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Keine Gutscheine für externe Kinderbetreuung

Eltern, die ihre Kinderfamilien extern betreuen lassen, sollen in Köniz dafür vorerst keine Gutscheine erhalten. Der Gemeinderat spricht sich gegen einen Pilotversuch mit diesem neuen Finanzierungsmodell aus.

Wer Kinder in die Tagesstätte bringt, wird sich in Köniz dafür vorerst nicht mit einem neuen Gutscheinmodell vertraut machen müssen.
Wer Kinder in die Tagesstätte bringt, wird sich in Köniz dafür vorerst nicht mit einem neuen Gutscheinmodell vertraut machen müssen.
Urs Baumann

Mehr Wahlfreiheit für die Eltern. Und mehr Wettbewerb unter den Anbietern: Das sind zwei wesentliche Vorteile, welche die Könizer FDP und der Jungfreisinn in Betreuungsgutscheinen für Eltern sehen, die ihre Kinder ausserhalb der Familie in Obhut geben. Mit einem Vorstoss haben die zwei Parteien vom Gemeinderat verlangt, ein Pilotprojekt zu prüfen. Es sollte zeigen, ob sich solche Gutscheine als neues Finanzierungsmodell für die familienexterne Kinderbetreuung in Köniz einführen liessen. Über die Gutscheine würden künftig nicht mehr die Anbieter von Betreuungsplätzen, sondern direkt die Eltern subventioniert.

Nicht mehr zentralisiert

Doch der Gemeinderat winkt ab. Er stellt sich zwar nicht grundsätzlich gegen die Idee, findet es aber «verfrüht», dieses Modell zu testen. Er will insbesondere ein Pilotprojekt in Luzern abwarten, das noch bis 2012 läuft. Damit folgt er dem Stadtberner Gemeinderat. Der hat sich letzten Herbst auch gegen solche Gutscheine ausgesprochen.

«Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, um das Betreuungsangebot zu verbessern», sagt Benjamin Blaser, Leiter der Könizer Abteilung für Alter, Jugend und Gesundheit. Im Interesse der Eltern habe man mit der Kinderbetreuung (Kibe) Köniz eine zentrale Anlaufstelle geschaffen. «Die läuft sehr gut», so Blaser.

Doch mit einem Pilotprojekt würde diese Zentrale überflüssig. Denn mit dem Gutscheinmodell müssten alle Eltern direkt bei den Anbietern nach Plätzen suchen, schildert Blaser das Vorgehen. Haben sie einen Platz, müssten sie mit der Bestätigung zur Gemeinde. Diese würde dann je nach Beschäftigungsgrad sowie Einkommen und Vermögen der Eltern ausrechnen, wer wie hohe Gutscheine erhält. Schliesslich bezahlen die Eltern direkt die ganze Rechnung für ihren Betreuungsplatz.

Zu wenig ausgeklügelt

Blaser ist die Skepsis anzuhören. «Das wäre eine völlig neue Organisation.» Auch der bürokratische Aufwand für die Gemeinde würde steigen. Die freie Wahl für die Eltern und die grössere Konkurrenz unter den Anbietern seien zwar gute Ansätze. «Aber die Nachfrage ist noch immer höher als das Angebot.» Erst wenn das ausgeglichen sei, könne die Konkurrenz spielen.

Kommt dazu, dass der Kanton bei der familienexternen Kinderbetreuung eine zentrale Rolle spielt. Das heisst: Ohne ein Ja von Kantonsseite wäre ein Pilotversuch in Köniz gar nicht möglich. «Wir standen in Kontakt», sagt Blaser. Man habe zwar keine klare Antwort erhalten. «Doch hätten wir uns wohl schon auf einen Versuch einigen können.»

Erste Mängel haben das Pilotprojekt in Luzern und auch ein Versuch in Hamburg bereits gezeigt: Nicht alle Eltern können mit den Gutscheinen umgehen. So zahlt zum Teil doch wieder die Gemeinde direkt an die Institution. Zudem fällt auf, dass trotz der Gutscheine sich vor allem sozial Schwache die Betreuung nicht mehr leisten können, also das System noch zu wenig ausgeklügelt ist.

Sicher weiterverfolgen

Viele Überlegungen der Gemeinde kann auch FDP-Parlamentarier Mark Stucki nachvollziehen. Er hat den Vorstoss lanciert. «Es gibt sicher Argumente für und gegen diese Gutscheine», sagt er. Ob sich die FDP trotz Gemeinderats-Nein weiterhin für das Modell starkmache, gelte es noch zu diskutieren. Am 15.Februar kommt der Vorstoss ins Parlament. «Sicher finden wir es gut, wenn der Gemeinderat die Sache weiterverfolgt», sagt Stucki schon vor dieser Debatte.

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