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Berner Arzt muss Kassen 120'000 Franken zurückzahlen

Ein Hausarzt aus der Region Bern muss den Krankenkassen knapp 120'000 Franken zurückzahlen. Er hatte die Patienten «überarztet».

Hans Ulrich Schaad
Unter anderem habe er sich als bereits pensionierter Arzt mehr Zeit für seine Patienten. Der Berner Arzt muss rund 20 Krankenversicherungen knapp 120'000 Franken zurückerstatten. (Symbolbild)
Unter anderem habe er sich als bereits pensionierter Arzt mehr Zeit für seine Patienten. Der Berner Arzt muss rund 20 Krankenversicherungen knapp 120'000 Franken zurückerstatten. (Symbolbild)
Keystone

Die Diagnose des Schiedsgerichts ist eindeutig: Der Arzt hatte seine Patienten zu teuer behandelt und den Krankenkassen zu hohe Rechnungen gestellt. Und das Schiedsgericht hat auch gleich die passende Medizin: Der Arzt muss rund 20 Krankenversicherungen einen Teil der Kosten zurückerstatten. Fast 120'000 Franken für die Jahre 2013 und 2014.

Verschiedene Krankenkassen, die dem Verband Santésuisse angeschlossen sind, hatten das Verfahren gegen den Medizinern aus der Agglomeration Bern ins Rollen gebracht. Aufgrund ihrer statistischen Erhebungen stellten sie fest, dass der Arzt im Vergleich zu anderen Ärzten mit einer ähnlichen Patientenstruktur viel zu teuer ist. Und zwar deutlich über dem Toleranzwert. Deshalb gelangten sie an das Schiedsgericht für Sozialstreitigkeiten, das dem Verwaltungsgericht angegliedert ist. Sie verlangten eine Rückerstattung von Beiträgen.

Nur wenige Patienten und «Überarztung»

Der Arzt wies darauf hin, dass die Anzahl seiner Patienten unterdurchschnittlich sei und dass sie wegen ihres Alters besonders kostenintensiv seien. Ein statistischer Vergleich sei mit Vorsicht zu geniessen. Zudem nehme er sich als bereits Pensionierter mehr Zeit für seine Patienten.

Das Schiedsgericht räumt zwar ein, dass die Patientenzahl gering sei, was die Wirtschaftlichkeit der Praxis belaste. Aber: «Ein Arzt kann sich den ungenügenden wirtschaftlichen Erfolg nicht über die obligatorische Krankenversicherung ausfinanzieren lassen.» Weil er sich mehr Zeit als ­erlaubt nehme und das den Krankenkassen in Rechnung stelle, belege er selber die «Überarztung». Der Arzt verletze damit das Wirtschaftlichkeitsgebot.

Medikamente abgegeben

Und da ist noch die Sache mit den Medikamenten. Der Arzt gab viele Medikamente gleich selber ab und stellte keine Rezepte aus. Bei dieser «lukrativen Selbstdispensation» lag der Mann «weit über dem Durchschnitt», erneut aus­serhalb der Toleranz. Es liege keine Praxisbesonderheit vor, so das Schiedsgericht, sondern ein «von ökonomischen Interessen geleiteter Entscheid».

Der Arzt hätte gemäss dem kantonalen Recht gar keine Medikamente abgeben dürfen, weil sich in der Umgebung mindestens zwei Apotheken befinden. Deshalb könnte er nun auch Ärger mit der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion bekommen, weil er seine beruflichen Pflichten verletzt hat. Ihm droht eine Busse. Der Gerichtsentscheid wird deshalb auch dem Kantonsarzt zugestellt.

Das Schiedsgericht legte zum Schluss mit einer Mischrechnung (zu teure Behandlung, Medikamente) fest, wie viel der Arzt den Krankenversicherungen zurückerstatten muss. Für das Jahr 2013 sind es 72'750 Franken, für das Jahr darauf 45'689 Franken. Dazu kommen rund 18'000 Franken Verfahrens- und Parteikosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Arzt kann es ans Bundesgericht weiterziehen.

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