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Kaffeekränzchen mit Eltern und Lehrern

Jeden Dienstag treffen sich in der Schule Schwabgut Eltern und Lehrer zum Kaffeetrinken. Eine vorbildliche Art der Partizipation, finden alle Beteiligten. Dennoch hat das Projekt einige Startschwierigkeiten.

Eine bunte Mischung aus Eltern trifft sich jeweils am Dienstagmorgen in der Tagesschule Schwabgut zum Elterncafé.
Eine bunte Mischung aus Eltern trifft sich jeweils am Dienstagmorgen in der Tagesschule Schwabgut zum Elterncafé.
Stefan Anderegg

Nicht nur die Dekoration des Raumes ist bunt, sondern auch die Mischung an dem langen Tisch: Mütter mit Migrationshintergrund tauschen sich in der Tagesschule Schwabgut mit gebürtigen Bümplizerinnen aus, es wird angeregt auf Deutsch, Englisch und Arabisch diskutiert. «Wo kann ich mit meinen Kindern am besten schwimmen gehen?», fragt eine junge Frau in die Runde und erhält prompt mehrere Vorschläge.

Welche Angebote wo im Quartier vorhanden sind, ist nur eines von vielen Themen, die während des wöchentlich stattfindenden Elterncafés besprochen werden. Auch Fragen zum Schulalltag – etwa zum Übertritt der Tochter vom Kindergarten in die erste Klasse – kommen regelmässig auf den Tisch.

«Gerade für Eltern mit Migrations- hintergrund ist die Schule oft etwas Gfürchiges.»

Café-Leiterin Annkatrin Graber

Der Informationsaustausch sei ein Aspekt des Angebots, informiert Annkatrin Graber, Quartierarbeiterin und Leiterin des Cafés. Primär gehe es um den ­Abbau der Hemmschwelle: «Gerade für Eltern mit Migrationshintergrund ist die Schule oft ­etwas Gfürchiges oder Kompliziertes. Diese Bedenken möchten wir ihnen mithilfe des niederschwelligen Angebots nehmen.» So schaffe man eine Vertrauens­basis, die es ermögliche, dass ­Eltern sich aktiver mit den Belangen der Schule auseinandersetzten und so langfristig zum Schulerfolg ihrer Kinder beitrügen.

Ein einzigartiges Angebot

Die Taktik scheint aufzugehen: Während die meisten Anwesenden früher nur wenig Kontakt zur Schule hatten, treffen sich die Frauen und Männer nun regelmässig. Viele sind mittlerweile sogar Stammkunden des kostenlosen Angebots und kommen ­jeden Dienstagmorgen vorbei. «Es ist hier nicht nur gemütlich, man lernt auch viel Neues und erhält die nötige Hilfe», fasst eine der Mütter zusammen.

Aber nicht nur Eltern und Vertreterinnen des Quartiers sind vor Ort, auch die Schulleitung und die Lehrpersonen gehören zur Gesprächsrunde. So können die Väter und Mütter ihre Fragen in einer ungezwungenen Atmosphäre direkt an die zuständigen Personen richten.

Dieses Konzept macht das ­Elterncafé im Schwabgut zu einem einzigartigen Projekt in Bern: Zwar gibt es noch in anderen Teilen der Stadt sogenannte Elterncafés, diese sind jedoch ausschliesslich für Mütter und Väter gedacht. «Eigentlich müsste unser Projekt Eltern-Schule-Quartier-Café heissen», scherzt Graber.

Ein zeitliches Problem

So zumindest die Theorie. In der Praxis hingegen birgt das Konzept des Elterncafés noch einige Herausforderungen: Der Grossteil der Lehrpersonen kann nämlich erst zur grossen Pause, also etwa um 10 Uhr, im Café erscheinen. Zu dieser Zeit haben sich die meisten Eltern aber bereits wieder verabschiedet. «Das ist ein Problem, das wir noch beheben müssen», ist sich Annkatrin Graber bewusst.

Die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren. Bild: Stefan Anderegg
Die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren. Bild: Stefan Anderegg

Es komme vielen Eltern entgegen, dass das Café zu dieser Zeit stattfinde. Sie könnten ihre Kinder zuerst in die Schule bringen und dann direkt am Angebot teilnehmen. «So kamen wir auch auf die Idee fürs Elterncafé», erzählt Graber: Viele Mütter hätten sich jeweils nach Schulbeginn im Gang miteinander unterhalten.

Eine positive Wirkung

Auf die Unterstützung der Schulleitung können sich Graber und die drei Frauen, die das Café ­betreuen, verlassen. Co-Schulleiter Gerhard Kupferschmid gehört nicht nur zu den regelmässigen Besuchern des Elterncafés, er ist auch spürbar stolz auf den Erfolg des Projekts: «Das Elterncafé vertritt einen der wichtigsten Grundsätze unserer Schule, nämlich dass wir aktiv mit dem Umfeld der Schule zusammenarbeiten, im Quartier gut vernetzt sind und einen regelmässigen Kontakt zu den Eltern pflegen.»

Auch das Schulamt der Stadt Bern ist vom Konzept des Elterncafés überzeugt. «Die Partizipation der Eltern und deren Zusammenarbeit mit der Schule ist für uns ohnehin ein wichtiges Thema», erklärt Irene Hänsenberger, Leiterin des Schulamts.

«Sie sind die treibende Kraft in der Kindererziehung. Es ist Auftrag der Schule, die Eltern dabei bestmöglich zu unterstützen», meint Hänsenberger. Diese Meinung vertreten auch die Lehrpersonen der Schule Schwabgut: Für sie sei es keineswegs eine zusätzliche Belastung, bei Gelegenheit während der grossen Pause am Elterncafé teilzunehmen, findet etwa Ursula Hügli, Fachlehrerin für Musik. Im Gegenteil: Der gute Kontakt zu den Eltern wirke sich auch positiv auf den Unterricht aus.

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