Japaner peppen Merkur Kaffee auf

Zollikofen

Die neuen Zeiten bei Merkur Kaffee in Zollikofen sind zwar schon länger angebrochen. Doch erst seit kurzem geben sich die japanischen Besitzer gegen aussen auch als solche zu erkennen. Nun wird die Marke aufgefrischt.

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Stephan Künzi

Der alte Vollautomat ist weg. Wenn André Eiermann heute an seinem Arbeitsplatz einen Kaffee zubereitet, kann er nicht mehr einen Knopf drücken und gleich das fertige Getränk servieren. Er mahlt vielmehr erst die Bohnen, füllt dann das feine Pulver in ein Sieb und spannt dieses ins neue Gerät ein. Dort wird das Wasser durch die Masse gepresst und rinnt als Kaffee in die Tasse.

Mit diesem sogenannten Halbautomaten könne er flexibel auf äussere Einflüsse wie das Wetter oder die allgemeine Feuchtigkeit reagieren, erklärt der Marketingchef der Kaffeerösterei in Zollikofen. «So bekomme ich einen Kaffee von hoher Qualität.»

Diskret im Hintergrund

Die Qualität. Seit zwei Jahren hat das Streben nach dem guten Produkt einen noch höheren Stellenwert in der Fabrik, an deren Fassade nach wie vor der Schriftzug Merkur Kaffee prangt. Er steht für das Produkt, das den Betrieb weitherum bekannt gemacht hat – und das noch heute für den unverkennbaren Kaffeeduft verantwortlich ist, der täglich über dem Bahnhof Zollikofen hängt.

Die alten Merkur-Zeiten liegen indes viel weiter als zwei Jahre zurück. Der aus Merkur hervorgegangene Valora-Konzern trennte sich schon 2004 von der Rösterei. Er verkaufte das Werk an eine niederländische Firmengruppe, die ihrerseits nur wenig später von einer britischen Finanzgesellschaft geschluckt wurde. Vor zwei Jahren schliesslich trat die japanische Ueshima Coffee Company (UCC) auf den Plan. Die neue Besitzerin hielt sich lange diskret im Hintergrund. Erst seit kurzem gibt sie sich nach aussen zu erkennen.

Essen ist viel wert

Mit den Japanern wurden ganz andere Werte wichtig. Was das heissen kann, erläutert André Eiermann gemeinsam mit Direktor Marco Giuoco auf einem Rundgang. Vor einer Abpackanlage weisen die beiden auf einen Aufbau aus Plexiglas hin, der die für die Beutel bestimmte Folie vor Staub schützt. Die Konstruktion ist erst auf Wunsch der neuen Besitzer angebracht worden.

Anderes dagegen lässt sich nicht umsetzen. Die beiden erinnern daran, dass der rohe Kaffee hierzulande in grossen Chargen auf Paletten angeliefert wird. Solches wäre in Japan unmöglich. Dort komme der Kaffee in viel kleineren Chargen und in Säcken an. Jeder dieser Säcke werde einzeln angestochen und kontrolliert. So vorzugehen, wäre wiederum in der Schweiz viel zu teuer. Aber eben, die Japaner tickten anders. «Sie lassen sich das Essen viel mehr kosten als wir.»

Lokal verankert

Die Ueshima Coffee Company ist ein Familienunternehmen und laut eigenen Angaben die grösste Kaffeeproduzentin in Japan. Sie beschäftigt rund 3700 Angestellte und setzt über 3 Milliarden Franken jährlich um. Mit dem Zukauf vor zwei Jahren, der auch Betriebe in Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden und Spanien umfasste, machte sie einen wichtigen Schritt aus ihrem Heimmarkt. Sie tat ihn nicht von ungefähr in Richtung Europa: «Die Japaner fühlen sich uns sehr nahe», sagen Eiermann und Giuoco.

Mit seinen 50 Mitarbeitern gehört der Betrieb in Zollikofen zu den drei grossen in der Schweiz. Im weltweiten Konzert der Ueshima Coffee Company bleibt er aber ein kleiner Mosaikstein. Dass zum hiesigen Ableger drei Kleinröstereien mit je einer Handvoll Angestellten gehören, ändert daran wenig. Der Aufwand dieser dezentralen Struktur zahle sich aus, betonen die beiden: «Unsere Branche lebt von der lokalen Verankerung.»

Nun die Kapseln

Entsprechend pflegt das Unternehmen an jedem Standort seine lokale Marke. Mal heisst der Kaffee Raigyl, mal Rosca, Sima oder Giger, wobei Letzterer ebenfalls in Zollikofen daheim ist. Hier werden zudem die Eigenmarken von Coop hergestellt – und eben der Merkur Kaffee. Mit dieser national verankerten Marke haben sie einiges vor. «Wir wollen das Logo auffrischen – und Merkur-Kapseln auf den Markt bringen.»

Berner Zeitung

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