Jocham stoppt Museumsprojekt

Im kommenden Herbst hätte das Medizin­museum Bern eröffnen sollen. Doch nun hat Insel-Chef Uwe E. ­Jocham den Projektstopp verfügt. Damit spart er jährlich rund 200'000 Franken.

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Christoph Hämmann

Das Inselspital muss seine Website aktualisieren. «2018 wird an der Murtenstrasse 42 das Me­dizinmuseum Bern eröffnet», heisst es dort. Doch seit einigen Tagen ist das Makulatur: Der neue Insel-Chef Uwe E. Jocham hat das Projekt gestoppt – wenige Monate vor der geplanten Eröffnung und nach jahrelanger Vorarbeit.

Für das Museumsteam kam das Ende aus heiterem Himmel. «Wir sind konsterniert und völlig überrascht über diesen Entscheid, der für uns nicht nachvollziehbar ist», hiess es auf der Website des Museums.

Seit sieben Jahren wird die Idee eines Berner Medizin­museums diskutiert. 2015 wurde ein 500 Quadrat­meter grosser Ausstellungsraum eingerichtet, während der letzten zwei Jahre entwickelten Historiker, Szenografinnen, Grafiker und Mu­seums­pädagoginnen das Konzept für die Dauerausstellung. «Nun, da die Handwerker für den Ausstellungsaufbau vor der Türe ­stehen, hat die Direktion der Insel-Gruppe beschlossen, das Museumsprojekt zu stoppen.»

«Verpasste Chance»

Grundlage für die Museumsarbeit wären zwei Sammlungen gewesen: jene der Inselspital-Stiftung mit 7500 Objekten und die rund 5000 Objekte umfassende des Instituts für Medizin­geschichte (IMG) der Uni Bern. Die ­Finanzierung hätte gröss­tenteils die Inselspital-Stiftung übernommen, designierter ­Mu­seumsleiter war IMG-Direktor Hubert Steinke.

Dieser macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. «Unserer Ansicht nach verpassen Bern, die Uni und das Inselspital mit dem Entscheid eine Chance», sagt Steinke. Neben der Dokumen­tation des historischen Wandels in Medizin und Pflege habe den ­Museumsmachern «ein öffentlicher Ort der kritischen Diskussion über Medizin und Gesundheit» vorgeschwebt. «Es ist sehr schade, dass diese schweizweit einmalige Plattform nun nicht entsteht.»

Mehr mag Steinke nicht sagen. Er habe kein Interesse an einer Polemik, und schon gar nicht an einer, die öffentlich ausgetragen werde. «Unser wichtigstes Anliegen ist es jetzt, dass der Erhalt der Sammlungen langfristig gewährleistet ist. Wie dies ­sichergestellt wird, werden wir im Dialog klären.»

Was Steinke nicht sagt: In seinem Job als ­Institutsdirektor im Bereich ­Medizin wird er auch künftig auf ein gutes Einvernehmen mit dem Inselspital angewiesen sein. Personen aus dem Umfeld des Museums und Mitglieder des prominent besetzten Beirats des geplanten Museums äussern sich ebenfalls zurück­haltend und wollen sich nicht zitieren lassen.

Ein Insider, der mit dem Museumskonzept vertraut ist, schätzt, wie viel Geld ein­gespart werden kann, wenn bloss die Sammlung unterhalten, aber kein Museum betrieben wird: Grosszügig kalkuliert handle es sich um jährlich 200'000 Franken.

«Aus Kostengründen»

Ob es sich lohnt, für diese relativ bescheidene Summe sowohl im Inselspital als auch an der Uni nicht wenige Personen vor den Kopf zu stossen? Oder demons­triert Jocham, der neue starke Mann in der Insel, ganz bewusst, wie entschieden er gewillt ist, zwischen Notwendigem und Wünschbarem zu unterscheiden?

Auf diese Fragen gab es am Mittwoch keine Antworten von Jocham selber. Er sei in den Ferien, hiess es bei der Insel-Kommunikationsstelle, ehe sie die schriftlich gestellten Fragen in knapper Form beantwortete. «Das Projekt wird aus Kostengründen, wegen des Standorts und der Namensgebung gestoppt», hiess es etwa, ohne dass dies weiter ausgeführt worden wäre.

Die Insel-Gruppe wolle aber an der bisherigen Zusammenarbeit festhalten und die Sammlung weiterhin professionell vom Institut für Medizingeschichte pflegen und unterhalten lassen. Für die Aufbewahrung der Sammlung werde ein geeigneter Standort gesucht.

Am Nachmittag war der Text auf der Website des Museums, in dem Überrumpelung und Konsternation ausgedrückt wurden, verschwunden. Die Eröffnung des Medizinmuseums sei gestoppt worden, heisst es nur noch. Für weitere Informationen sei die Insel-Gruppe zuständig.

Berner Zeitung

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