Kaum jemand bezahlt mit Bonobo

Bern

Seit einem Jahr ist die Berner Alternativwährung Bonobo im Umlauf. Ob Bioladen, Bar oder Schreinerei: Über dreissig Betriebe akzeptieren das soziale Geld. Damit bezahlt wird aber nur selten.

In der Druckerei der Reitschule stellen die Initianten um Alwin Egger (r.) und David Böhner (l.) die Bonobo her.

In der Druckerei der Reitschule stellen die Initianten um Alwin Egger (r.) und David Böhner (l.) die Bonobo her.

(Bild: Susanne Keller)

Christoph Albrecht

Sie werden in der Reitschule-Druckerei hergestellt, gelten als fälschungssicher und tragen den Namen einer Schimpansenart. Die Rede ist von den sogenannten Bonobo.

Im Januar 2015 wurde die Berner Alternativwährung anlässlich des Kulturfestivals Tour de Lorraine offiziell lanciert. Das Ziel: Mit den Bonobo soll eine nachhaltige, nicht profitorientierte Wirtschaftsform gefördert werden, bei der sich das Geld auf seinen Zweck als Tauschmittel reduziert. Der Grundgedanke: Wer mit Bonobo («Bon ohne Boss») handelt, bekennt sich zu einer sozialen Wirtschaft frei von Spekulation.

Fast niemand bezahlt damit

Von der Kleinschreinerei über den Nachtclub bis hin zum Architekturbüro – rund dreissig Betriebe machen beim Experiment mit. Sie alle akzeptieren für ihre Produkte oder Dienstleistungen nebst Schweizer Franken auch Bonobo. Nach dem ersten Projektjahr fällt die Bilanz bei vielen von ihnen allerdings eher ernüchternd aus, wie eine Umfrage dieser Zeitung bei zehn teilnehmenden Betrieben zeigt. Der Grundtenor: Das Projekt sei zwar sympathisch, sei jedoch noch nicht so recht in Fahrt gekommen.

«Bei uns wurde bisher erst drei- bis viermal damit bezahlt», sagt etwa Oliver Inäbnit von der Zar-Bar im Weissenbühlquartier. Insgesamt habe man nicht mehr als 40 Bonobo eingenommen. Ähnlich tönt es beim Nachtclub ISC: «Viel Erfahrung haben wir mit den Bonobo bisher leider nicht gemacht», sagt ISC-Mitarbeiterin Fadrina Schöpfer. Ungefähr 50 Bonobo seien bisher insgesamt über die Theke gegangen. Noch knapper fielen die Antworten bei einer angefragten Gitarrenschule und einem Physiotherapeuten aus. In beiden Betrieben sei noch gar nie mit der Alternativwährung bezahlt worden.

Selbst im Alternativquartier Lorraine, in dem rund ein Drittel aller am Projekt beteiligten Betriebe angesiedelt sind, haben die Bonobo einen schweren Stand. «Die Sache läuft zögerlich», sagt Trine Pauli vom Café Kairo auf Anfrage. Immerhin: Rund 2500 Bonobo seien bisher eingegangen. Dies bei einem Gegenwert eines Bonobo von einem Franken. Allerdings seien davon rund 2000 Stück allein bei der letztjährigen Tour de Lorraine ausgegeben worden. Damals waren in ­jedem der 3000 verkauften Festivaltickets bereits 5 Bonobo inbegriffen. Um die 15 000 Bonobo ­gelangten also automatisch durch den Ticketverkauf unter die Leute.

Aktiv neue Geldscheine gekauft wurden seither hingegen nur selten. «Nur eine Person kauft regelmässig Bonobo ein», heisst es auf Anfrage beim Q-Laden. Das Biogeschäft in der Lorraine fungiert als inoffizielle ­Bonobo-Bank, wo die Alternativwährung nicht nur ausgegeben, sondern auch gekauft werden kann.

«Projekt braucht seine Zeit»

Nach einem Jahr wird die Alternativwährung also nur sehr selten genutzt. Ist das Experiment Bonobo gescheitert? «Keineswegs», sagt Mitinitiant Alwin Egger. Den Erfolg der Bonobo nur am Umsatz mit der Währung zu messen, sei nicht korrekt. «Unser Ziel war es ja auch, mit dem Projekt eine Diskussion über Sinn und Zweck von Geld anzustossen», so Egger. Zudem habe man damit Betrieben, die sozial wirtschaften, einen gemeinsamen Auftritt ermöglichen wollen.

Trotz dem tendenziell eher abnehmenden Interesse an der Alternativwährung – aktuell sind nur noch rund 10 000 Bonobo im Umlauf – ist Egger zuversichtlich, dass der Bonobo noch in Fahrt kommt. «Das Projekt braucht seine Zeit.» Den Initianten sei von Anfang an klar gewesen, dass nur ein Jahr noch nicht reichen würde, um einen funktionierenden und steten Kreislauf aufzubauen. Deshalb habe man die Einführungsphase auf drei Jahre angelegt. «Wir wollen das Thema weiterhin unter die Leute bringen und laufend neue Betriebe zum Mitmachen anfragen.»

Lieferanten machen nicht mit

Ein Betrieb, der künftig nicht mehr beim Experiment mitmachen will, ist die Brasserie Lorraine. Die Idee finde man zwar nach wie vor sympathisch, aber: «Bei unseren Lieferanten können wir leider nicht mit der Alternativwährung bezahlen», sagt Helena Rust vom Betreiberkollektiv des linksalternativen Treffpunkts. Die Folge davon sei, dass man auf den Bonobo sitzen bleibe. «Ausserdem bedeuteten die Bonobo immer auch einen Mehraufwand bei den Abrechnungen», so Rust.

Während der anstehenden Tour de Lorraine akzeptiere man die Bonobo noch. Danach wird die Brasserie aber aus dem Projekt aussteigen – und künftig wieder ausschliesslich auf den Franken setzen.

Berner Zeitung

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