Internes Ritual

Christoph Hämmann, Redaktor im Ressort Stadt Bern, zur Analyse der Wahlniederlage von Ursula Wyss.

Christoph Hämmann

Gewichtige neue Erkenntnisse zur Stapi-Wahl hat die SP am Dienstag nicht geliefert. Das Erstaunlichste an der Analyse ist ihr defensiver, fast schon wehleidiger Ton. Dazu passt das Eingeständnis, dass sich Alec von Graffenried auf ein breiteres Netzwerk habe abstützen können als Ursula Wyss.

Das bedeutet zweierlei: Erstens war von Graffenried offenbar der perfekte Kandidat, dessen Biografie rückblickend aussieht, als hätte er ein Leben lang auf das Stapi-Amt hingearbeitet – auch wenn die SP zu Recht auf Faktoren hinweist, die für ihn gelaufen sind. Es heisst zweitens aber auch, dass es Wyss zu wenig gelungen ist, über ihre Ämter und ihre Partei hinaus ein tragfähiges Netz zu knüpfen und bei der breiten Stadtbevölkerung Sympathien zu wecken.

Es mag sein, dass die SP eine Gelegenheit verpasst hat, härter mit sich ins Gericht zu gehen. In erster Linie ist ihre Analyse aber ein internes Ritual – nach aus­sen kommuniziert wird der gemeinsame Nenner. Zweieinhalb Monate nach der Niederlage kann die SP nun aber den Trau­erflor abhängen – und austesten, was als stärkste Kraft im gestärkten RGM-Lager möglich ist.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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