Kinder müssen im Keller essen

Bern

Seit zehn Jahren sitzen die Kinder des Muesmatt-Schulhauses in einem Werkraum im Untergeschoss am Mittagstisch. Ab Sommer können sie voraussichtlich im Kirchgemeindehaus essen.

Essen im Keller: Im Muesmatt-Schulhaus in der Berner Länggasse ist dies seit 10 Jahren der Fall.<p class='credit'>(Bild: Zeichnung: Max Spring)</p>

Essen im Keller: Im Muesmatt-Schulhaus in der Berner Länggasse ist dies seit 10 Jahren der Fall.

(Bild: Zeichnung: Max Spring)

Der Werkraum im Muesmatt-Schulhaus ist ein Werkraum, wie es ihn in vielen Schulhäusern gibt: etwas düster und im Untergeschoss gelegen. Manchmal riecht es nach Farbe, manchmal nach Leim. An einer Tischreihe sind Schraubstöcke montiert. Statt Stühlen hat es Holztaburette, die sich unter die Tische schieben lassen.

Dreimal pro Woche wird hier aber nicht nur gewerkt. Immer am Montag, Dienstag und Donnerstag setzen sich nach dem Läuten um 11.50 Uhr rund 30 Erst- und Zweitklässler an die Werktische und essen dort ihr Mittagessen. Seit zehn Jahren. Einst war der Werkraum eine Notlösung: damit die Kinder am Mittag nicht den langen Weg über die stark befahrene Länggassstrasse zum Mittagstisch im Türmli-Schulhaus gehen mussten

Die Paulus-Kirche stellt einen hellen Raum zur Verfügung

Schon seit Jahren suchten die Schule und das städtische Schulamt einen Raum, der besser geeignet zum Mittagessen ist. Die Schulleiterin Karin Schüpbach betont, dass sich bisher weder die Kinder noch die Eltern darüber beklagt hätten, dass das Mittagessen im Werkraum serviert wird. Trotzdem will sie auf keinen Fall, dass ein Foto vom Mittagstisch in der Zeitung erscheint.

Doch nun ist eine Lösung in Sicht. Jürg Moor, stellvertretender Schulamtsleiter, bestätigt, dass die Schülerinnen und Schüler voraussichtlich nach den Sommerferien nicht mehr im Werkraum essen müssen. Die Paulus-Kirche will der Schule im Kirchgemeindehaus an der Freiestrasse einen Raum für den Mittagstisch vermieten, der grösser und heller ist als der bisherige.

Eine Küche braucht es nicht. Denn das Muesmatt ist eine der elf Tagesschulen und Tagesstätten, die dieses Jahr versuchsweise vom Cateringunternehmen Menu and More AG aus Zürich mit fertigen Mahlzeiten beliefert wird. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass die Stadt jahrelang nach einem Mittagstischraum suchen musste?

Neues dreistöckiges Schulhaus

Irene Hänsenberger, die Leiterin des Schulamts, erklärt: «Auf dieser Seite der Länggassstrasse besitzt die Stadt nur ein einziges eigenes Grundstück, nämlich an der Depotstrasse 40.» Dort steht heute die Baracke des Kindergartens Depotstrasse. Die Stadt will an diesem Ort ein neues dreistöckiges Schulhaus bauen. Sie möchte dort drei Klassen der Basisstufe einquartieren.

Das heisst: Kindergarten, gemischt mit Erst- und Zweitklässlern, sowie eine Tagesschule für 50 Kinder. Bis die Muesmatt-Schüler im neuen Schulhaus an der Depotstrasse mittagessen können, dauert es aber noch mindestens vier Jahre. Deshalb hat die Stadt auch bei der Universität um einen provisorischen Platz für den Mittagstisch angefragt.

Die Uni hat in der Muesmatt in unmittelbarer Nachbarschaft des Schulhauses seit zwei Jahren leere Räume, weil die Erziehungswissenschaften ins Vonroll-Areal gezogen sind. Diese leeren Räume dienen der Universität aber als Reserve.

Platzprobleme gibts auch in anderen Schulen

Mit dem Raum im Kirchgemeindehaus dürfte das Mittagstischproblem vorläufig gelöst sein. Aber nur in der Muesmatt. «Mit den steigenden Schülerzahlen bekommen wir noch an etlichen andern Orten Probleme, die Tagesschule und den Mittagstisch unterzubringen», sagt Irene Hänsenberger, die Leiterin des Schulamts.

Drei Beispiele: Im Rossfeld, im Burgfeld und im Steigerhubel wird der Platz knapp. Und wie in der Muesmatt werden vermutlich auch dort die Kirchgemeinden einspringen. Die reformierte Kirche muss massiv sparen und ist froh, wenn sie wenig ausgelastete Räume der Stadt vermieten kann. So wird im Rossfeld vermutlich die Matthäus-Kirchgemeinde und im Burgfeld die Nydegg-Kirchgemeinde den Schulkindern grössere Räume vermieten.

Berner Zeitung

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