Klares Nein zu neuer Verwaltung

Münsingen

Erneut scheitern der Gemeinderat und das Parlament mit einem Verwaltungsprojekt. Die Bevölkerung will kein neues Gebäude beim Schlosspark.

Schlosspark in Münsingen: Am Rande des Parks wird kein neues Verwaltungsgebäude entstehen.

Schlosspark in Münsingen: Am Rande des Parks wird kein neues Verwaltungsgebäude entstehen.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Am Rand des Schlossparks hätte die Gemeinde Münsingen ein neues Verwaltungsgebäude bauen wollen. Doch gestern sagten die Stimmbürger Nein zu den neuen Verwaltungsräumen – wieder einmal. Vor drei Jahren gaben nur wenige Stimmen den Ausschlag gegen das Projekt im Dorfzentrum. Gestern nun war das Ergebnis klar und deutlich.

Zwei Varianten standen zur Auswahl – beide wurden mit überwältigendem Mehr verworfen. «Die Bürger haben nicht erkannt, dass wir einen Zweckbau hätten erstellen wollen: einen Glaspavillon», sagt Gemeindepräsident Erich Feller (Freie Wähler). «Stattdessen war stets von einem ‹Glaspalast› die Rede.» Vorerst bleibt die Gemeindeverwaltung also auf fünf Standorte verteilt.

«Eine Ohrfeige»

Nicht nur der Gemeinderat, auch das Parlament hatte sich letzten Herbst klar für das neue Verwaltungsgebäude ausgesprochen. Die Mehrheit der Parteien hatte die Eigentumsvariante klar favorisiert. Die Gemeinde sollte als Bauherrin und Investorin auftreten. Doch nur ein Drittel der Stimmbürger sagte Ja zum Verpflichtungskredit von 17,4 Millionen Franken.

«Ein so deutliches Resultat hätte ich nicht erwartet», sagt Befürworterin Elisabeth Striffeler, Präsidentin und Parlamentarierin der SP. «Die wirtschaftliche Lage hat wohl vielen Leuten Angst gemacht.» Darum sei die Bereitschaft klein, so viel Geld in ein neues Gebäude zu stecken.

Gar keine Chance hatte die Mietvariante, die von der FDP angeregt worden war und schliesslich zur Variantenabstimmung führte. Nicht einmal 20 Prozent sagten Ja zu einer jährlichen Miete von 900'000 Franken an eine Drittorganisation als Eigentümerin, die anfangs auch Investitionen von 750'000 Franken nötig gemacht hätte.

Für FDP-Parlamentarier Andreas Kägi ist das Resultat «eine Ohrfeige» für Gemeinderat und Parlament. «Zum wiederholten Mal hat das Stimmvolk nun eine Vorlage des Gemeinderats und des Parlaments wuchtig verworfen», sagt Kägi. Für ihn ist die Botschaft klar: «Die Bevölkerung will, dass das Geld sparsam eingesetzt wird.»

«Nur ein Etappensieg»

Zufrieden zeigte sich gestern die BDP. Die Partei war – wie sonst nur noch Teile der Grünen – gegen beide Varianten. «Wir können uns nur über einen Etappensieg freuen», relativierte Präsident und Parlamentarier Walter Stamm. «Richtig zufrieden bin ich erst, wenn wir eine gute Lösung gefunden haben.» Dass die Situation für die Gemeindeverwaltung unbefriedigend sei, bestreite niemand.

Nach der Abstimmung von gestern bleiben für SP-Frau Striffeler «nur Verlierer» zurück. Damit meint sie auch die Gewinner. «Jetzt werden wir uns wieder mit dieser Verwaltung beschäftigen müssen, obschon es andere wichtigere Themen gäbe.»

«Handlungsbedarf bleibt»

Gemeindepräsident Erich Feller betont und bedauert, dass sich mit dem Resultat gar nichts ändere. «Es ist nun mal eine Tatsache, dass wir zu wenig Raum haben, die Arbeitsplätze zum Teil eine Zumutung für die Angestellten sind und dass die Arbeitssicherheit nicht immer garantiert ist», sagte er. «Es besteht dringend Handlungsbedarf. Doch zuerst brauchen wir jetzt eine Verschnaufpause.»

Berner Zeitung

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