Kanton entscheidet frühstens im Frühling 2011 über Abberufung von Urwyler

Köniz

Der Kirchgemeinderat Köniz informierte am Dienstag über das weitere Vorgehen im Fall André Urwyler. Der beliebte Pfarrer ist «ab sofort von allen pfarramtlichen Pflichten und Aufgaben dispensiert» worden. Ein weiteres Gesuch ist beim Kanton Bern eingereicht worden, um Urwyler abzuberufen.

André Urwyler

André Urwyler

(Bild: Iris Andermatt)

Der Kirchgemeinderat hat beim Kanton Bern erneut ein Abberufungsgesuch gegen den 61-jährigen Urwyler eingereicht. Die genauen Gründe für diesen ungewöhnlichen Schritt nannte der Rat am Dienstag jedoch nicht. Man dürfe das Risiko nicht eingehen, den Persönlichkeitsschutz Urwylers zu verletzen, hiess es. Das neue Gesuch habe aber nichts mit den alten Abberufungsgesuchen zu tun.

Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) des Kantons Bern bestätigte am Dienstagnachmittag den Eingang des Gesuchs. Die JGK werde den Antrag prüfen und auch die kirchliche Oberbehörde, den Synodalrat der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Bern, zu einer Stellungnahme einladen, teilte die Behörde mit. Ein Entscheid sei «frühestens im Lauf des Frühjahrs 2011» zu erwarten.

Kein Maulkorb für Urwyler

Im Gegensatz zu den früheren Vorfällen hat Urwyler dieses Mal keinen Maulkorb erhalten. Der Pfarrer hat mit seinem Anwalt für Dienstagabend eine Medienkonferenz einberufen, wo er eine Stellungnahme abgeben will.

Gertrud Rothen, Präsidentin des Kirchgemeinderats, sagte, dass man Urwyler den Entscheid habe persönlich überbringen wollen. Er sei jedoch nicht an der Türe erschienen.

Der Rat hatte am 25. Oktober 2010 Urwyler eröffnet, dass er plane, wieder ein Abberufungsgesuch gegen ihn einzureichen. Bis zum 17. November 2010 hatte der Pfarrer Zeit, Stellung zu nehmen. Laut Rothen ist Urwylers Antwort durch den Rat «sehr eingehend» geprüft worden.

Der Rat rechne mit Widerstand von der Basis, sagte Matthijs van Zwieten de Blom, Präsident der Personalkommission. Doch habe man einen unpopulären Entscheid treffen müssen zum Wohle der Kirchgemeinde. «Wir wollen André Urwyler nicht persönlich fertigmachen», so Zwieten de Blom.

Einmalig im Kanton Bern

Ein Abberufungsverfahren ist einzigartig. An einen vergleichbaren Fall kann sich auf der kantonalen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) niemand erinnern. Zu einer Abberufung eines Pfarrers ist es in den letzten zwanzig Jahren nie gekommen. Einen Geistlichen loszuwerden, ist ein schwieriges Unterfangen. Diese Erfahrung hat die Kirchgemeinde Köniz im Fall von Pfarrer André Urwyler bereits dreimal gemacht – sämtliche Anläufe, ihn abzusetzen, sind gescheitert.

Urwyler ist, wie alle anderen Pfarrer im Kanton Bern auch, für eine Amtsdauer von sechs Jahren gewählt. Diese dauert einheitlich noch bis am 31. Dezember 2013. Will ein Kirchgemeinderat seinen Pfarrer auswechseln, schlägt er der Kirchgemeinde üblicherweise vor, ihn nicht wiederzuwählen. Im Fall von Urwyler ist dieser Weg von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn die Kirchengänger stehen hinter ihrem Pfarrer.

Über die Abberufung wird schliesslich die JGK, also Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP), entscheiden. Die Könizer Kirchgänger können im Verfahren keine Entscheide fällen.

lp/vh/cho/met

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