Zum Hauptinhalt springen

Streit um Prüfung – Universität räumt Fehler ein

Angehende Juristen müssen einen Test wiederholen, weil die Lösungen vorher kursierten. Die Universität Bern räumt dabei Fehler ein.

Viele der Prüflinge hatten im Voraus Kenntnis vom Inhalt der Klausur. Die Prüfung wird nun wiederholt. Im Bild: Das Hauptgebäude der Uni Bern.
Viele der Prüflinge hatten im Voraus Kenntnis vom Inhalt der Klausur. Die Prüfung wird nun wiederholt. Im Bild: Das Hauptgebäude der Uni Bern.
Keystone

Die Vorlesung «Schuldbetreibung und Konkurs» gehört zu den gut besuchten Veranstaltungen des Masterstudiums an der Juristischen Fakultät der Universität Bern. Wer eine Anwaltskarriere einschlagen will, kommt nicht um sie herum.

Diese Woche war die schriftliche Prüfung dieses Fachgebiets anberaumt, und das Undenkbare geschah. Offensichtlich hatten viele der Prüflinge im Voraus Kenntnis vom Inhalt der Klausur, und so war die Prüfung für sie ein Kinderspiel. Aber auch wertlos.

Denn sie müssen noch einmal antraben: Wie Jolanta Kren Kostkiewicz, Professorin und Direktorin des Instituts für internationales Privatrecht und Verfahrensrecht, auf Anfrage bestätigt, wird die Prüfung wiederholt.

Kren beteuert, es sei das erste Mal in ihrer Karriere, dass sie von einem solchen Betrugsfall betroffen sei. Vergangenen Donnerstag ab 17 Uhr, also nach Abschluss der Prüfung, habe sie zahlreiche Telefonate und E-Mails erhalten, in denen sie auf Unregelmässigkeiten aufmerksam gemacht wurde.

Dozentin entschuldigte sich

Die Professorin befürchtete gegenüber «Blick am Abend» zuerst einen Hackerangriff. Sie könne sich nicht erklären, woher die Studierenden die Informationen hätten. Die Studierenden wiesen den Verdacht des Hackerangriffs umgehend zurück. Die Prüfung habe fast «eins zu eins» jener vom Frühling 2013 entsprochen, machte die StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) geltend.

Ist dem tatsächlich so? Offenbar. Es sei nicht üblich, nur leicht modifizierte Prüfungen vorheriger Jahre erneut zu verwenden, schreibt die Universität Bern in einer Mitteilung vom Freitagabend. Die prüfende Dozentin habe sich per Mail bei den Studierenden in aller Form entschuldigt. Die Universität zeigt Verständnis für den Ärger der Prüflinge, dass sie zur Wiederholung antraben sollen. Doch im Sinne der Rechts- und Chancengleichheit sei eine Wiederholung unumgänglich, schreibt die Universität weiter. Sie will auf jeden Fall zwei Prüfungstermine anbieten.

«Es ist absolut kein Geheimnis, dass alte Prüfungen oft und gerne zum Lernen verwendet werden», sagte Tobias Vögeli, Vorstandsmitglied der SUB und selber Jus-Student. Durch die legale Prüfungseinsicht bestehe die Möglichkeit, dass alte Prüfungen zum Lernen weiterverwendet werden. Das sei weder rechts- noch sittenwidrig und werde von sehr vielen Studierenden gemacht. Die Studentinnen und Studenten könnten nichts dafür, wenn sich ein Dozent oder eine Dozentin dafür entscheide, altes Prüfungsmaterial praktisch identisch wiederzuverwenden, hiess es bei der StudentInnenschaft.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch