde will der Kanton bis 2027 das neue Strassenverkehrs- und Schiff­fahrts­amt bauen. Das heutige Amt am Autobahnkreuz Bern-Wankdorf geht dann zu.

Die Verkehrsschätzungen, argumentierte Links-Grün, liessen unter anderem all die Übungsfahrten ausser Acht, zu denen die Prüflinge künftig nach Münchenbuchsee reisten – ­apropos Prüflinge: Bei den Fahrlehrern stosse die Züglete an die Peripherie ohnehin nicht auf viel Verständnis.

Länger bis in die Stadt

Tatsächlich sind die kritischen Stimmen nicht weit, wie eine kurze Nachfrage bei Ausbildnern zeigt. Vor allem wegen der Distanz zur Stadt, die je nach Routenwahl zehn und mehr Kilometer betragen kann: Wie eine echte Prüfung im Stadtverkehr noch möglich sei, wenn man schon mit der Anfahrt viel – und bei Stau noch mehr – Zeit verliere?

Klar gebe es auch über Nebenstrassen einen Weg in die Stadt, doch dann reichten die rund 45 Minuten Prüfzeit höchstens für einen Abstecher in ein Quartier am Stadtrand. Da liege es kaum mehr drin, sein Können in einer Strasse mit gemischtem Tram- und Autoverkehr oder in einem Kreisel mit zwei Fahrspuren unter Beweis zu stellen.

Fahren ausserorts

Die Kritiker, die mit ihren Bedenken nicht namentlich in Erscheinung treten wollen, ziehen den Vergleich mit dem heutigen Standort in Bern-Wankdorf, wo es nach allen Seiten ins Quartier geht. In Münchenbuchsee werde viel absehbarer sein, wo genau die Prüfungsroute durchführe.

Diese werde dann umso stärker abgefahren und quasi auswendig gelernt, was nicht nur den Wert der Prüfung mindere, sondern dem Dorf als Nebeneffekt noch mehr Verkehr beschere.

Differenzierter sieht die Sache Markus Hess, der als Kantonalpräsident die Fahrlehrer in der Öffentlichkeit vertritt. Wobei er gleich betont, dass die Züglete im Verband noch kaum Thema sei, er also vor allem aus persönlicher Sicht argumentiere: Die Prüfung wie heute im verkehrsreichen und damit schwierigen Knoten Bern-Wankdorf zu beginnen, sei auch nicht ohne. So wie es ja auch nicht schade, wenn künftig neben dem Stadtverkehr auch das Fahren ausserorts stärker ins Gewicht falle, kurz: «Grundsätzlich darf es keine Rolle spielen, wo die Prüfung stattfindet. Ein Fahrschüler muss überall sicher unterwegs sein.»

Trotzdem stellt auch er die Frage, ob ein zentralerer Standort nicht sinnvoller wäre. Er denkt an das Areal am Autobahnanschluss Niederwangen, wo der gleiche Kanton ein neues Polizeizentrum plant (siehe Kasten).

Stau in Bern-Wankdorf

Im Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zeigt sich Vorsteher Niklaus Lundsgaard-Hansen erstaunt über die kritischen Töne. Er habe im Gegenteil vonseiten der Fahrlehrer eine gewisse Erleichterung gespürt. Staus seien in den vergangenen Jahren auch im Raum Bern-Wankdorf immer häufiger geworden, was bei Prüfungen immer wieder zu Zeitverlust und entsprechenden Qualitätsverlusten führe.

Dass umgekehrt die künftigen Autoprüfungen unter dem längeren Anfahrtsweg leiden, glaubt Lundsgaard-Hansen nicht. Der Kreisverkehr müsse zwar geprüft werden, durch einen doppelspurigen Kreisel zu fahren, sei dagegen nicht Pflicht.

Letzteres gelte auch für den Mischverkehr mit dem Tram. Dieser könne ohnehin nur in der Region Bern geprüft werden, da Tramlinien im Oberland, im Seeland und im Oberaargau fehlten.

Lundsgaard-Hansen kann der Anfahrt sogar etwas Gutes abgewinnen, weil sie über die Autobahn führen und so einen Punkt aus dem Prüfungsprogramm von vornherein abdecken kann. Und er erinnert mit einem Blick zurück daran, dass der heutige Bau beim Bezug vor über 40 Jahren ebenfalls als dezentral gegolten habe.

Heute liege Bern-Wankdorf nicht mehr am Stadtrand, und dies werde auch mit Münchenbuchsee passieren: «Vermutlich wird dereinst auch der neue Standort am Rand der heutigen Agglomeration als gut erreichbar empfunden.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt