Inselspital: Tumorzentrum ist zuerst Frauenklinik

Bern

Der Bau des Organ- und Tumorzentrums auf dem Inselareal kommt rasch voran. Bevor dort aber Krebspatienten behandelt werden, zieht vorerst dieFrauenklinik ein.

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Sheila Matti

Im untersten Stockwerk installieren Heizungstechniker riesige Boiler, darüber kümmern sich Elektriker um die ersten Vorbereitungen für die Haustechnik, und ganz oben hantieren Arbeiter mit Armierungseisen und giessen Beton: Auf der Baustelle an der Berner Friedbühlstrasse 41 sind zurzeit rund 120 Arbeiter aus den unterschiedlichsten Gewerben gleichzeitig am Werk.

«Indem wir in den unteren Stockwerken so früh wie möglich mit den weiterführenden Arbeiten beginnen, können wir den Bau schnell vorantreiben», erklärt Projektleiter Kurt Weibel. Die Taktik scheint aufzugehen: Wo im Mai noch eine Baugrube klaffte, erkennt man nun die Grundzüge des künftigen Organ- und Tumorzentrums.

Am Dienstag erhielt das weit fortgeschrittene Bauwerk endlich auch einen Grundstein: Er wurde von Bernhard Leu, Direktor der Insel-Gruppe AG für Infrastruktur, und Insel-Pfarrer Hubert Kössler in der Eingangshalle versenkt.

Weitere fünf Stockwerke

Das Organ- und Tumorzentrum ist einer von zwei Neubauten, die das Bettenhochhaus des Inselspitals künftig ersetzen und den Betrieb zentralisieren werden. Zuvor wird das Gebäude zwei Bauphasen durchlaufen: Im Frühjahr 2018 soll es so weit fertig sein, dass die Frauenklinik einziehen kann. Diese verweilt so lange im Neubau, bis ihr ursprünglicher Standort an der Effingerstrasse 102 saniert ist.

Sobald die Frauenklinik wieder zurückverlegt ist, beginnt die zweite Bauphase.

Sobald die Frauenklinik wieder zurückverlegt ist, beginnt die zweite Bauphase; das Gebäude wächst um weitere fünf Stockwerke und wird somit zum Organ- und Tumorzentrum des Inselspitals.

Sichtbar werden diese zeitlich versetzten Nutzungen in zwei Räumen mit massiven Betonwänden. «Hier finden dereinst die Strahlentherapien statt. Bis dahin wird die Frauenklinik die Räume für die Physiotherapie nutzen», so Weibel. Der grösste Vorteil der Doppelnutzung sei, dass dadurch die Kosten für ein teures Provisorium wegfielen.

Ganz ohne Modulbauten kommt der Masterplan der Insel-Gruppe jedoch nicht aus: In unmittelbarer Nähe zum Organ- und Tumorzentrum wird momentan das Provisorium für den Polikliniktrakt gebaut, in dem die ambulanten Behandlungen während der Bauzeit durchgeführt werden.

Ein Netzwerk aus Gängen

Ein weiterer Vorteil des umgestalteten Insel-Areals werden die Verbindungsgänge sein, die von einem Gebäude zum anderen führen. Dank ihnen soll das Inselspital zum «Spital der kurzen Wege» werden, sagt Bernhard Leu. Zum Vergleich: Bisher legte ein Patient durchschnittlich 1,1 Kilometer zurück. Künftig werden es nur noch wenige Hundert Meter sein.

Von diesen sich auch bereits im Bau befindlichen Gängen wird es im neuen Gebäude gleich mehrere geben: Ganz unten entsteht die logistische Verbindung, auf einer anderen Ebene können die Patienten und Besucher verkehren, ein weiterer steriler Gang oben ist speziell für die operativen Transporte reserviert.

 2025 steht der spektakuläre Abriss des Bettenhochhauses bevor.

Als Zentrum des Verbindungsnetzes wird das Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum dienen, das nördlich an das neue Organ- und Tumorzentrum angrenzt. 2017 soll das Netzwerk mit einem weiteren grossen Neubau ergänzt werden. Und 2025 schliesslich steht der spektakuläre Abriss des Bettenhochhauses bevor.

Ob der Zeitplan eingehalten wird, ist unklar. «Dieser ist vom Umfang der anstehenden Sanierungsarbeiten an der Frauenklinik abhängig und davon, ob uns der Kanton gegebenenfalls finanziell bei diesen Projekten unterstützt», sagt Holger Baumann, Vorsitzender Geschäftsleitung Insel-Gruppe. Entsprechende Vorabklärungen seien im Gange.

Zur Erinnerung: Seit der Umstellung der Spital­finanzierung 2012 muss die Insel-Gruppe alle baulichen Vorhaben selbst finanzieren. Bei einem ungefähren Betrag von 250 Millionen Franken für das Organ- und Tumorzentrum würde sich das Inselspital sicher über Unterstützung freuen.

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