Jetzt sind die Wifag-Stellen endgültig verloren

Bern

Schmerzhafter Rückschlag für das Personal der ehemaligen Wifag-Druckmaschinenfabrik: Ihre neue Arbeitgeberin, die Mali International AG, stellt die Produktion von Maschinenteilen am Nordring voraussichtlich Ende Jahr ein. 45 Mitarbeitern droht die Entlassung.

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Philippe Müller

Die Freude war nur von kurzer Dauer: Die Mali International AG, letztes Jahr am Berner Nordring noch als Heilsbringerin gefeiert, beendet nach knapp 12 Monaten ihr Gastspiel ihn Bern bereits. Die Technologiegruppe mit Sitz im aargauischen Wettingen hatte im Sommer 2010 Teile der zusammengebrochenen Berner Druckmaschinenfabrik Wifag aufgekauft und ab Herbst einen Teil des ehemaligen Wifag-Personals weiterbeschäftigt.

Recherchen dieser Zeitung ergaben, dass die Belegschaft vorgestern Mittwoch auf dem Wifag-Areal darüber informiert wurde, dass Mali die Produktion am Nordring auf Ende Jahr «mindestens redimensioniert, wenn nicht sogar einstellt». So steht es in der internen Mitteilung der Firma. 45 Angestellte müssen ernsthaft damit rechnen, ab Ende Jahr arbeitslos zu sein.

Grosser Schuldenberg

Der Mali-Verwaltungsrat spricht in seinem Schreiben an die Belegschaft davon, dass die Produktionskosten in Bern «fast jeden Monat» höher gewesen seien als der Erlös. Der Verwaltungsrat erachte es als aussichtslos, «diese Firmenschulden tilgen zu können respektive realistische und zugleich rettende Massnahmen vorzuschlagen». Die Mitarbeiter haben zwar noch Zeit, bis zum Ende der Konsultationsfrist Mitte Oktober Ideen vorzubringen, wie der Produktionsbetrieb doch noch erhalten werden kann. Diese Hoffnung ist aber erfahrungsgemäss sehr klein.

Über die näheren Umstände, die zum Produktionsstopp führen, ist aus dem Mali-Umfeld noch einiges mehr zu erfahren. So wird am Nordring erzählt, der Tod des Mali-Gründers Markus Liebherr habe das Ende der Teileproduktion in Bern herbeigeführt oder zumindest beschleunigt. Das überrascht nicht. Denn Liebherr, Spross der gleichnamigen freiburgischen Baumaschinendynastie und einer der reichsten Schweizer, war ziemlich alleine mit seiner Euphorie, am Berner Nordring künftig Getriebe für Traktoren und Geländemaschinen herzustellen. Nach seinem plötzlichen Tod fehlte im Mali-Konzern offenbar die Lokomotive für dieses Projekt.

Anstatt Getriebe zu produzieren, haben sich die knapp 50 Mali-Angestellten in Bern in den letzten Monaten als Lohnfertiger betätigt. Das heisst, sie haben für verschiedene Auftraggeber in kleinen oder grossen Mengen einzelne Teile hergestellt, beispielsweise Räder für Eisenbahnwagen. Allein mit diesen kaum planbaren Aufträgen konnten aber offenbar nicht genügend Erträge erwirtschaftet werden, um den Businessplan zu erfüllen und in nützlicher Frist schwarze Zahlen zu schreiben.

Dem Vernehmen nach hat Markus Liebherrs Tochter Katharina, welche bei Mali mittlerweile die Mitverantwortung trägt, nun die Notbremse gezogen und die Redimensionierung angeordnet.

Vermieten statt produzieren

Sollte die Produktion auf dem ehemaligen Wifag-Areal erwartungsgemäss eingestellt werden, bliebe die Mali International AG dennoch Besitzerin der Produktionshallen. Laut Gerüchten würde Mali versuchen, grosse Teile der Hallen an verschiedene Firmen zu vermieten.

Für die betroffenen 45 Angestellten ist die Situation belastend. Vor eineinhalb Jahren waren sie schon einmal am selben Punkt: Als die Traditionsfabrik Wifag im Frühling 2010 den letzten Stellenabbau bekannt gegeben hatte, standen sie bereits einmal vor der Arbeitslosigkeit. Die vermeintliche Rettung eines Teils der Arbeitsplätze durch die Mali-Gruppe hat sich am Ende wohl bloss als Fata Morgana entpuppt.

Berner Zeitung

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