Kein Gratis-ÖV für Senioren

Münsingen

Über 65-Jährige müssen weiterhin für den Ortsbus bezahlen. Die Initiantin ist enttäuscht.

Initiantin Elisabeth Striffeler (SP). Foto: Nicole Philipp

Initiantin Elisabeth Striffeler (SP). Foto: Nicole Philipp

Es wäre ein Novum im Kanton Bern gewesen: Menschen über 65 Jahre können gratis den Ortsbus benützen. Doch so weit kommt es in Münsingen nun doch nicht. Das Parlament lehnte dieses Anliegen am Dienstagabend klar ab und folgte damit dem Gemeinderat, der sich zuvor schon dagegen ausgesprochen hatte. Dafür will er nun beim Tarifverbund Libero prüfen lassen, ob in der Gemeinde ein Kurzstreckenabo eingeführt werden könnte. Damit soll die ÖV-Benützung angekurbelt werden.

Das war schwacher Trost für Elisabeth Striffeler (SP). Sie hatte die Motion mit Parteikollegin Thekla Huber eingereicht. Die beiden Parlamentarierinnen berufen sich auf Erfahrungen aus Grossbritannien und Irland. Dort können Senioren die lokalen Busnetze seit 2006 gratis be­nützen. Dieses Angebot belaste zwar die Rechnung der Kom­munen, sei aber «gut investiertes Geld». Denn gemäss einer Studie seien mobile Senioren und Seniorinnen weniger krank. Dieses Sparpotenzial sei höher als die Kosten für den Gratisbus.

Die Gemeinde zahle heute bereits 1,3 Millionen Franken pro Jahr für den öffentlichen Verkehr, rechnete Gemeinderat Andreas Kägi (FDP) vor. Mit dem Gratisangebot würden nochmals 1,7 Millionen Franken hinzukommen. Dabei seien die allermeisten der 3060 Senioren in der Gemeinde mobil, nämlich 2070 Personen. Diese würden von einem Giesskannenprinzip profitieren, obschon sie das gar nicht nötig hätten, so Kägi. «Da wird ein Gespenst an die Wand gemalt.»

«Es wäre ja komisch, wenn wir gleicher Meinung wären», antwortete Striffeler. Sie war von der «zu drei Vierteln nichtssagenden» Antwort des Gemeinderats nicht überrascht. Wie sie sagte, hatte sie gestern an einer Tagung des Schweizerischen Seniorenrats teilgenommen – von der Gemeinde habe sie dort aber niemanden angetroffen. Das Thema: Armut im Alter. Striffeler ist überzeugt: Der Gratis-ÖV sorge dafür, dass Senioren mobiler und damit weniger einsam wären und gesünder leben würden.

Nur gerade die SVP äusserte Sympathie für das Anliegen der beiden SP-Frauen. «Für uns ist aber nicht ersichtlich, wie die Finanzierung erfolgen sollte», sagte Marco Gehri. Und nicht einmal in der SP teilten alle Parlamentarier ihr Anliegen, wie Striffeler enttäuscht feststellte. Nun hat sie, die auch im Grossen Rat politisiert, genug. Auf Ende Jahr hat sie ihren Rücktritt aus dem Münsinger Parlament erklärt. Es bringe ja doch nichts, sagte sie zu dieser Zeitung. In Münsingen finde sie für ihre Anliegen kein Gehör. (rei)

Berner Zeitung

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