Bangerten

Kinder entdecken Kräuter

Bangerten Am Samstag erkundeten Kinder die Weide in der Husmatt. Aus den Trouvaillen ­entstanden Salben und ­Kräuterbutter. Der Verein Chinderweidli will ­Kindern die Pflanzenwelt näherbringen.

Maja Gilomen zeigt den Kindern, welche Pflanzen sich für die Weiterverarbeitung eignen.

Maja Gilomen zeigt den Kindern, welche Pflanzen sich für die Weiterverarbeitung eignen. Bild: Enrique Muñoz García

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Eine Schar Kinder, die eifrig Löwenzahnblüten, Gänseblümchen und Gundelrebe in ihre Körbe legen: Dieses Bild präsentiert sich an diesem Nachmittag bei der Husmatt in Bangerten. Der Verein Chinderweidli hatte zu einer Pflanzenwerkstatt eingeladen. Nun suchen die Mädchen und Knaben nach essbaren Blüten. «Weisst du, das gibt eine mega­gute Butter», sagt die achtjährige Aline Staub mit strahlenden Augen, ihre zehnjährige Schwester Nina pflichtet ihr bei. Selber eine Kräuterbutter herzustellen, sei wirklich eine coole Sache, und sie liebe Kräuter.

Praxistest

Für die beiden Kinder aus Wengi bei Büren sind Shoppingtouren ins benachbarte Ausland, Geburtstagsfeiern in Imbissrestaurants und Grillpartys auf öffent­lichen Plätzen weit weg. Hier im Chinderweidli können sie Ausschau nach essbaren Kräutern halten, angeleitet durch die Kräuterfachfrau Maja Gilomen. «Von der Gundelrebe mit ihren feinen blauen Blüten darf man ruhig ein Stück kauen», erklärt sie den Lernwilligen, und diese gehen zum Praxistest über. «Schmeckt ein wenig nach Minze», konstatiert ein Kind, und alle nicken.

Die gesammelten Pflanzen ­werden fein geschnitten.

Auf die Blütenentdeckungstour folgt die Suche nach den Blättern des Spitzwegerichs. Unter der Leitung von Gilomen werden die Teilnehmenden den Wegerich zu einer Salbe verarbeiten, zusammen mit Öl und Bienenwachs. Kinder, die gerne eine Pause von all den Düften und Ölen einlegen möchten, können einen Naturpinsel herstellen. Im Schatten eines Baums stehen Holzblöcke, Hammer und Äste bereit. Schlagen die Kinder lange genug auf die Enden der Äste ein, werden daraus feine Fransen.

«Von der ­Gundelrebe mit ihren feinen blauen Blüten darf man ruhig ein Stück ­kauen.»Maja Gilomen
Kräuterkennerin

Mit dem Programm will der Verein Chinderweidli den Bezug zur Pflanzen- und Tierwelt fördern. Kinder von 4 bis 16 Jahren können sich auf dem Hof spielerisch der Natur annähern und lernen Sorge zu ihr zu tragen. Pferde, Ponys, Enten und sonst allerlei Tiere sind mit dabei, wenn es auf Entdeckungstouren geht.

Mit seinen Angeboten hat der gemeinnützige Verein nicht nur eine Alternative zu konsumorientierten Nachmittagen geschaffen. Er will mit offenen Mittagstischen, Tageslagern und Wiesenputzaktionen auch ein ungezwungenes Miteinander vorleben. «Bei unseren Anlässen sind alle willkommen», betont Mitinitiantin Helen Jenni. Die Sozialpädagogin meint damit, dass auch Kinder mit Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten oder aus schwierigen Lebenssituationen bei den Kursen mitmachen können. Es habe Platz für alle, und bei der Organisation finde man immer eine Lösung für allfällige Probleme, seien sie finanzieller oder betrieblicher Art.

Die Kräuter werden mit Butter ­verarbeitet.

So sehr Helen Jenni und ihre Mitorganisatorin Andrea Häusler der Natur verbunden sind, bei der Kräuterkunde fehlte ihnen das nötige Fachwissen. Aus diesem Grunde haben sie Maja Gilomen aus Wengi bei Büren bei­gezogen. Ursprünglich im Landschaftsbau beheimatet, absolvierte die 35-Jährige eine Ausbildung in der Kräuterakademie von Salez. Aktuell belegt sie zudem einen Kurs als Feldbotanikerin. Ohne bereichernde Erlebnisse in der Natur sähe die Welt der Kinder trist aus, ist Gilomen überzeugt.

Alle kennen das Margritli

Ganz unbekannt sind die gesuchten Blumen und Kräuter für die teilnehmenden Kinder nicht. Sie alle haben den Löwenzahn gleich erkannt und auch die Margritli, wie sie die Gänseblümchen nennen, dienten einigen bereits als Zierde in ihren Haaren. «Ich habe aber schon dazugelernt», sagt Julia Heimann. Die Zehnjährige aus Messen durfte zu Hause bereits eine Salbe gegen Mückenstiche herstellen. Nun ist sie auch in der Produktion von Kräuterbutter sattelfest. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.04.2018, 09:36 Uhr

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