Jede Woche verunfallen in Bern zwei Passagiere wegen Notstopps

Bern

Ein Fussgänger rennt vors Tram, das Tram bremst, im Tram stürzt jemand und verletzt sich. Zweimal pro Woche spielt sich bei Bernmobil eine derartige Szene ab. Mit einer markanten Verbesserung der Situation rechnet das ÖV-Unternehmen nicht.

Unachtsame Verkehrsteilnehmer lösen immer wieder gefährliche Situationen aus. Ihretwegen müssen Busse und Trams oftmals Notstopps einlegen. Die Folge sind rund 100 Sturzunfälle pro Jahr.

Unachtsame Verkehrsteilnehmer lösen immer wieder gefährliche Situationen aus. Ihretwegen müssen Busse und Trams oftmals Notstopps einlegen. Die Folge sind rund 100 Sturzunfälle pro Jahr.

(Bild: Beat Mathys)

Ralph Heiniger

Für Bernmobil gehört es zum Alltag: Unachtsame Fussgänger laufen vors Tram, überforderte Automobilisten schneiden Bussen den Weg ab, Velorowdys kürzen ihre Route unvermittelt via Haltestelle ab. Die Folge: ein Notstopp. Um einen Verkehrsunfall zu verhindern, muss der Bernmobil-Chauffeur voll aufs Bremspedal treten.

Zweimal pro Woche stürzt bei einem solchen Notstopp ein Passagier. «Wir verzeichneten in den letzten Jahren konstant rund 100 Sturzunfälle wegen Notstopps», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer auf Anfrage. In der Regel gehen diese Sturzunfälle zum Glück glimpflich aus, so Meyer.

«Es handelt sich fast immer um leichte Verletzungen.» Die Mehrzahl der Sturzunfälle passiert in Bussen. Dies, weil der Bremsweg beim Bus kürzer ist als bei einem Tram. Das macht Busse bei einem Notstopp gefährlicher für die Passagiere, ein Tram hingegen ist für den fehlbaren Verkehrsteilnehmer auf der Strasse gefährlicher als der Bus – eben wegen des längeren Bremswegs.

Fussgänger, Autos, Velos

In der Statistik werden jene Fälle erfasst, bei welchen sich direkt nach dem Notstopp eine verletzte Person beim Chauffeur meldet, aber auch jene, bei denen der Chauffeur vorsorglich eine Meldung macht. Eine exakte geografische Auswertung der Unfälle existiert nicht.

«Aufgrund der Erfahrung können wir aber sagen, dass es vor allem im erweiterten Kreis der Innenstadt zu Sturzunfällen kommt.» Alleinige Verursacher der Notstopps sind unachtsame Verkehrsteilnehmer, und zwar vor allem Fussgänger, danach Autofahrer, dann Velofahrer, wie Meyer erklärt.

Dass es in den letzten Jahren einmal zu einem Notstopp wegen einer Katze, eines Hundes oder gar wegen eines Rehs gekommen ist, kann der Bernmobil-Sprecher zwar nicht ganz ausschliessen, aber: «Mir selbst ist kein einziger derartiger Fall bekannt.»

Das Problem der unachtsamen Verkehrsteilnehmer ist für Bernmobil nicht neu. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht. In der Vergangenheit habe das Berner ÖV-Unternehmen auch mit Kampagnen versucht, die Leute zu sensibilisieren. «Doch der Erfolg war gering», stellt Meyer ernüchtert fest.

Dass viele Leute Kopfhörer tragen oder beim Gehen aufs Handy blicken, sei der Situation auch nicht zuträglich. Bernmobil stehe aber bezüglich Unfallzahlen im Vergleich mit anderen grossen Schweizer Städten sehr gut da, betont Meyer.

Man werde die Chauffeure aber weiter für dieses Problem sensibilisieren und in die Aus- und Weiterbildung investieren, um vielleicht auf diesem Weg den einen oder anderen Notstopp in Zukunft zu verhindern. «Aber ganz verhindern können wir die Problematik leider nicht», so Meyer.

Berner Zeitung

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