Kirche Köniz: Pfarrer Urwyler ist nicht das einzige Problem

Köniz

Der Kirchgemeinderat von Köniz will Pfarrer André Urwyler loswerden. Doch der Pfarrer ist bei Weitem nicht das einzige Problem, das die Kirche beschäftigt. Denn der Kirchgemeinderat verletzt geltendes Recht.

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Was ist nur los in der Kirche Köniz? Der Kirchgemeinderat hat am Montag erneut einen jahrelang schwelenden Konflikt mit Pfarrer André Urwyler ins Scheinwerferlicht gestellt. Der Kirchgemeinderat kündete an, dass er im November beabsichtige, bei der kantonalen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion ein Abberufungsgesuch für den Könizer Pfarrer Urwyler zu stellen. Wie mehrere gut unterrichtete Quellen berichten, soll es zwischen Urwyler und dem Kirchenkreisverwalter zum Streit gekommen sein. Konkret soll es um die theologische Ausrichtung sowie um Loyalität gegangen sein. Kommt das Verfahren gegen Urwyler zustande, wäre das bereits der vierte Versuch, den unbequemen Pfarrer loszuwerden.

Kommission verwaist

Doch der Pfarrer ist bei Weitem nicht das einzige Problem, mit dem sich der Kirchgemeinderat herumschlägt. Denn noch immer ist es dem Milizgremium nicht gelungen, die Kirchenkreiskommission Köniz neu zu besetzen. Weil alle Kommissionsmitglieder den Bettel hinschmissen, setzte der Kirchgemeinderat im Dezember 2008 einen Kreisverwalter ein. Ein Jahr später hat der Kirchgemeinderat das Mandat um weitere sechs Monate – bis Ende Juni dieses Jahres – verlängert. Weil auch bis dahin keine neue Kommission gebildet werden konnte, wurde der Kreisverwalter weiterbeschäftigt.

Doch die Anstellung des Kreisverwalters ist rechtlich nicht abgestützt. Mit dessen längerfristigem Engagement verletzt der Kirchgemeinderat das zwei Jahre alte Kirchenkreisreglement. Dieses besagt, dass ein Kreisverwalter höchstens während zwölf Monaten den Kirchenkreis und seine Mitarbeitenden leiten und führen darf. Zu den Mitarbeitern gehört eben auch der umstrittene Pfarrer André Urwyler.

Wie der Personalverantwortliche des Kirchgemeinderats, Matthijs van Zwieten de Blom erklärt, war sich der Kirchgemeinderat bei der Verlängerung des Mandats bewusst, dass er dabei das Reglement verletzt. «Wir standen vor der Wahl, einen nicht reglementskonformen Entscheid zu fällen, der im Alltag funktioniert, oder das Reglement buchstabengetreu anzuwenden und so den Kirchenalltag zu gefährden», sagt er. Für den Kirchgemeinderat sei es zurzeit gar nicht möglich, einzelne Punkte des Reglements umzusetzen. Denn trotz intensiver Suche habe sich niemand für die Kommission finden lassen.

Nachträglich legitimieren

Um sich in der Sache beraten zu lassen, ist der Kirchgemeinderat an Regierungsstatthalter Christoph Lerch herangetreten. Dieser beaufsichtigt die Kirchgemeinden. Lerch erklärt, dass das Problem mit der Präsidentin des Kirchgemeinderats besprochen worden sei. Denn eigentlich müsste die Kirchgemeinde ihr Reglement anpassen.

Der Rat hat sich nun entschieden, das Reglementsproblem der Kirchgemeindeversammlung vom 24.November vorzulegen. Damit soll die rechtlich nicht abgestützte Beschäftigung des Verwalters nachträglich durch die Versammlung legitimiert und verlängert werden.

Berner Zeitung

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