Karibische Klänge gegen das Fernweh

Münsingen

Karibische Sommergefühle dank Klanggebilden aus alten Ölfässern – ab Freitag findet beim Schlossgut zum ersten Mal das Swiss Steelpan Festival statt. Mitorganisator Pit Zünd kennt die Faszination.

<b>Pit Zünd</b>, Mitorganisator Swiss Steelpan Festival.

Pit Zünd, Mitorganisator Swiss Steelpan Festival.

(Bild: PD)

Johannes Reichen

Steelbands, das klingt ein wenig nach 90er-Jahre und Mehrzweckhallen. Oder etwa nicht?Pit Zünd:Da haben Sie leider nicht ganz unrecht. 1985 erlebte der Musikstil den Höhepunkt, in der Schweiz gabs fast 200 Bands – was weltweit die zweithöchste Konzentration pro Einwohner hinter Trinidad und Tobago war, wo diese Musik herkommt.

Warum war gerade die Schweiz eine Steelband-Hochburg?Darüber haben sich schon viele gescheite Leute Gedanken gemacht. Manche sagten, der Klang erinnere an Kuhglocken, andere erklärten es mit Fernweh. Es war wohl so, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort standen und die Steelband-Musik förderten.

Wie steht es heute um die ­Steelband-Szene?Es gibt immer noch etwa 120 Bands, wobei sich aber nur einige wenige durch spielerische Glanzleistungen hervortun. Die anderen haben neben der Musik eher ein soziales Element. Man ist ­zusammen mit Gleichgesinnten und geniesst es, in der Gruppe etwas zu erleben.

Haben Sie Nachwuchs­probleme?Die haben wir, wie alle vom Jodlerchörli bis zur Blasmusik. Es gibt noch etwa fünf Bands, die sich gezielt um den Nachwuchs kümmern. Das Durchschnittsalter ist relativ hoch.

Was ist das für ein Menschenschlag, der in Steelbands mitspielt?Die Leute werden berührt vom Klang, von der Musik. Sie haben ein musikalisches Grundinteresse. Die Steelmusik bietet aber auch die Möglichkeit, ohne Instrumentalausbildung in einer Band mitzumachen und die Freude des Publikums zu geniessen. So war es auch bei mir.

Was gefällt Ihnen persönlich an der Steelmusik?Mir gefällt der Klang, aber auch die Idee, dass aus einem Abfallprodukt etwas Schönes kreiert wird. Und besonders gefallen mir die Rhythmen des Calypso.

Wie stehen Sie zu Hangs, die mit den Händen statt Stöcken gespielt werden und etwas sanftere Töne hervorbringen?Felix Rohner, der das Hang zusammen mit Sabina Schärer entwickelt und übrigens auch mich zur Steelmusik gebracht hat, war ursprünglich ein Steelpan-Hersteller. Das Hang ist ein ganz anderes musikalisches Konzept und nicht für eine Band gedacht. Nicht von ungefähr spricht man ihm auch eine therapeutische, meditative Wirkung zu. Es ist absolut faszinierend, spricht aber eine ganz andere Klientel an.

Nun organisieren Sie dieses ­Wochenende in Münsingen ein dreitägiges Steelmusik-Festival. Wie kam es dazu?Früher gab es in der Schweiz eine grosse Begeisterung für Steelbands und mehrere Festivals, etwa in Männedorf, Wallberg und vor allem in Cudrefin, dem alljährlichen Höhepunkt. Diese Festivals sind alle eingegangen. Eine Gruppe um die Münsinger Musiklehrerin Marlis Tschanz wollte deshalb etwas Neues auf die Beine stellen.

Was empfehlen Sie Besuchern?Es nehmen immerhin zwanzig Bands aus der ganzen Schweiz teil, die das gesamte Spektrum der Musik abdecken. Omri Hason spielt Hang, und am Sonntag tritt zum Abschluss eine Grossformation mit hundert Musikern auf. In der Schweiz bestehen die meisten Bands aus fünf bis zwanzig Musikern, wogegen in Trinidad bis zu 120 Leute zusammen spielen. Das klingt schon etwas anders.

Drei Tage lang sonniges Wetter, sonnige Musik, gute Laune. Wird das nicht fast zu viel?Es muss schon ein Hardcorefan sein, wer sich von Freitagabend bis Sonntagnachmittag alle Konzerte anhören will. Die meisten werden wohl einfach Rosinen herauspicken. Aber ja, es läuft viel. Es wird happig.

Pit Zünd (69) ist Mitorganisator des 1. Swiss Steelpan Festival beim Schlossgut in Münsingen (Infos unter www.steelpanfestival.ch). Er spielte bei mehreren Steelbands mit und war früher Präsident des Schweizer Steelband-Verbands Panch. Er lebt in Zollikofen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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