Irgendeinisch fingt ds Glück eim

BZ-Chefredaktor Peter Jost zum Meistertitel der Berner Young Boys.

Peter Jost@Peter_Jost

Irgendwenn chunnt me immer a, irgendeinisch geits gäng wieder wiiter. Du chasch no so töiff ir Sosse schtah, irgendwenn chunnt me immer a.» Wenn sich die Young Boys erstmals nach 32 Jahren wieder zu Meisterehren kicken, kann man fast nicht anders, als an die legendären Liedzeilen von Züri West zu denken.

Was hat dieses YB – und mit ihm seine grosse Fangemeinde – nicht alles durchgemacht seit 1986 und dem letzten Meistertitel. O ja, die jüngere YB-Geschichte ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab, einem Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen, Vorfreude und Enttäuschung.

In den unseligen Neunzigerjahren sind die Gelb-Schwarzen zweimal in die Zweitklassigkeit abgetaucht, kurz vor der Jahrtausendwende kämpfte der Club gar ums nackte wirtschaftliche Überleben. Wäre damals Bauunternehmer Bruno Marazzi nicht bereitgestanden und hätte seinen Geldsäckel geöffnet, YB gäbe es in seiner heutigen Form wohl nicht mehr.

Mit Marazzi wurde aus dem Wankdorf das Stade de Suisse. Und aus YB ein Club, in den im grossen Stil investiert wurde. Während der Bauphase des neuen Stadions, als YB temporär in die Idylle des Neufeldstadions auswich, begann die gegenseitige Zuneigung zwischen Fans und Club wieder zu keimen. Mit dem Umzug ins heutige Stadion wuchs das Budget von YB und damit im Gleichschritt die Erwartungen der Fans.

Doch wie wurden sie enttäuscht! Wer erinnert sich nicht an die verlorenen Finalissimas gegen Basel, an die verlorenen Cupfinals 2006 und 2009. Und an die Wortschöpfung, welche dieses YB fortan begleiten sollte wie ein Fluch: «veryoungboysen».

Veryoungboysen? Millionen Kilometer weit weg war dieses elende Verb am Samstag von Bern entfernt. Mit dem Selbstvertrauen eines Siegerteams nutzte YB die Chance zum Titelgewinn. Auf Anhieb. Im eigenen Stadion. Trainer Adi Hütter hat in den letzten drei Jahren ein Team geformt, das agiert wie aus einem Guss. Das ackert und kämpft, gleichzeitig aber mit so völlig unbernischem Selbstvertrauen so spielfreudig die Tore sucht, dass jedes Fanherz zu hüpfen beginnt.

Selbstverständlich gehört auch Sportchef Christoph Spycher ein Teil des Erfolgs. Und seinem Vorgänger Fredy Bickel, der die meisten der heutigen Leistungsträger verpflichtet hat – mit dem Geld der geduldigen Zürcher Investorenbrüder Rihs. Ohne deren Millionen, rund hundert sollen es sein, wäre YB heute nicht jenes YB, das es ist. Das siegreiche, begeisternde, bejubelte YB, welches das Potenzial hat, in Bern eine anhaltende Fussballeuphorie zu entfachen, wie man sie in der Schweiz sonst nur aus Basel kennt.

Es scheint, als hätte es Kuno Lauener immer schon gewusst. Oder, frei nach Züri West: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim, irgendwo uf emene Fuessballplatz. Plötzlech schmöckts wider wie deheim, irgendeinisch fingt ds Glück eim.»peter.joster.jost

Berner Zeitung

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