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Kampf dem illegalen Müll

Ostermundigen hat ein Müllproblem. Im Netz wird über «illegale Deponien» von Sperrgut geklagt. Tatsächlich habe sich die Situation in den letzten Jahren zugespitzt, bestätigt Yves Gaudens vom Werkhof.

Der Kampf gegen wilde Deponien in Ostermundigen im Video.

Zuerst scheint alles gut zu laufen: Der orange Müllwagen arbeitet sich Stück für Stück durch die Alpenstrasse. Alle paar Meter tritt Chauffeur Thomas Liniger auf die Bremse, und die beiden Belader, die hinten auf dem Fahrzeug mitfahren, steigen ab, sammeln die Müllsäcke am Strassenrand ein, schieben Container ­herbei und wieder davon.

Die Müllabfuhr Ostermundigen scheint gut zu funktionieren, die drei Männer sind ein eingespieltes Team.

Je weiter sich der Trupp vorarbeitet, desto schlimmer wird jedoch das Bild, das sich den Männern bietet. Sind sie in der Gerbestrasse angekommen, häufen sich unschöne Begegnungen: hier ein alter Waschbeckenschrank, dort eine abgenutzte Metallbox, etwas weiter vorne ein blauer Plastikstuhl.

Auf Tour: Die Ostermundiger Müllabfuhr hat jeden Tag mit illegalem Sperrgut zu tun.
Auf Tour: Die Ostermundiger Müllabfuhr hat jeden Tag mit illegalem Sperrgut zu tun.
Franziska Rothenbuehler
Legt selber Hand an: Abteilungs­leiter Yves Gaudens.
Legt selber Hand an: Abteilungs­leiter Yves Gaudens.
Franziska Rothenbuehler
Gegenmassnahme: Beanstandungsmarke auf einem Sack.
Gegenmassnahme: Beanstandungsmarke auf einem Sack.
Franziska Rothenbuehler
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Alles sogenanntes Grobgut, das nur dann mitgenommen wird, wenn Sperrgutmarken daran kleben. Dies ist aber nicht der Fall. Liniger zückt den schwarzen Filzschreiber und beschriftet einen orangen Aufkleber. «Beanstandung» steht darauf fett. Und darunter: «Die Gebührenmarke fehlt.»

Besitzersuche und Busse

«Manchmal hilft das schon. Der Besitzer klebt dann eine Marke darauf, und bei der nächsten Tour können wir das Möbel mitnehmen», sagt Fahrer Thomas Liniger. «Manchmal bleiben die Dinge aber auch wochenlang auf der Strasse stehen.»

Kann der Eigentümer des wild abgestellten Stücks irgendwie identifiziert werden – etwa durch Hinweise am Möbel oder durch aufmerksame Nachbarn –, erhält er eine Busse per Post.

Oftmals können die Gegenstände – teils angeschrieben mit «Gratis zum Mitnehmen» – aber keinem Besitzer zugeordnet werden. Wie etwa das weisse Ledersofa, dessen Beanstandungsaufkleber bereits durch eine Schneeschicht verdeckt wird. Bei solchen Dauergästen sei es jeweils schwer, zu entscheiden, ob man sie irgendwann doch entsorgt oder noch länger stehen lässt.

«Einerseits wollen wir dieses Verhalten weder akzeptieren noch fördern. Andererseits ist es aber unsere Aufgabe, für saubere Strassen zu sorgen.»

Yves Gaudens Leiter Tiefbau und Betriebe

Eine Gratwanderung, erklärt Yves Gaudens, Abteilungsleiter Tiefbau und Betriebe, der heute selbst als Belader Hand anlegt: «Einerseits wollen wir dieses Verhalten weder akzeptieren noch fördern. Andererseits ist es aber unsere Aufgabe, für saubere Strassen zu sorgen.»

Verärgerung auf Facebook

Sogenannte wilde Deponien sind eigentlich nichts Ungewöhn­liches, sie kommen fast in jedem Dorf und in jeder Stadt vor. In Ostermundigen nimmt das Problem jedoch zu. Das haben nicht nur die Mitarbeiter des Werkhofs bemerkt, sondern auch die Mundiger Bevölkerung.

Auf Facebook, etwa in der Gruppe «Du bisch vo Ostermundigä wede», werden immer wieder Bilder von Orten im Dorf veröffentlicht, die zur Mülldeponie wurden. Der Ärger ist jeweils gross: Es folgen viele aufgebrachte Kommentare – die Gemeinde solle endlich aktiv werden, wünschen sich viele.

Letzthin wurde ein solcher Beitrag über 50-mal kommentiert – unter anderem auch von Gemeindepräsident Thomas Iten. «Unser Werkhof ist immer am Ball und nimmt Feedbacks zu Müllhalden gerne entgegen. Wo möglich, leiten wir auch rechtliche Schritte ein», schrieb er.

Massnahmen zum Erfolg

«Wir sind uns der Problematik bewusst», bestätigt Abteilungsleiter Yves Gaudens und erklärt, wie man konkret dagegen vor­gehe: Die verschiedenen «Hot Spots» im Dorf, wie sie Gaudens nennt, werden von den Werk­hofmitarbeitenden regelmässig kontrolliert und freigeräumt.

Bereits im April 2016 wurde der zuständige Gemeinderat Andreas Thomann aktiv und ordnete eine konsequente Umsetzung der Bussen gemäss kantonalen Vorgaben an, neu wurde den Abfallsündern eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von rund 217 Franken berechnet. Die Kampagne zeigte kurz Wirkung – mittlerweile habe sich die Situation aber wieder zugespitzt. Auch deshalb sei man nun wieder dabei, das Abfallreglement zu überarbeiten.

Am effektivsten sei jedoch ein Gespräch mit den Grundeigentümern, meint Yves Gaudens. Ein schönes Beispiel dafür sei die Situation an der Grubenstrasse: Direkt neben dem ehemaligen Werkhof bildeten sich regelmässig Müllberge.

Sofas, Matratzen, übervolle Müllsäcke – «die Leute luden alles Mögliche hier ab». Gemeinsam mit dem jetzigen Eigentümer, der Kästli Bau AG, habe man sich für eine einfache, aber wirkungsvolle Methode entschieden und den Bereich Anfang Jahr kurzerhand mit einem Bauzaun abgesperrt. Das habe bereits viel genutzt: «Seither haben wir keine Probleme mehr.»

Eine Erklärung für die Zunahme an wilden Deponien kann der Werkhof Ostermundigen zwar nicht abschliessend geben. Auffällig sei es aber, dass Quartiere mit einer hohen sozialen Durchmischung meist mehr Probleme aufweisen würden. Dort, wo die Mieter häufig wechseln und die Liegenschaften schlecht gepflegt sind, fällt auch mehr Müll auf der Strasse an.

«Es hat wohl etwas mit der Disziplin zu tun», sinniert Yves Gaudens, während er ein dunkelviolettes Sofa in den Müllwagen hievt und es dann per Knopfdruck mit der mächtigen Presse plattmacht.Ein Video zur Müllentsorgung in Ostermundigen finden Sie auf unserer Website.

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