Jetzt ist die Schütz wieder ein Labor

Am Samstag beginnt wieder das Neustadt-Labor auf der Schützenmatte. Kunst, Kultur und Konzerte nach dem «Jeder kann mitmachen»-Prinzip finden bis Mitte September statt.

Juerg Luedi, Platzwart des Neustadt-Labors, in­mitten des kreativen Chaos des  Aufbaus.

Juerg Luedi, Platzwart des Neustadt-Labors, in­mitten des kreativen Chaos des Aufbaus. Bild: Raphael Moser

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Holzlatten, Stühle und abgeschraubte Motorhauben türmen sich auf dem ehemaligen Parkplatz. Die ersten Palettenbauten ragen in die Höhe, ein Kuppelbau mutet an wie eine mintgrüne Kapelle mit Rutschbahn. Rund 50 Freiwillige arbeiten bei Gluthitze an der Kulisse des Neustadt-Lab 2018.

Mittendrin steht Juerg Luedi, Künstler, Geschäftsleiter des Vereins Neustadt Bern, des Trägervereins der letzten beiden Neustadt-Labore, und seit vier Jahren Platzwart des Labors. «Das Neustadt-Lab lebt vom Laborgedanken», erklärt Luedi. Das Ziel sei, einen Freiraum zu schaffen, in dem jeder frei mitgestalten kann. Bis zum Ende des Labors Mitte September können Interessierte spontan Projekte einreichen und durchführen.

Das Sorgenkind wird belebt

Erstmals fand ein Neustadt-Labor 2015 statt. Im Rahmen der sommerlichen Bespielung wollte die Stadt Bern herausfinden, wie sich die Schützenmatte, gewissermassen das Sorgenkind unter den städtischen Plätzen, beleben liesse. Wiederholt ist der Parkplatz zwischen Bollwerk und Reitschule Schauplatz von Drogenhandel und Gewaltdelikten. Eine Zwischennutzung sollte die Situation entschärfen. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) bestätig­te letztes Jahr gegenüber dem «Bund»: «Die Meldungen von Drogendelikten rund um die Reitschule nehmen ab, wenn das Neustadt-Lab hier ist.»

«Das Neustadt-Lab lebt vom Laborgedanken»Juerg Luedi, Platzwart des Neustadt-Lab

Dass das Neustadt-Lab diesen Sommer erneut stattfindet, ist dennoch nicht selbstverständlich, denn 2017 gab es erhebliche Spannungen zwischen der Stadt und dem Verein Neustadt: Erstere unterstützte aus «finanzrechtlichen Gründen» das Projekt nicht direkt. Knapp einen Monat lang stand das Labor auf der Kippe. Schliesslich erliess die Stadt dem Verein die Gebühren, das Labor fand trotzdem statt. Die Bilanz war jedoch durchzogen.

Leichter Umschwung beim Gemeinderat

Während der Gemeinderat im Juni 2017 noch die Meinung vertrat, «dass es möglich sein sollte, die Schützenmatte während des Sommers auch ohne finanziellen Beitrag der Stadt zu beleben», klingt es 2018 anders: Von Graffenried schreibt auf Anfrage: «Die Durchführung des Neustadt-Lab 2017 hat aufgezeigt, dass die Reduktion der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Bern zu einer Verlagerung von kulturellen und soziokulturellen Aktivitäten hin zu kommerziell-gastronomischen Angeboten führt und die Präsenz der Veranstalter auf dem Platz tendenziell reduziert.»

Gerade die Präsenz des Platzmanagements sei dem Gemeinderat «ein wichtiges Anliegen». Luedi verweist auf einen erfolgreichen Austausch zwischen dem Verein Neustadt und der Stadt, der im letzten Herbst stattgefunden hatte: «Für uns war damals klar, dass wir das Labor unter gleichen ­Bedingungen nicht noch einmal durchführen würden.»

Austausch mit der Reitschule

Dieses Jahr unterstützt die Stadt das Neustadt-Labor mit 80 000 Franken. Hinsichtlich der letztjährigen Probleme ist Luedi zuversichtlich: Er wird dieses Jahr wieder als regelmässig präsenter Platzwart mit seinem Büroteam bei Problemen vermitteln können. Wegen der Lärmklagen habe man die Bühne weniger stark in Richtung Lorraine und Altenberg ausgerichtet. Und anstatt zahlreiche Bars auf dem Platz zu haben, wird sich das Reitschule-Restaurant Sous le Pont um das gastronomische Angebot kümmern.

Das Lokal hatte vergangenes Jahr mit der Konkurrenz auf der Schütz zu kämpfen. Insgesamt sei der Austausch mit Reitschule und Grosser Halle dieses Jahr «so intensiv wie noch nie», stellt Luedi fest: Man habe ein gemeinsames Mehrwegsystem entwickelt und arbeite eng mit dem Awareness-Team der Reitschule zusammen, das insbesondere für Übergriffe sensibilisieren will.

Die Zwischennutzung

Das Neustadt-Labor ist nur das kurze Vorspiel einer langfristigen Zwischennutzung: Nach der Bespielung, ab dem 25. September, beginnt eine dreijährige Zwischennutzung des Platzes, eine ganzjährige Belebung. Die Stadt hatte das Projekt im Mai ausgeschrieben und mit 450 000 Franken dotiert. Wer die dreijährige Zwischennutzung durchführen wird, will der Gemeinderat Ende August bekannt gegeben.

Der Verein Neustadt hat sich jedenfalls auf die Ausschreibung der Stadt hin beworben. Christian Pauli, der seit Juni 2018 zusammen mit Stéphanie Penher den Verein Neustadt präsidiert, sagt dazu: «Die Herausforderung der Schützenmatte ist gleichzeitig ihr Potenzial: Der Ort ist zentral gelegen, für Berner Verhältnisse sehr urban, diverse soziale Gruppen verkehren in diesem Perimeter.»

Ein Patentrezept gegen den Drogenhandel habe auch der Verein Neustadt nicht. Aber es habe sich gezeigt, dass Belebung besser sei als der blosse Auto­verkehr. Für Luedi ist ausser­dem klar: «Die Schützenmatte soll kein zweiter geschniegelter Kornhausplatz werden.»


Am Samstag um 16 Uhr übergibt der Stadtpräsident die Schützenmatte im Rahmen eines öffentlichen Anlasses der Bevölkerung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.08.2018, 09:46 Uhr

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