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Kathrin Bertschy: Die Grünliberale auf der Überholspur

Die 32-jährige Berner Stadträtin ist zügig ans Ziel gelangt: Sie hat nach drei Jahren lokaler Politik am Sonntag einen der beiden grünliberalen Nationalratssitze im Kanton erobert. Die Volkswirtin engagiert sich seit der ersten Stunde für die boomende neue Kraft.

Kathrin Bertschy hat den Sprung ins nationale Parlament geschafft. Sie verkörpert ideal die Erfolgsgeschichte der jungen Partei.
Kathrin Bertschy hat den Sprung ins nationale Parlament geschafft. Sie verkörpert ideal die Erfolgsgeschichte der jungen Partei.
Urs Lindt

In den Grossen Rat wollte die 32-jährige Berner Stadträtin Kathrin Bertschy 2010 noch nicht, nun hat sie für die Grünliberalen den Sprung in den Nationalrat geschafft. «Ich habe nicht damit gerechnet», sagt sie einen Tag danach. Eigentlich hatte sie gestern vor, während der hektischen letzten Tage versäumte Arbeiten zu erledigen. Anfragen von überall her verunmöglichten das. Ein kurzes Gespräch zwischen einem anderen Interview und der Kommissionssitzung im Rathaus lag trotzdem drin. «Die Wahl hat mich sehr gefreut», sagt sie also aufgeräumt. Dann beantwortet Bertschy kühl und konzentriert Fragen: «Ich war Gründungsmitglied der Stadtberner Grünliberalen. Doch die nationale Politik hat mich von jeher stärker interessiert.»

Dossierfest und fokussiert

Ebenso klar war ihr, dass der Anfang einer politischen Karriere auf lokaler Ebene geschieht. Drei Jahre lang hat sie sich in ihr Stadtratsmandat hineingekniet. «Nun gebe ich das Amt im Verlauf dieses Jahres ab.» Auch beruflich warten Veränderungen. Bertschy erarbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Beratungsbüros Ecoplan politische Grundlagen. «Das lässt sich nicht mit dem Nationalratsmandat vereinbaren», so Bertschy. Im Rahmen von Forschungsprojekten werde die Zusammenarbeit jedoch wohl weitergeführt.

Im Stadtrat trat Bertschy zielgerichtet und dossierfest auf. Sie ebnete bei der familienergänzenden Kinderbetreuung mit ihren Mitstreitern den Betreuungsgutscheinen den Weg. Diese krempeln das Unterstützungssystem um: «Mir ging es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf», sagt sie rückblickend. Betreuungsgutscheine orientieren sich am Liberalen im Namen ihrer Partei. Grün profilierte sich die Politikerin dagegen nicht: «Grüne Themen sind in Bern schon so gut abgedeckt», begründet sie das Manko. Man habe vor den letzten Stadtratswahlen 2008 Themenschwerpunkte gesetzt, mit denen sich die junge Partei positionieren wollte. Das Fachwissen aus einem Auftrag, den sie für ihre Arbeitgeberin erledigte, kam ihr dabei natürlich zupass. Grün sei ihr als selbstverständliche Einstellung von ihrer Familie mitgegeben worden, erzählt Bertschy. Sie wuchs in Oberhofen bei Thun auf. Doch ein Engagement bei einer Umweltorganisation stand nicht am Anfang ihrer politischen Laufbahn: «Ich wurde von der Lektüre der NZZ politisiert, die ich schon als Zweitklässlerin las.» In der Freizeit spielte sie Fussball und Violine.

Ein Herz fürs Nachtleben

Während des Studiums zog es die junge Frau nach Bern. Als Mitglied des Trägervereins des Clubs Sous-Soul, der auf Ende Jahr schliessen muss, steht sie heute ein- bis zweimal pro Monat hinter der Theke. Ein pulsierendes Nachtleben liegt ihr am Herzen. Deshalb setzt sie sich im Verein Pro Nachtleben Bern dafür ein.

Nun wird sie also mit dem Gründer der Grünliberalen, Martin Bäumle, im Bundeshaus sitzen. Am Samstag findet die erste Fraktionssitzung statt. Den Parteipräsidenten sah sie zum ersten Mal bei einem Treffen im Juni 2007 in Bern. In dieser Partei habe sie endlich eine Kraft gefunden, welche ihre Anliegen aufgreife. An ihrem Nationalratsmandat reizt Bertschy die Suche nach mehrheitsfähigen Lösungen. Ohne Zweifel wird sie es nüchtern und ohne Show anpacken: «Mir fehlt schlicht das Rampensau-Gen.»

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