Kabarett in der Cappella: So lustig ist unser Alltag

Christoph Simon entdeckt die Komik der Rou­tine und bedient sich ­damit in einem unerschöpf­lichen Pointenfundus. Mit ­seinem Solostück «Zweite Chance» war er in der Cap­pel­la zu Gast.

Purist: Bei Christoph Simons Solostück «Zweite Chance» lacht man über 08/15.

Purist: Bei Christoph Simons Solostück «Zweite Chance» lacht man über 08/15.

(Bild: zvg)

Peter Steiger

Wenn du die Polizei brauchst, dann telefonierst du 117. Wenn du die Feuerwehr alarmieren willst, dann rufst du 118. Wenn beide zusammen kommen sollen, dann wählst du 235.

Darüber lachte das Publikum an der Premiere von Christoph Simons drittem Soloprogramm in der beinahe ausverkauften Berner Cappella. «Zweite Chance» nennt der Kabarettist, Buchautor und Poetry-Slammer mit Schweizer-Meister-Ehren sein jüngstes Werk.

Der 44-jährige Berner setzt diese und die vielen weiteren Pointen mit unbewegter Miene. Das ist eine bewährte Methode, komisch zu wirken. Wir erinnern uns an Buster Keaton, Hazel Brugger und Johann Schneider-Ammann.

Zotenfrei, politikfrei

Voraussetzung für das Konzept des versteinerten Ausdrucks sind solide Gags. Christoph Simons Programm hat zwar ein paar Längen. Allzu ausführlich etwa verweilt er beim Erziehungsstil seines Vaters. Aber im 80-minütigen Werk gelingt es dem Kabarettisten darzustellen, dass das, was wir ganz und gar ernst meinen, eigentlich ziemlich komisch ist. Simon erzählt etwa von jener WG-Bewohnerin, die einzieht, weil sie den Bachelor machen will, und auszieht, weil sie den Putzplan ungerecht findet.

Christoph Simon entdeckt die Komik in unserem Alltag. 

Die «Zweite Chance» ist zotenfrei. Es tut gut, für einmal einen ganzen Abend lang über etwas ­anderes zu lachen. Das Programm ist ausserdem politikfrei. Es tut gut, sich für einmal beinahe anderthalb Stunden lang weder über die Linken noch über die Rechten, weder über Donald Trump noch über Wladimir Putin zu ärgern.

Überdies ist das Werk frei von jeglichem optischen Schabernack. Christoph Simon pur, schwarzer Anzug, Krawatte, weisses Hemd und sonst gar nichts. Nach der Pause ergänzt er die kahle Bühne mutig mit einem schwarzen Stuhl. Wirklich opulent wirkt die Ausstattung damit noch lange nicht.

Schmerzfrei

Der Verzicht auf jeden Fummel ist gut begründet. Der Fundus, aus dem Simon schöpft ist genauso unspektakulär. Der Kabarettist entdeckt die Komik in unserem Alltag. Aus dieser Routine ausbrechen würden wir, führt er aus, wenn wir Kunden irgendwann in irgendeinem Kleider­laden den vollen Kaufpreis bezahlen müssten.

Und schliesslich ist Simons Programm schmerzfrei. Nun gut, da platziert er den Hinweis, dass im Berner Oberland die Männer noch richtige Männer sind – und die Frauen ebenfalls. Da wäre es doch interessant, zu wissen, ob er sein Programm südlich von Thun den örtlichen Gegebenheiten anpasst. «Zweite Chance». Heute Donnerstag, 27. Oktober, sowie übermorgen Samstag, 29. Oktober, jeweils um 20 Uhr.www.la-cappella.ch

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