Bern

Migros macht den Kunden den Hof

BernDie Migros wird an der Berner Marktgasse für 75 Millionen Franken komplett umgebaut. Ein Terrassenrestaurant und Innenhöfe sollen das Einkaufserlebnis aufwerten. Dafür wird die Ladenfläche reduziert.

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Viel Glas, mehr Licht und mehr Raum bei weniger Ladenfläche: Bei der Migros an der Marktgasse bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Am Dienstag präsentierte ­Migros-Aare-Chef Anton Gäumann die Pläne des Grossverteilers für seine Filiale in der Altstadt.

Das Siegerprojekt der beiden Berner Architektinnen Pascale Bellorini und Caroline Fiechter überzeugte die Jury durch seinen Umgang mit Licht und Raum: Der Haupteingang an der Marktgasse wird heller werden. Zwei diagonal verlaufende Rolltreppen verbinden die Geschosse, ein ovales Glasdach sorgt für viel Tageslicht.

Zudem will das Projekt die aus heutiger Sicht in den 1950er- bis 1970er-Jahren begangenen Bausünden korrigieren. Bei Umbauten wurde damals viel von der ­historischen Bausubstanz zerstört – Durchgänge, Höfe und historische Gebäude wie der Turm zwischen den beiden Aussenhäusern sind heute kaum mehr sichtbar. Das soll sich ändern. Die beiden Frontgebäude an der Marktgasse und der Zeughausgasse bleiben zwar bestehen, dafür wird das in den 1960er-Jahren über den historischen Innenhof errichtete Mittelgebäude komplett zurückgebaut.

An seiner Stelle entstehen Passagen und drei Innen­höfe, die den Häuserkomplex von der Marktgasse und von der Zeughausgasse her erschliessen. «Die Höfe können für Cafés, als Ruhezonen oder auch für Events genutzt werden», sagt Architektin Caroline Fiechter. Als weiterer Höhepunkt ist eine Dachterrasse mit Restaurant eingeplant.

Anton Gäumann zur neuen Marktgasse-Migros: Der Geschäftsführer der Migros Aare im Videointerview. Video: Stefan Schnyder

Passt zur Berner Altstadt

Das Projekt füge sich perfekt in die Altstadt ein und stelle eine Rückkehr zur alten Stadtberner Bautradition dar, sagt Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross. Er attestiert den Architektinnen ein sorgfältiges Studium der Bau­geschichte Berns.

Und dennoch sei das Projekt nicht nur eine Wiedergut­machung vergangener Bausünden, sondern eine geschickte und moderne Weiterentwicklung, so Gross. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) pflichtet ihm bei: «Mit seinen offenen Höfen leistet das Bauvorhaben auch einen Beitrag zur Belebung der Altstadt», sagt er. Schliesslich sei die Altstadt trotz ihrem Status als Unesco-Weltkulturerbe kein Museum, sondern das lebendigste und am meisten durchmischte Quartier von Bern.

Dass die Migros ihren Standort in der Altstadt derart aufwendig umbaut, hat mehrere Gründe: Einerseits hat der Supermarkt bereits zwanzig Jahre auf dem Buckel, und jedes einzelne davon sieht man ihm an. Energiestandards und Haustechnik sind veraltet, und seit dem Wegzug der Migros-Klubschule an die Welle 7 am Bahnhof stehen grosse Flächen im Gebäudekomplex leer.

Einkaufsverhalten ändert sich

Andererseits muss die Migros rasch auf die sich durch die Digitalisierung verändernden Kundenbefürfnisse reagieren. Der boomende Onlinehandel lässt die Umsätze im herkömmlichen Detailhandel schrumpfen, weniger Einkaufsfläche, dafür mehr Nutzungsvielfalt sind gefragt. Mit dem Rückbau von 11'000 Kubikmetern an Gesamtvolumen trägt das Bauprojekt an der Marktgasse dieser Entwicklung Rechnung. Die restliche Fläche wird den veränderten Bedürfnissen entsprechend neu geordnet.

Während das Erdgeschoss mit den Höfen und dem neuen Gastroangebot zum Verweilen einlädt, wird sich der rund 3500 Quadratmeter grosse Migros-Supermarkt neu im Untergeschoss befinden. In den Obergeschossen sind Wohnungen sowie weitere Verkaufs-, Gastronomie- und Dienstleistungsflächen für unterschiedliche Anbieter angedacht. Vorgesehen ist auch ein Gastrobereich, der unabhängig von Ladenöffnungszeiten geöffnet sein wird.

Die künftige Zusammensetzung der Mieter wird nun neu definiert. Denner werde sicher bleiben, sagt Migros-Aare-Chef Anton Gäumann. Wohl auch der durch den Onlinehandel besonders unter Druck geratene Elek­tronikfachmarkt M-Electronics, «wenn auch nicht mehr auf der heutigen Fläche», so Gäumann. Absolute Priorität setze die Migros künftig auf den Supermarkt.

Sportlicher Zeitplan

Das Grossprojekt hat einen stolzen Preis: «Wir gehen momentan von Kosten in Höhe von rund 75 Millionen Franken aus», sagt Gäumann. Mitte 2019 will die ­Migros das Baugesuch einreichen, bereits bis Ende 2018 soll dem Gemeinderat die notwendige Anpassung der Überbauungsordnung zur Genehmigung vorgelegt werden. Im ersten Quartal 2020 möchte der Grossverteiler dann mit den Umbauarbeiten beginnen, um die neue Filiale an der Marktgasse 2023 eröffnen zu können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.02.2018, 11:15 Uhr

Markthalle

­Die Markthalle ist das andere Grossprojekt, an der die Migros Aare derzeit arbeitet. Da es sich um ein Gastronomieangebot handelt, liegt das Baugesuch derzeit zum Entscheid bei Regierungsstatthalter Christoph Lerch. Bei der Migros Aare hofft man bis Ende März auf einen Entscheid. Ist die Baubewilligung rechtskräftig, wird die Migros Aare mit der Immobilienbesitzerin, der Markthalle ­Cityhof Bern AG, den Mietvertrag abschliessen. Danach folgen der Auszug des Elektronikhändlers Media-Markt und die Umbauarbeiten.

Bereits jetzt läuft dazu die ­Suche nach Gastrounternehmen als Untermieter. «Die Nach­frage ist erfreulich gross», sagt Migros-Aare-Chef Anton Gäumann. Er hat Hans Traffelet, bekannt als Mister Gurtenpark, mit den ­Verhandlungen mit den Gastrounternehmen beauftragt. sny

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