Kanton will den Verkehr dosieren

Statt die Strassen auszubauen, setzt der Kanton in Nähe der Stadt Bern künftig auf computergesteuerte Dosiersysteme und Infotafeln. So sollen Staus vermindert werden. In drei Jahren dürfte das Verkehrsmanagement Bern-Nord in Betrieb sein.

Staus wie hier in Zollikofen sind im Norden Berns an der Tagesordnung.

Staus wie hier in Zollikofen sind im Norden Berns an der Tagesordnung.

(Bild: Urs Baumann)

Zügig und flüssig ins Zentrum oder nach Hause fahren. Das ist der Traum vieler motorisierter Pendler. Die tägliche Realität sieht anders aus: In den Ortschaften rund um Bern stauen sich morgens und abends die Autos zu Hunderten. Stop and go, warten und fahren. Die Folgen: längere Fahrzeiten und Schleichverkehr durch Quartiere. Zudem wird der öffentliche Verkehr behindert, die Anschlüsse können nicht sichergestellt werden. Eine ständige Geduldsprobe für alle.

Dies soll sich bald ändern – jedenfalls nördlich von Bern. Der Kanton realisiert zusammen mit dem Bund und den betroffenen Gemeinden das Projekt Verkehrsmanagement Bern-Nord. Wie der Name sagt, geht es nicht um neue Strassenbauten, sondern vielmehr darum, den Verkehr zu steuern. «Technik statt Beton» nennt Kantonsoberingenieur Stefan Studer diese Philosophie.

Geplant sind Sensoren zur Verkehrszählung und neue, von einem Zentralrechner gesteuerte Lichtsignalanlagen. Je nach Verkehrslage reagieren die Ampeln und dosieren die Autos so, dass Staus vermieden werden. Zusätzlich melden Informationstafeln an neuralgischen Punkten den Verkehrsteilnehmern in Echtzeit, wie lange die Durchfahrt auf einer bestimmten Route dauert.

So versucht man zu vermeiden, dass die Autofahrer Schleichwege benützen. «System der konsequenten Dosierung» nennen es Verkehrsfachleute. Die technische Aufrüstung der Verkehrsregelung entspricht der Mobilitätsstrategie des Kantons. Studer: «Wir wollen die Kapazität auf dem bestehenden Strassennetz besser ausnützen. Das kostet wesentlich weniger als der Ausbau von Strassen.»

Vernetzte Gemeindestrassen

Mehrere Projekte rund um die Stadt Bern sollen dies ermöglichen. Als erstes wird dasjenige im Norden realisiert, wo der Verkehr von vier Autobahnteilstücken und mehreren Ein- bzw. Ausfallstrassen aufeinandertrifft. Involviert sind die Gemeinden Bolligen, Ittigen, Zollikofen, Moosseedorf, Urtenen-Schönbühl, Münchenbuchsee sowie Teile der Stadt Bern. Dort werden Knoten verkehrsoptimiert und an den Ortseingängen ampelgesteuerte Dosieranlagen installiert. Dies soll den Fahrzeugen in den Zen­tren ermöglichen, flüssig durchzukommen.

Können solche Verkehrsleitsysteme Staus wirklich verhindern? Verlagern sich diese nicht einfach in andere Zonen? Stefan Studer verneint. «Wir haben im kleineren Rahmen gute Erfahrungen gemacht.» Im Raum Wankdorf zum Beispiel komme es kaum mehr zu grösseren Rückstaus – ausser wenn Fussball- oder Eishockeyspiele stattfänden, vor grossen Konzerten oder während der BEA.

In der Stadt Bern funktioniert die vernetzte Verkehrsregelung mit einem Zentralrechner schon seit Jahrzehnten. Doch in der Region lag die Verantwortung in erster Linie bei der jeweiligen Gemeinde. Deshalb gibt es dort noch keine raumübergreifenden Systeme, Ampeln sind höchstens mit den benachbarten an der gleichen Kreuzung synchronisiert. Kreisel helfen zwar, den Verkehr zu verstetigen, können ihn aber nicht aktiv beeinflussen.

Kosten: 10 Millionen

Systeme wie das geplante sind nicht neu. «In grossflächigen Städten wie Zürich und Lausanne gibt es sie seit längerem», weiss Stefan Studer. Nun wird im Norden von Bern grenzübergreifend gehandelt. Obwohl es in der ­Vergangenheit zu Querelen zwischen drei Gemeinden kam (siehe Box), steht jetzt fest: Alle sieben Ortschaften machen mit und zahlen ihren Anteil. Der Lead aber – das ist neu – liegt beim Kanton, auch wenn zum Teil Gemeindestrassen betroffen sind.

Die Kosten des Verkehrsmanagementsystems Bern-Nord werden auf rund 10 Millionen Franken geschätzt. Der Bund ­beteiligt sich voraussichtlich im Rahmen des Agglomerationsprogramms und mit einem Pauschalbetrag des Astra. Die sieben Gemeinden bezahlen total 1,33 Millionen Franken. So bleiben dem Kanton Investitionen von rund 5 Millionen Franken.

Betrieb ab 2019

Noch dauert es einige Zeit, bis das System den Verkehr steuern wird. Gegenwärtig läuft die Projektierung, kürzlich hat der Regierungsrat dafür einen Kredit von 1,3 Millionen Franken bewilligt. Laut Stefan Studer dürfte das Management 2019 in Betrieb ­gehen. Bis dahin müssen die ­Verkehrsteilnehmer im Norden Berns noch mit dem zähen Fahrzeugfluss und den Staus leben.

Berner Zeitung

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