Kino Capitol wird zum Wohn- und Geschäftshaus

Bern

Das Kino Capitol in der Altstadt wird nach fast 90 Jahren geschlossen. Die neuen Hausbesitzer wollen die Liegenschaft als Geschäfts- und Wohnhaus nutzen.

Die Tage des Kinos Capitol sind gezählt. Die neue Hausbesitzerin will hier, an der Kramgasse 72, ein Verkaufsgeschäft eröffnen.<p class='credit'>(Bild: Stefan Anderegg)</p>

Die Tage des Kinos Capitol sind gezählt. Die neue Hausbesitzerin will hier, an der Kramgasse 72, ein Verkaufsgeschäft eröffnen.

(Bild: Stefan Anderegg)

Der Kinobetrieb an der Kram­gasse habe aus kommerzieller Sicht keine Zukunft. «Heute sind Multiplexlösungen gefragt, das Konzept Kramgasse ist out und nicht mehr tragbar.» Das sagte Fritz Burri an der Medienorientierung vom Donnerstag. Burri ist Geschäftsleiter der neuen Hauseigentümerin, der Zürcher HIG Immobilien-Anlage-Stiftung. Sie hat im Sommer 2015 die Liegenschaft Kramgasse 72 mit dem Kino Capitol sowie das Gebäude Nr. 74 – wo sich das Beefsteakhouse befindet – gekauft.

Insbesondere das Haus mit dem Kino sei in einem desolaten baulichen Zustand. «Es weist zum Teil wesentliche Schäden auf, was eine Instandsetzung unumgänglich macht», hielt Fritz Burri fest. Man wolle das Gebäude «repositionieren», das heisst, in ein Wohn- und Geschäftshaus umnutzen.

Sämtliche Mieter der beiden Liegenschaften seien über die Umbaupläne informiert, Kündigungen seien allerdings noch keine ausgesprochen worden. Bereits heute sind die beiden Liegenschaften in den oberen Etagen allerdings praktisch leer.

Im Haus 72 sei nur noch eine Wohnung vermietet, in der Liegenschaft 74 ist das dritte Stockwerk geräumt. Die Kinobetreiberin Kitag AG habe die Umnutzung «zur Kenntnis genommen», meinte Burri. Auf eine Anfrage zur Stellungnahme hat die Kitag AG bis am Donnerstagabend nicht reagiert.

Weltstars im «Kapitol»

Das Haus Kramgasse 72 mit dem Kino Capitol ist eines der grössten Häuser der ganzen Gasse. Ursprünglich (um 1740) wurde es für den Berner Patrizier Emanuel Tscharner gebaut. Später zog die Bank Zeerleder ein, dann diejenige von Grenus & Co. 1928 wurde das Gebäude ausgekernt und das Lichtspieltheater Kapitol (damals noch mit «K» geschrieben) realisiert.

Es besass nebst einer Leinwand eine grosse Bühne, ein eigenes Orchester und eine rie­sige Orgel, um die Stummfilme und Darbietungen musikalisch begleiten zu können. Mindestens zwei Weltstars traten im Kapitol auf: 1929 die burleske US-Tänzerin Josephine Baker sowie, ein Jahr später, die russische Star-Tänzerin Anna Pavlova. Nach 1945 wurde das Kapitol zum reinen Kinobetrieb. Seine Tage sind gezählt.

Shopping statt Kino

Den frühestmöglichen Umbaubeginn datierte Fritz Burri am Donnerstag auf Anfang 2018. Im Parterre (heutiger Eingang zum Kino) ist ein Verkaufsgeschäft geplant, was konkret, sei noch offen. Burri könne sich «ein Shoppingkonzept durchaus vorstellen». Im ersten Stockwerk könnten Büros und Praxen eingerichtet werden. Und ab dem zweiten Stockwerk sind Wohnungen geplant. Im Haus nebenan wird das Steakhaus auf zwei Etagen weitergeführt, dies auch während der Umbauphase.

In den oberen Etagen sollen auch in diesem Haus neue Wohnungen entstehen. Die neue Hausbesitzerin arbeitet dabei eng mit der städtischen Denkmalpflege zusammen. Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross war an der Projektpräsentation vom Donnerstag auch zugegen. Man schaue «in jedem Umnutzungsfall genau hin», sagte er. Man wolle aber nicht über jede Liegenschaft eine denkmalpflegerische «Käseglocke» stülpen.

«Wir wägen sorgfältig ab, was tatsächlich zu erhalten ist.» Mit der Auskernung des Hauses und dem Einbau des Lichtspieltheaters sei «die erste grosse Bausünde in der Altstadt begangen worden», meinte Denkmalpfleger Gross. Der Kinosaal sei in der Folge mehrfach umgebaut und die Galerien seien in den 1950er-Jahren abgerissen worden. Der Kinosaal selber könne zwar als erhaltenswert bezeichnet werden. Aber Erhaltenswertes dürfe abgerissen werden.

Lösungen im Dialog

Nun sollen mehrere Architektenteams mit Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz zu Projektideen eingeladen werden. Diese sollen anschliessend von einer Fachjury und einem Expertengremium (wo auch die Denkmalpflege vertreten ist) bewertet werden. «Studienauftrag im Dialogverfahren», nennen die Experten dieses Vorgehen.

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