Kanton will 2 Millionen Franken an den Flughafenausbau zahlen

Bern-Belp

Der Flughafen Bern-Belp soll für 18 Millionen Franken ausgebaut werden. Die Finanzierung ist nicht gesichert. Der Kanton will sich beteiligen, erntet dafür aber Kritik.

Gemeinsam für den Ausbau: Beat Brechbühl, Verwaltungsratspräsident des Flughafens, und Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann.

Gemeinsam für den Ausbau: Beat Brechbühl, Verwaltungsratspräsident des Flughafens, und Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann.

(Bild: Raphael Moser)

Johannes Reichen

2017 war kein gutes Jahr für den Flughafen Bern-Belp. Die heimische Airline Skywork konnte ein Grounding im letzten Moment abwenden, die Zahl der Flugpassagiere sank zum wiederholten Mal leicht, die Nebelproblematik sorgte für Diskussionen. Der Niedergang des Airporthotels machte die Sache auch nicht unbedingt besser.

Wenigstens bescherte das Bundesgericht dem Flughafen vor Jahresende noch eine gute Nachricht: Es lehnte eine Beschwerde von Umweltverbänden und Fluglärmgegnern gegen die vierte Ausbauetappe ab. Sie hatten ein Schallschutzkonzept gefordert.

Nun möchte der Flughafen mit dem Ausbau vorwärtsmachen, wie Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl am Montag vor den Medien klarstellte. «Damit sichern wir die Zukunft des Flughafens.»

Businesscenter und Hangars

Bis 2022 sollen im Belpmoos 17,7 Millionen Franken in die Infrastruktur gesteckt werden. Im Gebiet westlich des Flughafens, entlang der Gürbe, sind vier Hangars für Kleinfliegerei, ein Grosshangar, Rollwege, Abstellflächen sowie ein Unterstand für Standläufe geplant. Dieser soll für eine Lärmminderung sorgen.

Der geplante Ausbau (klicken zum Vergrössern)

Weiter soll an der Flugplatzstrasse ein neues Center für die Geschäftsfliegerei entstehen. «Hier sehen wir Potenzial.» Denn dieser Bereich werde an den Grossflughäfen zunehmend verdrängt. «Wir wollen die Businessfliegerei aber nicht zu einem überdimensionierten Markt ausbauen», so Brechbühl.

Erstmals äusserte er sich zur Finanzierung des Ausbaus. Klar ist: Der Flughafen selber kann nur einen kleinen Teil der Investition leisten. «Wir müssen mit unseren Mitteln haushälterisch umgehen, wollen uns aber die Zukunft nicht verbauen.» Eine genaue Zahl wurde nicht genannt.

Parlament entscheidet

Dafür steht nun der Regierungsrat dem Flughafen zur Seite und will sich mit 2 Millionen Franken am Infrastrukturausbau beteiligen, wie Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) erklärte. Ausserdem ist im Rahmen der Neuen Regionalpolitik ein zinsloses, rückzahlbares Darlehen von 4 Millionen Franken vorgesehen. Der Regierungsrat geht gegenüber dem Bund eine Eventualverpflichtung von 2 Millionen Franken ein, wie er in eigener Kompetenz entschieden hat.

«Die Regierung ist überzeugt, dass das gut investiertes Geld ist», sagte Ammann. «Der Flughafen hat für die Wirtschaft und den Tourismus eine wichtige Funktion.» In den letzten Jahren habe der Kanton mehrere Projekte am Flughafen unterstützt, so 2006 die Pistenverlängerung, 2010 das Schengen-Terminal und 2012 die Erschliessungsstrasse. Wichtig sei: Der Kanton finanziere nicht den Flugbetrieb mit, sondern die Infrastruktur.

Bei der Vereinigung gegen Fluglärm und beim VCS Kanton Bern stiessen die Pläne der Regierung jedoch sogleich auf Ablehnung. Öffentliche Gelder dürften nur für Lärmschutzmassnahmen verwendet werden, fordern sie. Bei den Parteien ist das Vorhaben umstritten (siehe Kasten). Der Grosse Rat entscheidet wohl in der Märzsession über den Kredit.

Bald Entscheid zu Südanflug

Ungeachtet des Kantonsbeitrags gestaltet sich die Finanzierung des vierten Ausbauchritts nach wie vor schwierig. Bis zum Bundesgerichtsentscheid habe die Rechtsunsicherheit mögliche Investoren abgeschreckt, sagte Brechbühl. Nun hätten sowohl Investoren wie auch mögliche Mieter der neuen Infrastruktur Interesse signalisiert. Zugleich deutete er bereits an, dass das Projekt womöglich auch etwas länger als die erhofften vier Jahre dauern könnte. Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen.

Wie der Ausbau beschäftig ein zweites Infrastrukturprojekt den Flughafen seit Jahren: das satellitengestützte Verfahren für den Anflug aus Süden. Ursprünglich war die Einführung auf 2015 geplant gewesen. Nun hofft Brechbühl auf einen baldigen Durchbruch: In den nächsten Tagen erwartet er den Entscheid des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Das Bazl hatte die Akten zum Vorhaben im Herbst neu aufgelegt. Bei idealem Verlauf, so der Flughafenpräsident, werde es rund ein Jahr bis zur Umsetzung dauern.

Berner Zeitung

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