Jetzt läuten die Glocken leiser

Liebefeld

Die grellen Obertöne sind verschwunden, die Glocken der Thomaskirche in Liebefeld klingen insgesamt leiser und weicher: Die Kirchgemeinde hat das Geläute saniert.

Die Klöppel wurden eingekürzt, auf den Tragbalken wurden Gegengewichte angebracht – die Glocken der Thomaskirche im Liebefeld läuten nun leiser, wärmer und runder.

Die Klöppel wurden eingekürzt, auf den Tragbalken wurden Gegengewichte angebracht – die Glocken der Thomaskirche im Liebefeld läuten nun leiser, wärmer und runder.

(Bild: Andreas Blatter)

Stephan Künzi

«Es scheppert nicht mehr!» Nur zu gut war Projektleiter Thomas Christen am Mittwoch die Freude anzusehen, als im Betonturm der Thomaskirche unvermittelt die Glocken anschlugen. Die Kirchgemeinde Köniz hatte ins Liebefeld geladen, um das neue Geläute der bald 50-jährigen Kirche vorzuführen.

Mit dem Resultat zeigten sich die Verantwortlichen sichtlich zufrieden, immerhin sind Kirchenglocken ja nicht dazu da, die Anwohner zu ärgern. Ratspräsident Bruno Siegrist betonte es und erinnerte an ihre vielfältigen Aufgaben.

Für viele ein Lärm

Denn Kirchenglocken läuten nicht nur zu den Gottesdiensten ein. Sie führen auch als Zeitzeichen durch den Tag. Machen bei Hochzeiten und Beerdigungen auf Freud und Leid aufmerksam. Laden dazu ein, im Alltag ab und an einzuhalten. Und warnen – zumindest früher war das so – vor Gefahren.

Wenn nur nicht dieser Klang wäre, dieser Lärm, als der er in den Ohren von so manchem tönt. Auf alle Fälle gab es auch im Liebefeld Klagen, und da der Kirchgemeinderat den Turm der Thomaskirche ohnehin umfassender sanieren wollte, bezog er das Geläute automatisch mit in seine Überlegungen ein. Die Kirchgemeindeversammlung liess sich in der Folge davon überzeugen, dass etwas getan werden müsse – und sprach im letzten Sommer für die Arbeiten an Turm und Glocken 140'000 Franken.

Der Ton wird weit getragen

Warum die Glocken nach vollendeter Arbeiten nicht mehr scheppern? Matthias Walter ist bei der Denkmalpflege der Glockenspezialist, und er klärte gestern über die beiden Massnahmen auf, die zu einem alles in allem leiseren Klang geführt haben. Zum einen wurden die massiven Tragbalken mit Gewichten beschwert, damit die an ihnen hängenden Glocken langsamer schwingen.

Zum andern wurden die Klöppel gekürzt, damit sie an Masse verlieren. Sie reagieren dann träger auf Bewegungen und schlagen im Innern der schwingenden Glocken nicht mehr am oberen, sondern am unteren Rand an.

Nur, allein auf die Lautstärke kommt es auch wieder nicht an, wie Walter weiter ausführte. Genauso wichtig sei, dass die höchsten Obertöne verschwunden seien. Gerade sie hätten dafür gesorgt, dass der Klang als grell, als schwirrend – kurz, als für das Ohr sehr unangenehm empfunden worden sei. Alles in allem komme das neue Geläute viel weicher daher als bisher. Der Ton werde dennoch weit getragen, die Thomaskirche sei also auch in Zukunft nicht nur in der näheren Umgebung zu hören.

Nun in der Pauluskirche?

Walter wies noch darauf hin, dass der neue Glockenklang das Resultat jahrelanger Forschungsarbeit ist. In Ansätzen sei schon das Geläute im ökumenischen Zentrum Kehrsatz in dieser Art saniert worden. Allerdings dämpften dort in erster Linie Plexiglasplatten den Schall.

Im Gegensatz dazu komme die Thomaskirche ohne Verschalungen aus. In diesem Sinne spiele sie eine Vorreiterrolle – für andere Kirchen mit offenen Türmen, die aus denkmalpflegerischen Gründen nicht verändert werden könnten.

In der Stadt Bern könnte dies bei der Pauluskirche ein Thema werden. Laut Walter steht dort ebenfalls eine Sanierung des Geläutes an.

Merken Sie den Unterschied? Hören Sie selbst: Das Geläut der grössten Glocke in der Liebefelder Thomaskirche nach und vor der Restaurierung im Vergleich.

Und hier dasjenige der kleinsten Glocke im Vergleich (vorher - nachher - vorher).

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt