«Ja, unsere Klinik bewirkt etwas»

Kirchlindach

Seit einem Jahr ist Stefan Gerber Direktor des Kompetenzzentrums für Mensch und Sucht im Südhang. Bereits konnte er einige Neuerungen einführen.

Klinikdirektor im Südhang: Stefan Gerber.

Klinikdirektor im Südhang: Stefan Gerber.

(Bild: Raphael Moser)

Herr Gerber, seit einem Jahr sind Sie in der Klinik Südhang. Was haben Sie als Erstes angepackt?Stefan Gerber:Nun, man hat hier nicht auf mich gewartet. Es war mir wichtig, mit Mitarbeitenden und Partnerorganisationen eine Vertrauensbasis zu schaffen. Projekte waren am Laufen, etwa der Ausbau der Tagesklinik in Bern. Ab letztem Sommer haben wir uns dann um die Organisationsstruktur gekümmert.

Was war der Beweggrund für diese Neuerungen? Wir wollten das Kader stärker in Entscheide einbeziehen. Auch haben wir kleinere, übersicht­lichere Einheiten geschaffen. Damit ist mehr Nähe zu den Patienten möglich. Ausserdem kann sich der Chefarzt nun stärker der fachlichen Entwicklung widmen.

Was ist die wichtigste Aufgabe des Chefarztes? Er trägt die fachliche Verantwortung. Dazu muss er in direktem Kontakt mit Patienten und Therapeuten stehen.

Wie sind die Rückmeldungen auf die von Ihnen eingeführten Neuerungen? Da das neue Arbeitsmodell eben erst gestartet ist, kann ich noch nichts sagen. Aber ich spüre viel Offenheit für Veränderungen.

Welche Vorteile haben diese für die Patienten? Beispielsweise häufigere und intensivere Kontakte zu den Therapeuten. Da gab es einen Ausbau.

Wie einfach ist es, Personal zu finden? Der Arbeitsmarkt ist angespannt, und das wird sich in Zukunft noch verschärfen. Zudem gehen mehr Psychiater in Pension, als ausgebildet werden.

Zur Institution Südhang – bewirkt sie etwas gegen Alkoholismus und Drogensucht? Oder ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein?
Ja, wir bewirken etwas. Es ist mehr als ein Tropfen. Aber die Dunkelziffer ist gross. Gemäss Studien werden nur zehn Prozent aller Menschen, die eine Abhängigkeitserkrankung haben, behandelt. Aber wenn man manchmal Patienten beim Eintritt sieht und nach kurzer Zeit merkt, wie sie ins Leben zurückkehren, ist das doch sehr positiv. Natürlich gibt es auch immer wieder Rückfälle. Der Weg in ein suchtfreies Leben verläuft nicht schnurgerade.

Können diese Menschen nach dem Austritt Fuss fassen?
Wir bieten Unterstützung, beispielsweise bei der beruflichen Integration und bei der Wohnungssuche. Mit Kunstausstellungen, Konzerten und dem Südhangfest sprechen wir die Öffentlichkeit an, denn wir wollen Berührungsängste abbauen. Eine Stigmatisierung ist dennoch da.

Wie lautet Ihre Bilanz nach dem ersten Jahr im Südhang?
Man hat sich gefunden. Wir pflegen einen offenen Austausch und begegnen uns auf Augenhöhe. Die Reorganisation schafft spannende Aufgabengebiete für Therapeuten und Ärzte – das wird uns stärken.

Zur Person: Stefan Gerber (46) ist studierter Betriebsökonom und absolvierte ein Nachdiplomstudium im Gesundheitswesen. Er arbeitete immer in sozialen Institutionen, zuletzt in der Psychiatrischen Klinik Münsingen.

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