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Innenstadt: Tot oder lebendig!

An den Autobahnen reiht sich Shoppingcenter an Shoppingcenter. Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) und seine Herausforderin Barbara Hayoz (FDP) sagen, wie die Innenstadt gegen diese Konkurrenz bestehen kann.

Die Innenstadt erhält immer mehr Konkurrenz durch Einkaufszentren vor den Toren der Stadt, zuletzt Westside. Was müssen Gewerbetreibende und Geschäftsinhaber in der Innenstadt unternehmen?

Stadtpräsident Alexander Tschäppät: Westside ist eine Herausforderung für die Altstadt, sie kann nicht dasselbe bieten. Doch das sollten wir nicht beklagen, weil dies auch umgekehrt gilt. Die Altstadt wird sich auf ihren Charme besinnen und sich als Alternative präsentieren. Das schafft eine attraktive Vielfalt, die allen nützt.

Gemeinderätin Barbara Hayoz: Die Möglichkeiten der einzelnen Gewerbler sind beschränkt. Wichtig ist eine gute und enge Zusammenarbeit untereinander und ein gemeinsames Marketing. Mit der Gründung der Vereinigung BernCity wurde ein wichtiger Anfang gemacht.

Wie kann die Stadt der drohenden Abwertung entgegenwirken?

Alexander Tschäppät: Dank RotGrünMitte wurde die wunderschöne Altstadt aufgewertet. Wir haben die Kram- und Gerechtigkeitsgasse sowie Bahnhof- und Bundesplatz saniert, den Verkehr beruhigt, eine Begegnungszone eingerichtet und Altstadt-Aktivitäten wie den Frauenlauf, den GP und die Fasnacht gefördert. Die Altstadt ist einmaliger Ort zum Wohnen, Einkaufen, Flanieren und zum Verbringen der Freizeit.

Barbara Hayoz: Man soll das Einkaufsparadies im Unesco-Welkulturgut Altstadt mit sechs Kilometer Lauben nicht schlecht reden! Allerdings hat die Stadt gerade deshalb eine Verpflichtung, Gassen, Plätze und Grünanlagen von Unrat zu reinigen, Gewalt, Sprayereien und Sachbeschädigungen zu bekämpfen, keine offene Drogenszene zu dulden und eine gute Erreichbarkeit sicherzustellen.

Sind Klagen über Dreck und unsichere Zustände berechtigt?

Alexander Tschäppät: Nicht die Verwaltung produziert den Dreck, sondern die Menschen mit ihrer Wegwerfmentalität! Die Stadt leistet täglich Sisyphusarbeit. Nötig ist mehr Eigenverantwortung. Darum lancierten wir die Kampagne «Subers Bärn». Zudem haben wir verfügt, dass mehr Polizei patrouilliert, damit den Menschen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt wird.

Barbara Hayoz: Ja. Gerade im Vergleich mit anderen europäischen Städten, die auch den Status eines Weltkulturgutes tragen, fällt Bern klar ab.

In Einkaufszentren gelten Hausordnungen, in der Innenstadt nicht. Ist das ein Handicap?

Alexander Tschäppät: Die Innenstadt ist etwas ganz anderes als ein Einkaufszentrum. Für sie gelten die Regeln des öffentlichen Raums. Wo es nötig war, haben wir gehandelt: mit einem Bahnhofreglement, mit Bussen gegen Abfallsünder, mit einem neuen Abfallreglement und an der Euro mit dem Mehrwegkonzept.

Barbara Hayoz: Ja. Die Einkaufszentren haben den Vorteil, dass sie unter einer einheitlichen Leitung stehen, welche ein solidarisches Verhalten sämtlicher Ladengeschäfte, zum Beispiel punkto gemeinsame Regeln oder Öffnungszeiten, vorschreiben kann.

Braucht es zusätzliche Verbote oder Regeln?

Alexander Tschäppät: In einer liberalen Gesellschaft sind Verbote auf ein Minimum zu beschränken. Mit einem neuen Nutzungskonzept wollen wir die unterschiedlichen Bedürfnisse besser unter einen Hut bringen.

Barbara Hayoz: Es braucht den politischen Willen, bestehende Regeln durchzusetzen – nicht nur vor den Wahlen. Einen Bedarf für strengere Regeln sehe ich mit Blick auf andere Städte im Bereich der organisierten Bettelei oder von unbewilligten Demonstrationen.

Muss man mit dem Auto in die Innenstadt fahren können, damit sie attraktiv bleibt?

Alexander Tschäppät: Berns Altstadt ist ein Bijou, sie hat ein einmaliges Ambiente. Dazu gilt es Sorge zu tragen. Die Attraktivität der Altstadt besteht nicht im Parkieren, sondern im Flanieren. Die Innenstadt von Bern verfügt über fünf grosse Parkhäuser im Zentrum, die übrigens selten ausgebucht sind. Und was noch besser ist: Wir haben einen hervorragenden ÖV.

Barbara Hayoz: Die Geschäfte brauchen Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter – sie alle sind mobil. Der öffentliche und der private Verkehr sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beide Verkehrsträger sind für eine lebendige Innenstadt wichtig. Zumindest für die Warenabholung ist der Zugang von Kunden mit dem Auto für die Gewerbler sehr wichtig.

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