Köniz lässt Kinderfestival fallen

Köniz

Das Kinder- und Jugendmedienfestival ­Köniz ist am Ende. Die Gemeinde zieht sich als Veranstalterin zurück, und eine neue Trägerschaft ist nicht in Sicht. Hat Köniz das Festival trotz Spardrucks voreilig fallen lassen?

Tempi passati: Letzes Jahr durften die Kibuk-Teilnehmer im Workshop «voll eklig» Dinge zeichnen, vor denen sie sich ekeln.

Tempi passati: Letzes Jahr durften die Kibuk-Teilnehmer im Workshop «voll eklig» Dinge zeichnen, vor denen sie sich ekeln.

(Bild: Iris Andermatt)

Oliver Meier@mei_oliver

Da schien die Welt noch in Ordnung: «Erfolgreiches Kinder- und Jugendmedienfestival Köniz», hiess es letzten Herbst im Bilanzcommuniqué der sechsten Ausgabe, die unter dem Motto «Kibuk ungeheuer!» stand. Rund 3000 Besucherinnen und Besucher kamen damals ins Schloss Köniz.

Die dunklen Wolken indes standen bereits am Himmel. 2015 entschied die Gemeinde, sich als Veranstalterin zurückzuziehen. Und nun ist das Festival ganz am Ende: «Kein Kinder- und Jugendmedienfestival Kibuk im September 2017», gab die Präsidialdirektion am Dienstag bekannt. Damit verliert Köniz ein Kulturangebot, das schweizweit einzigartig war. Wie konnte es so weit kommen?

Die Rechnung ging nicht auf

Klein, aber fein war das «Kinderbuchfestival», als es 2005 vom Schriftsteller Lukas Hartmann und seiner Ehefrau, der damaligen Könizer Gemeinderätin Simonetta Sommaruga, lanciert wurde. Seither ist es prächtig gediehen. 2011 übernahm der Verein Kultessen die Programmation und Organisation des Festivals auf Mandatsbasis.

Rund 140'000 Franken kostete das Festival zuletzt pro Ausgabe. Doch die Suche nach Geldgebern gestaltete sich zunehmend schwierig. Mehrere Sponsoren und Stiftungen zogen sich zurück, darunter die Burgergemeinde Bern, die ihre Förderrichtlinien überarbeitet hat.

In Köniz hoffte man darauf, dass der Verein Kultessen das Festival als Veranstalter übernehmen werde. Doch die Rechnung ging nicht auf. Als die Gemeinde Köniz das Festival noch selbst durchführte, steckten rund 700 Arbeitsstunden an Eigenleistungen pro Ausgabe drin. «Hätten wir das Festival als Veranstalter übernommen, wäre die Durchführung massiv teurer geworden», sagt Vereinsvertreterin Carol Rosa.

Den Todesstoss versetzte der Gemeinderat dem Festival faktisch diesen Frühling: Im Rahmen des Sparpakets entschied er, die Defizitdeckungsgarantie um die Hälfte auf 25'000 Franken zu reduzieren. «Wir hätten das Festival gerne übernommen. Aber das finanzielle Risiko war unter diesen Voraussetzungen einfach zu gross», sagt Rosa.

Hat die Gemeinde das Festival trotz Spardruck voreilig fallen lassen? Gemeindepräsident Ueli Studer winkt ab. «Das Festival war uns wichtig. Und wir haben versucht, einen Veranstalter zu finden. Aber wir haben ein Sparpaket, wir müssen die Finanzen im Griff haben.»

Nun im kleineren Rahmen

Laut Marianne Keller, Kulturbeauftragter von Köniz, wurden neben Kultessen keine weiteren Veranstalter geprüft. Gespräche mit dem Kanton gab es nicht, wie Kulturamtschef Hans Ulrich Glarner bestätigt. «Das Aus ist sehr bedauerlich, da das Kibuk das einzige Festival für Kinder- und Jugendliteratur im Kanton war und sowohl bezüglich Inhalt und Atmosphäre als auch punkto Herzblut der Veranstaltenden überzeugt hat», so Glarner.

Also keine Kinderkultur mehr in Köniz? Nicht ganz. Inzwischen hat die lokale Bibliothek ein Konzept vorgelegt, Lesungen im kleineren Rahmen durchzuführen. Möglicherweise werden die zurückgestellten 25'000 Franken – die Hälfte der bisherigen Defizitdeckungsgarantie – 2017 dafür eingesetzt. Entsprechende Mittel wurden im Budget zurückgestellt. Ein Entscheid steht noch aus.

Berner Zeitung

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