«Jetzt müssen wir Erfolg haben»

Gantrisch

Der Präsident des Förder­vereins Naturpark Gantrisch gibt sich selbstkritisch: Bis in zwei Jahren müsse der Naturpark seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellen.

Vom Naturpark Gantrisch nehmen Aussenstehende vor allem die Tafeln wahr – hier die Enthüllung jener bei Belp vor vier Jahren.

Vom Naturpark Gantrisch nehmen Aussenstehende vor allem die Tafeln wahr – hier die Enthüllung jener bei Belp vor vier Jahren.

(Bild: Andreas Blatter)

Ruedi Flückiger, die Kritik am Naturpark Gantrisch ebbt nicht ab. Wen wunderts, die Gemeinden und die Steuerzahler, die ihn massgeblich finanzieren, merken kaum, dass es ihn gibt.Ruedi Flückiger:Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Ich erinnere daran, dass der Name Gantrisch nur dank des Naturparks zu einem Begriff geworden ist. Er schafft eine Identität, wie sie im Emmental oder im Entlebuch selbstverständlich ist.

Das war früher anders?Ja, es gab das Schwarzenburgerland, das Gürbetal und den Längenberg, aber kein Gantrischgebiet. Mittlerweile haben viele – fast bin ich versucht, zu sagen, zu viele – Firmen das Label Gantrisch für sich entdeckt. Die Bank Gantrisch war die erste, die diesen Schritt vollzog.

Trotzdem. Mehr als die Tafeln an den Zufahrtsstrassen zum Park sieht man im Alltag kaum.Die Tafeln sollen in erster Linie die Leute in den Park lenken. Gut, touristische Wegweiser gab es bereits zuvor, sie wiesen aber auf die alten Regionen hin . . .

. . . und stehen zum Teil noch heute.Das ist unglücklich und schwächt uns. Deshalb habe ich nun ver­anlasst, dass man die alten Tafeln entfernt. In diesem Zusammenhang möchten wir auch erreichen, dass die Websites der Gemeinden einheitlich mit unserem Logo daherkommen.

Dem Normalbürger bringt all das aber wenig.Ich habe mir bei der Übernahme des Präsidiums vor einem Jahr vorgenommen, den Naturpark in der Region besser zu verankern.

Sonst heisst es: Hier arbeitet ein Büro mit stattlichen 850 Stellenprozenten und produziert nicht viel mehr als farbige Prospekte.Diese Stimmen gibt es. Man muss aber sehen, was sonst noch alles läuft im Park. Wir drucken zwar Prospekte . . .

. . . mit zum Teil falschen An­gaben. Im aktuellen Winterpro­spekt etwa ist die geschlossene untere Gantrischhütte noch immer als Restaurant aufgeführt.Man muss sehen: Der Tourismus gehört nicht zu den vom Bund ­definierten Kernaufgaben. Unser Auftrag ist es, die Bevölkerung für die Umwelt zu sensibilisieren und die Landschaft zu entwickeln. Dazu gehört, dass wir Exkursionen anbieten und Einsätze mit Freiwilligen organisieren, die die Alpweiden von Unkraut und Neophyten befreien. Weiter helfen wir bei der Vermarktung der regionalen Produkte und setzen uns für die Belange der Kultur ein. Das touristische Engagement und das politische Wirken nach innen dagegen sind uns von den Gemeinden speziell aufgetragen worden. Beides läuft – mit wenig finanziellen Mitteln – eher nebenher.

Trotzdem: Von aussen nimmt man vor allem Prospekte wahr.Das ist uns bewusst. Wer mit den Insidern spricht, bekommt aber ein anderes Bild.

Sie meinen die Landwirte?Genau. Sie erhielten zum Beispiel nur deshalb als Erste Geld für ­ihre ökologischen Flächen, weil es den Park gab und dieser die Zahlungen – immerhin jährlich 7 Millionen – abwickeln konnte. Die Alpeinsätze der Freiwilligen erreichen Jahr für Jahr einen Umfang von 100'000 Franken. Das ist auch sichtbar; nicht ohne Grund gelten die Weiden im ­Gantrischgebiet als die bestgepflegten weitherum. Oder die Holzkammer: Sie fördert die regionale Holzwirtschaft und hilft, aussergewöhnliche Projekte zu lancieren. Sie tut dies mit Erfolg, wie das preisgekrönte neue Depot des Museums für Kommunikation in Schwarzenburg zeigt.

Dumm nur, dass die Öffentlichkeit von alledem nichts erfährt.Das ist so, und das wollen wir ­ändern. Wir müssen unsere Leistungen viel besser verkaufen.

Warum setzen Sie den Hebel erst jetzt, im siebten Jahr, an?Wir hatten personelle Wechsel auf allen Ebenen. Und eben nicht nur im Trägerverein, dessen Vorstand wir vor gut einem Jahr neu aufgestellt haben – ich erinnere nur daran, dass Christoph Kauz bereits der dritte Geschäftsführer ist, der bei uns arbeitet.

