Klarheit bei Schumann, Intensität bei Liszt

Pianist Kit Arm­strong fasziniert im Berner Kursaal beim Klavierkonzert von Clara Schumann mit sublimem Spiel. Und Mario Venzago führt das BSO mit Raffinesse durch die Klippen von Franz Liszts «Faust»-Sinfonie.

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Konzert Theater Bern (KTB) wählte für den ersten Teil des 3. Sinfoniekonzerts das Klavierkonzert op. 7 in a-Moll von Clara Schumann, das 1835 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wurde. Die Künstlerin sass damals selber am Piano und hiess damals noch, gerade mal 15-jährig, Clara Wieck. Im Kursaal Bern ist es mit Kit Armstrong ein 25-jähriger Starpianist, der auch selber komponiert.

Unprätentiös

Schon zu Beginn des rund 25-minütigen Stücks, im Allegro maestoso, verzichtet der gebürtige Amerikaner auf Effekthascherei. Sein Spiel ist unaufdringlich, frei von Pathos und von sublimer Emotionalität.

Armstrong versteht es meisterhaft, die Dynamik des frühromantischen Werks auszuloten. Das zeigt sich auch im Mittelteil, einer Romanze im Andante non troppo, con grazia. In der Duettsequenz mit Cello in diesem Satz wirken die Musiker trotz einwandfreier Interaktion etwas isoliert. Im Finale, einem Allegro non troppo und Allegro molto, ist das Zusammenspiel fliessend. Kit Armstrong gelingt mit dem Berner Symphonieorchester (BSO) unter Mario Venzago eine unprätentiöse Darbietung von Clara Schumanns Klavierkonzert und berührt nachhaltig.

Die Zugabe, eine intime Allemande aus Bachs 4. Partita, wird von einem störenden Brummton aus der Technik begleitet. Der Künstler lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

Vielschichtig

Mit der «Faust»-Sinfonie in drei Charakterbildern von Franz Liszt bleibt das BSO unter dem bewegten Dirigat von Mario Venzago in Ära der Romantik und beweist, dass sich der Kursaal für satte Klassik eignet.

Das Werk wurde 1857 in Weimar unter Liszt selber uraufgeführt. Goethes «Faust»-Thema inspirierte damals viele Komponisten. Franz Liszt wählte für die Charakterbilder – Faust, Gretchen und Mephisto – eine Mischform aus Sinfonie und sinfonischer Dichtung. Dem Orchesterapparat gelingt es, das musikalisch vielschichtige Werk in all seinen Farben zum Leuchten zu bringen. Wogende Kraft, begleitet von leichter Heroik, zieht sich durch den Faust-Teil.

Der Mittelteil, der Gretchen gewidmet ist, besticht durch einen ländlichen, unschuldigen Charakter. Mario Venzago macht die tänzerischen Elemente transparent und lässt einzelne Instrumente wie Flöte oder Oboe klar aufblitzen. Sperrig und spitz geht es mit Mephisto in den letzten Teil, den Konterpart. Die Streicher bringen ­Staccato und Pizzicato mit ­energischem Duktus und Präzision zur Geltung. Die chroma­tischen Fliehbewegungen kulminieren formvollendet in einer ­Fuge.

Die göttliche Auflösung, die Apotheose, gestaltet Mario Venzago mit konziser Intensität und gibt dem Herrenchor von KTB unter Zsolt Czetner Gelegenheit für einen festlich anmutenden Gesang. Begleitet wird der feierliche Schlussreigen von Sänger Uwe Stickert, der mit seinem Tenor über allem hell erstrahlt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2017, 08:34 Uhr

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