Jüdischer Weltkongress warnt Kunstmuseum Bern

Bern

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses warnt das Kunstmuseum Bern, die «Büchse der Pandora» zu öffnen. Deutsche Rechtsvertreter würden eine Annahme des Gurlitt-Erbes indes begrüssen.

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Oliver Meier@mei_oliver

Drei Wochen vor dem Berner Entscheid über den Millionennachlass Gurlitts machen sich die Involvierten rar. Das Kunstmuseum äussert sich ebenso wenig zum Thema wie die deutsche Taskforce. Man ziehe es vor zu arbeiten, statt zu kommunizieren, hält Taskforcesprecher Matthias Henkel auf Anfrage dieser Zeitung fest.

Dabei sind viele – und entscheidende – Fragen um die Sammlung Gurlitt nach wie vor unbeantwortet. In einer ersten Sichtung waren 458 Werke pauschal unter Raubkunstverdacht gestellt worden. Bei wie vielen sich der Verdacht erhärtet hat, bleibt offen. Auch Rechtsvertreter mit begründeten Interessen erhalten von der Taskforce offenbar keine Informationen.

«Mangelhafte Transparenz»

Entsprechend deutlich fällt inzwischen die Kritik an der Taskforce aus. Nicht nur Sabine Rudolph, auch Jörg Rosbach wählt auf Anfrage deutliche Worte. Der deutsche Anwalt vertritt die Interessen des 88-jährigen Amerikaners David Toren, der Deutschland auf Rückgabe des Liebermann-Gemäldes «Zwei Reiter am Strand» verklagt hat. «Wir haben mehrfach mangelhafte Transparenz und Kommunikation gerügt. Es wird bis heute nicht klargestellt, nach welche Kriterien die Taskforce vorgeht», sagt Rosbach.

Das Gemälde «Zwei Reiter am Strand» ist als Raubkunst identifiziert worden. Solange das Kunstmuseum keinen Entscheid getroffen habe, sei eine Rückgabe aber «unwahrscheinlich», so Rosbach. Der Anwalt würde eine Annahme der Erbschaft begrüssen. Zugleich erwartet er «grösstmögliche Transparenz» vonseiten des Museums. Sämtliche Geschäftsbücher und andere Unterlagen aus Gurlitts Nachlass seien öffentlich zugänglich zu machen.

Berner «Scheinlösung»?

Es gibt mit Blick auf den Entscheid des Kunstmuseums aber auch skeptische Stimmen. In der aktuellen Ausgabe des « Spiegels» warnt Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Bern davor, die Gurlitt-Erbschaft anzunehmen. Wenn das Kunstmuseum das Erbe antrete, «wird es die Büchse der Pandora öffnen und eine Lawine von Prozessen auslösen», so Lauder.

Auch Beat Schönenberger, Titularprofessor für Privatrecht und Kunstrecht an der Uni Basel, warnt auf Anfrage vor möglichen Folgen. Die wahrscheinliche Regelung, wonach nur die unproblematischen Bilder nach Bern kommen sollen, wertet Schönenberger als «Scheinlösung». Das Museum könne nur die ganze Erbschaft annehmen oder die ganze Erbschaft ablehnen.

«Selbst für Bilder, die weiterhin in Deutschland verblieben, wäre das Kunstmuseum Eigentümerin und damit Ansprechpartnerin für allfällige Restitutionsklagen», so Schönenberger. «Und sollte so eine Klage zum Beispiel in den USA eingereicht werden, kann das schnell in die Millionen gehen. Ich denke kaum, dass Deutschland dann bereit wäre, diese Kosten zu übernehmen.»

Berner Zeitung

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