In den gleichen knapp sieben Jahren ist es mit dem Tourismus im Gantrischgebiet fast nur abwärtsgegangen. Im Kerngebiet ging Beiz um Beiz zu, dieWanderer und Skifahrer standen plötzlich vor verschlossener Tür.Nochmals: Der Tourismus lief als Thema bisher nebenher. Doch jetzt korrigieren wir. Konkret ­haben wir Interesse an drei Ob­jekten, am Gurnigel-Berghaus, an der unteren Gantrischhütte und an einer weiteren Hütte, bei der sonst das Risiko besteht, dass sie verkauft wird und zugeht.

Wie lässt sich das mit dem eng begrenzten Auftrag des Bundes an die Pärke vereinbaren?Genau deshalb haben wir ja für den Alltagsbetrieb die Gantrischplus AG gegründet. Den Anstoss dazu gab der anstehende Verkauf des Gurnigel-Berghauses. Der Bund hat das Gebäude nach einer ersten erfolglosen Runde erneut ausgeschrieben. Wir haben eine Offerte eingereicht und sind zuversichtlich, dass wir den Zuschlag erhalten.

Viele Aktivitäten waren von wenig Erfolg gekrönt. Mit dem Verkauf von Gantrischwasser hapert es genauso wie mit den Baumpatenschaften. Private Initiativen wie die Quadtouren durchs Gantrischgebiet bekämpfte der Park sogar noch.Das würden wir nicht mehr tun, auch wenn Quadtouren tatsächlich nicht ganz zum nachhaltigen und sanften Tourismus eines Naturparks passen. Wir sind aber realistischer geworden, wollen uns Bestehendem nicht mehr in den Weg stellen. Das gilt für tra­ditionelle Anlässe wie das Bergrennen, an dem meine Vorgänger keine Freude hatten, genauso wie für die Zukunft. Wenn wir mit dem Gurnigel-Berghaus ans Ziel kommen, darf es dort durchaus Aktivitäten geben, bei denen das Auto eine Rolle spielt. Neben dem Velo, für das ebenfalls spezielle Tage geplant sind.

Gilt diese Haltung auch für die umstrittenen Parkplätze an der Sense, die der Kanton re­naturieren will? Die Mitglieder der IG, die das verhindern möchten, würden es Ihnen danken.Ich denke, dass man diese Plätze möglichst vollständig erhalten müsste. Auf eine genaue Zahl will ich mich noch nicht festlegen. Wir werden in den nächsten Wochen mit beiden Seiten das Gespräch suchen mit dem Ziel, sie gemeinsam an einen runden Tisch zu bringen.

Wie sehen Sie generell die Zukunft des Tourismus im Park?Positiv ist sicher, dass die Übernachtungszahlen in jüngster Zeit angestiegen sind. Wir müssen in diesem Bereich aber noch sehr viel tun. Auch wieder als Naturpark: Wir können zwar mit Gantrischplus Betriebe kaufen, zugleich müssen wir uns aber auch gut mit den anderen Hütten vernetzen und versuchen, gemeinsam vorwärtszukommen. Dafür ist wieder der Park zuständig. Im guten Fall können wir ein paar Bauernfamilien motivieren, Hütten für den Betrieb zu übernehmen und sich so einen Nebenerwerb zu sichern.

In zwei Jahren müssen die Gemeinden entscheiden, ob sie beim Park bleiben, ihn also weiter mitfinanzieren wollen. Wie wollen Sie die Stimmung ins Positive drehen?Bei den Gemeindebehörden ist die Stimmung schon gut. Wir tauschen uns regelmässig aus, über Workshops und neuerdings auch über einen Newsletter.

Ziehen diese Bemühungen bereits weitere Kreise?Ja. Ich erinnere an Gantrischplus: Als wir zu dritt die Idee entwickelten, diese Betriebs-AG zu gründen, gingen wir aktiv auf die Banken zu. Nach nur zwei Sit­zungen hatten wir die Partner und die nötigen 200'000 Franken beisammen. Zwei Interessenten wurden sogar von sich aus aktiv, und noch heute klopfen regelmässig Leute an, die sich finanziell beteiligen möchten. Ich glaube, man wartet darauf, dass etwas passiert.

Die breite Bevölkerung er­reichen sie so noch nicht.Jeder, der bei Gantrischplus mitmacht, wird zum Botschafter für den Park und setzt sich dann an den entscheidenden Gemeindeversammlungen in zwei Jahren auch hoffentlich für uns ein. Unsere grosse Aufgabe ist es nun, den Funken aus diesem kleinen Kreis überspringen zu lassen.

Reicht dafür die Zeit noch?Wir sind zuversichtlich, müssen aber mit zwei, drei Meilensteinen Erfolg haben. Das Gurnigel-Berghaus wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir wollen zeigen, dass wir etwas bewegen können. Und davon auch reden.

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