Jenische und Sinti eröffnen ihre Feckerchilbi

Bern

Am Donnerstag ist die Feckerchilbi eröffnet worden, ein Fest der Jenischen und Sinti mit langer Tradition. Bundesrat Alain Berset stellte sich in seiner Festrede hinter die Forderung der Organisatoren, nicht mehr von «Fahrenden» zu reden.

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Den Begriff «Fahrende» finden viele Jenische und Sinti problematisch, weil nicht alle von ihnen herumziehen. Zudem sagen sie, sie selber nennten sich Jenische und Sinti. Also solle man sie auch so bezeichnen. Eine Petition mit diesem Anliegen übergaben Jenische- und Sinti-Organisationen im April dem Schweizer Innenminister, Bundesrat Alain Berset.

Dieser sagte in seiner Rede zur Eröffnung der Feckerchilbi auf der Berner Schützenmatte, er anerkenne diese Forderung nach Selbstbezeichnung. Er werde sich dafür einsetzen, dass der Bund die Jenischen und Sinti künftig auch so bezeichne. Das sei nicht Wortklauberei. Mit Sprache schaffe man Realität.

Berset wies auch darauf hin, dass die Schweiz 1998 mit der Ratifizierung eines europäischen Übereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten die «Fahrenden» als nationale Minderheit anerkannt habe. 2001 habe der Bundesrat festgehalten, dass damit alle Jenischen und Sinti gemeint seien - unabhängig davon, ob sie fahrend lebten oder nicht.

Die Schweiz sei kein Volk mit Minderheiten, sagte Bundesrat Berset weiter, sondern ein Volk der Minderheiten. Die Vielfalt der Lebensweisen, der Kulturen und des Blicks auf die Welt: Das sei eine immense Stärke dieses Landes. Insofern bereicherten Jenische und Sinti die Schweiz.

Der Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, Daniel Huber, lud die Bevölkerung ein, das Volk der Jenischen und Sinti am viertägigen Anlass kennenzulernen. Die Radgenossenschaft wolle mit der Chilbi Brücken schlagen.

Venanz Nobel, Vizepräsident des Vereins Schäft Qwant, sagte, für Jenische und Sinti sei die Feckerchilbi etwa wie eine Landesausstellung für andere Schweizer, also eine «Expo der Jenischen und Sinti». Im Programmheft wird der Anlass als Jahrmarkt, Fest und Ort der Begegnung bezeichnet.

Reichhaltiges Kulturprogramm

Zur diesjährigen Chilbi gehört ein reichhaltiges Kulturprogramm. So läuft etwa schon seit dem 2. September eine Filmreihe zu Jenischen, Sinti und Roma im Kino in der Reitschule. Und in der Grossen Halle der Reitschule vermittelt eine neue Wanderausstellung die wichtigsten Informationen zu Sinti und Jenischen.

In Bern findet die Feckerchilbi drei Jahre nach ihrer letzten Austragung in Zürich statt, weil die Organisatoren damit ihre Forderung nach Anerkennung als «Jenische» und «Sinti» unterstreichen wollen. Auch für sie sei Bern die Hauptstadt, sagen sie.

Zudem feiern sie das 40-Jahr-Jubiläum der Radgenossenschaft der Landstrasse, welche im Berner Restaurant «Bierhübeli» gegründet wurde. Etwa 35'000 Jenische und Sinti leben in der Schweiz.

chh/sda

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