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Ist es Liebe oder Krieg?

Redaktorin Laura Fehlmann berichtet von ihrem Bergsommer auf der Alp Obriste Morgeten.

Macho, der Güggel.
Macho, der Güggel.
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Schon oben auf der Morgetenpasshöhe hatte ich den Hahn krähen gehört, der sich auf der Alp Obriste Morgeten um ein halbes Dutzend Hennen kümmert. Angekommen auf der Alp, sah ich, wie der hübsche Italiener mit seinem Harem hinter dem Haus Käsebrosamen pickte. Dazwischen schlug er immer wieder mit den Flügeln und krähte.

Ob ihn die Dohlen stressten, die es ebenfalls auf die Brosamen ab­gesehen hatten? Ich wechselte zum Sitzplatz auf dem Dach des Käsekellers und vergass den Hahn, den ich in Gedanken Macho getauft hatte, versuchte, eine Handyverbindung zu finden, um meinen Text nach Bern zu übermitteln. Nichts ahnend sass ich da, als sich plötzlich spitze Krallen in meinen Rücken bohrten und mir Flügelschläge um die Ohren sausten. Schreiend sprang ich auf, schaute hinter mich und sah Macho, mit angriffslustigem Blick.

Ich ergriff einen Zaunpfahl, der neben mir lag, schlug damit auf den Boden, schrie den Güggel an, drohte ihm, dass er so demnächst in der Pfanne landen werde und er nicht der erste wäre, den ich köpfe. Macho lauschte mit schräg gelegtem Kopf, trippelte an Ort und erst dann zu seinen Damen, als ich ihn mit dem Pfahl fortjagte.

Als ich die Geschichte einem Freund erzählte, meinte er nur trocken: «Vielleicht war das ja Liebe. Der Güggel dachte, er habe ein neues Huhn, das er bespringen könne.»

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