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Klare Worte am Ort der ewigen Ruhe

Der Schauspieler Matthias Zurbrügg performt auf dem Schosshaldenfriedhof in Bern.

Sterben können: Der Künstler Matthias Zurbrügg fordert Besucher des Schosshaldenfriedhofs heraus.
Sterben können: Der Künstler Matthias Zurbrügg fordert Besucher des Schosshaldenfriedhofs heraus.
Stefan Maurer
«Savoir mourir – Sterben können»: Sterben kann jeder und jede jederzeit, aber wissen, wie man stirbt, das tut niemand.
«Savoir mourir – Sterben können»: Sterben kann jeder und jede jederzeit, aber wissen, wie man stirbt, das tut niemand.
Stefan Maurer
Sie sind Stationen poetischer Friedhofsspaziergänge namens «Zeit los lassen».
Sie sind Stationen poetischer Friedhofsspaziergänge namens «Zeit los lassen».
Stefan Maurer
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«Savoir mourir», steht in grossen Holzlettern, die gegen das Wortende hin im Boden versinken, auf einem Rasenstück. Es ist eine von 26 Buchstabeninstallationen, die Matthias Zurbrügg, der als Schauspieler und Wortinszenierer in Vechigen lebt, im Schosshaldenfriedhof platziert hat. Sie sind Stationen poetischer Friedhofsspaziergänge namens «Zeit los lassen», die Zurbrügg ab Samstag bis zum 24. November anbietet.

«Savoir mourir – Sterben können»: die lapidare Aussage, scheinbar lässig hingeworfen, unterstreicht Zurbrüggs künstlerischen Anspruch, den doppelten Boden unseres Denkens zu heben. Sterben kann jeder und jede jederzeit, aber wissen, wie man stirbt, das tut niemand.

Den Friedhof als Bühne entdeckt hat Zurbrügg schon länger. 2011 wandelte er als auferstandener Dichter Heinrich von Kleist über den Schosshaldenfriedhof. 2015 stieg er im Bremgartenfriedhof als Blutfürst aus dem Grab und umgarnte daselbst zur ewigen Ruhe gebettete Figuren wie den Anarchisten Michail Bakunin oder den Sozialistenführer Robert Grimm.

«Der Friedhof ist ein Ort der Ruhe», sagt Zurbrügg, «die Leute betreten ihn auf eine andere Art als etwa einen Park.» Kann sein, dass man sich dann auch auf andere Art auf das Theaterspiel einlässt.

Stadtgrün Bern sei sehr offen für Versuche, die Friedhöfe zu öffnen und zu beleben, mit gebührender Rücksicht auf die Ruhebedürfnisse der Besucher, wie Zurbrügg festhält. So tritt er stets ohne Stimmverstärker auf und hält Abstand zu neueren Gräbern, die von Trauernden besucht werden. Hingegen ist tiefsinniger, aber stiller Humor kein Problem: Hinter dem Grabfeld der Diakonissinnen mit den einheitlichen Steinkreuzen hat Zurbrügg das Wort «verschieden» drapiert.

Rundgang «Zeit los lassen»: Samstag, 21. September, 10, 12 und 14 Uhr, gratis. Dauer: 75 Minuten. Danach bis 24. November gemäss Programm auf mesarts.ch. Kosten: 25 Franken.

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