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Käser entsetzt über Gewaltexzess in Bern

Der Polizeidirektor des Kantons Bern, Hans-Jürg Käser, zeigte sich schockiert über das Ausmass der Gewalt in Bern. Zugleich verteidigte er das Vorgehen der Polizei.

Am Samstag fand in Bern die dritte Ausgabe von «Tanz dich frei» statt.
Am Samstag fand in Bern die dritte Ausgabe von «Tanz dich frei» statt.
Claudia Salzmann
Was eine friedliche Tanzparade hätte sein sollen, endete im Chaos: Polizei und Teilnehmer des Tanzumzuges liefern sich bis in die späte Nacht hinein eine Schlacht. Im Bild ein Teilnehmer.
Was eine friedliche Tanzparade hätte sein sollen, endete im Chaos: Polizei und Teilnehmer des Tanzumzuges liefern sich bis in die späte Nacht hinein eine Schlacht. Im Bild ein Teilnehmer.
Claudia Salzmann
Um 20 Uhr soll der Umzug starten. Aber 13'000 Teilnehmer sind das noch nicht.
Um 20 Uhr soll der Umzug starten. Aber 13'000 Teilnehmer sind das noch nicht.
Claudia Salzmann
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Der Polizeidirektor des Kantons Bern, Hans-Jürg Käser, hat mit Entsetzen auf die schweren Krawalle in Bern reagiert. «Mit einer solchen Gewaltbereitschaft hat niemand gerechnet», sagte er am Montag. Käser verteidigte zugleich den Einsatz der Polizei. Diese habe ihre Aufgabe «reaktiv, mit Augenmass und Verhältnismässigkeit» erfüllt.

«Wir wussten, dass es ein schwieriger Einsatz werden würde, zumal die zuständigen städtischen Behörden keine Ansprechpartner auf Seiten der Umzugs-Organisatoren hatten», hielt Käser fest. Der Stadt Bern sei nichts anderes übrig geblieben als den Anlass zu dulden und gleichzeitig wegen Sicherheitsbedenken von einer Teilnahme abzuraten.

Vermummte trotz Verbot zunächst toleriert

Rasch habe sich gezeigt, dass es den etwa 70 Leuten an der Spitze des Umzugs nicht ums Tanzen gegangen sei. Da es im Kanton Bern ein Vermummungsverbot gebe, hätte die Polizei bereits frühzeitig einschreiten können.

«Doch die Erfahrung der Polizei zeigt: Wenn sie präventiv gegen Vermummte einschreitet, dann eskaliert die Lage mit Sicherheit.» Deshalb habe sich die Polizei zurückgehalten, bis Chaoten auf dem Bundesplatz gegen die Absperrungen vorgegangen und die Polizei vor dem Bundeshaus attackiert hätten.

«Die haben doch ein Elternhaus»

Ob alle angehaltenen Personen zu den Randalierern gehören, liess Käser offen. Zu denken gebe in jedem Fall, dass neun Minderjährige unter den 61 Personen seien. «Die haben doch ein Elternhaus, oder haben sie keines?»

Käser wies Vorwürfe zurück, die Behörden hätten die unbewilligte Kundgebung gar nicht zulassen oder im Keim ersticken sollen. Das sei in der Praxis nicht durchführbar. «Wenn die Stadt Bern den Anlass verboten hätte, wie hätten wir das Verbot denn durchsetzen sollen? Hätten wir die Stadt absperren sollen? Wo denn? Beim Bahnhof? Oder hätten wir alle Zufahrtsachsen dichtmachen sollen?»

Lehren aus den Vorkommnissen zu ziehen sei nicht einfach, machte Käser deutlich. Der Berner Gemeinderat mache sicher das Notwendige, indem er darauf poche, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden und indem er die Bevölkerung zur Mitarbeit bei der Aufklärung der Straftaten aufrufe. Weiter sei es richtig, die Rolle von Facebook zu durchleuchten.

«Es ist ein Phänomen unserer Gesellschaft, dass man über Facebook zu einer Kundgebung aufrufen kann und dass gar niemand dafür verantwortlich ist.» Die Problematik gebe es im kleineren Rahmen schon bei der Reitschule, «dort hat es ein Kollektiv, aber eigentlich verantwortlich ist niemand». Im vorliegenden Fall sei es noch «viel krasser». Der Server von Facebook befinde sich bekanntlich irgendwo in Irland.

Verantwortung bei Stadt Bern

Hans-Jürg Käser war am Samstag nicht selber vor Ort. «Ich hatte ja zum Einsatz nichts zu sagen.» Seit es im Kanton Bern eine Einheitspolizei gibt und keine Stadtpolizeien mehr, kaufen die Gemeinden die Leistungen bei der Kantonspolizei ein; dementsprechend tragen die Stadtregierungen dann auch die politische Verantwortung für die Einsätze.

SDA/tag

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