Initianten fordern eine Denkpause

Kirchlindach

Der Schulhausneubau in Herrenschwanden könnte sich verzögern. Eine Initiative ­fordert einen Marschhalt und stellt die brisante Frage: Braucht es überhaupt zwei Schulstandorte?

Das Schulhaus Herrenschwanden soll durch einen Neubau ersetzt werden. Jetzt wird aber die ganze Schulraumplanung hinterfragt.

Das Schulhaus Herrenschwanden soll durch einen Neubau ersetzt werden. Jetzt wird aber die ganze Schulraumplanung hinterfragt.

(Bild: Urs Baumann)

Hans Ulrich Schaad

Die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Herrenschwanden ist eine lange Geschichte mit mehreren Wendungen. Seit fünf Jahren läuft die Planung, aktuell wird die dritte Variante bearbeitet (siehe Kasten). Aber auch der Neubau und der Abriss des Schulhauses können nicht alle überzeugen. Es hat sich ein Initiativkomitee Pro Schule gebildet, das sich «für Schulstandorte am ­richtigen Ort mit tragbaren Finanzen» einsetzt. Das überparteiliche Komitee fordert einen Zwischenhalt bei der Schulraumplanung, die beiden Standorte müssten hinterfragt werden, zumal auch in Kirchlindach eine grössere Sanierung des Schulhauses anstehe.

Die letzte Möglichkeit

Die drei Unterzeichnenden der Initiative, Fernand Aebersold, Hans Rüedi und Peter Rub, sind sich bewusst, dass sie ein heisses Thema aufgreifen. «Es wurde viel über die Schule geredet, aber niemand wagt, sich zu exponieren», sagt Aebersold. Und er betont gleich, dass die Initianten keinerlei Eigeninteressen verfolgen. Es gehe auch nicht darum, Personen oder Andersdenkende anzugreifen, um Schuldzuweisungen oder darum, die Schulen gegeneinander auszuspielen. Vielmehr biete sich die letzte Möglichkeit mitzudenken, nachdem diese Prozesse in der Vergangenheit durch ständig wechselnde Ausschüsse, eine nicht mehr vorhandene Projektleitung bearbeitet worden seien und neu durch einen aussenstehenden Gesamtdienstleister.

Die Initiative hat neben der Standortfrage einen finanziellen Hintergrund. Für die Gemeinde stehen in den nächsten Jahren Investitionen von über 30 Millionen Franken an. «Können wir uns zwei voll ausgebaute Schulstandorte leisten?», fragt Peter Rub. «Braucht es sie aufgrund der Schülerzahlen überhaupt?» Rub und Aebersold erwähnen den erst kürzlich für 1,7 Millionen Franken gebauten Doppelkindergarten in Herrenschwanden, in dem nun nur noch eine Klasse unterrichtet wird. Eine – möglicherweise günstigere – Option wäre etwa, die Schulen in einen Haupt- und einen Zweitstandort aufzuteilen oder an einem Ort zu konzentrieren.

Ein gutes Bildungsangebot sei wichtig für eine attraktive Gemeinde, schreiben die Initianten in ihrem Begleitbrief an die Bevölkerung. Aber ebenso bedeutsam seien gesunde Finanzen und ein konkurrenzfähiger Steuersatz. Es mache keinen Sinn, jetzt die Faust im Sack zu machen und später das Projekt mit einem Rückweisungsantrag zu bodigen oder noch später einmal festzustellen: «Me hät haut söue.»

Standorte nie bestritten

Der Gemeinderat fahre mit der Planung trotz der Initiative fort, sagt Gemeindepräsident Werner Walther (parteilos). Es gehe noch darum, das Siegerprojekt der Implenia zu finalisieren, es habe die Jury überzeugt. Dabei geht es etwa um das Heizsystem oder die Ausstattung des neuen Sportplatzes. Zudem muss noch die Zone für öffentliche Nutzung angepasst werden.

Man dürfe einen politischen Prozess immer hinterfragen, sagt Walther. Er bedauert aber, dass die Initianten die Fragen nicht früher aufgeworfen haben. Er verweist auf die Zukunftskonferenz, die sich auf den Grundsatz von zwei Schulstandorten geeinigt habe. «Davon sind wir nie abgewichen.» Auch seien entsprechende Anträge bei zwei ­Planungskrediten anlässlich von ­Gemeindeversammlungen ausgeblieben.

Für beide Standorte habe es auch in Zukunft genügend Kinder. Bei einem Standort müssten bis zu hundert Kinder herumchauffiert werden, was prinzipiell machbar sei. Zum Kindergarten Herrenschwanden sagt der Gemeindepräsident, dass zwar eine Klasse geschlossen worden sei. Allerdings hätten die Schülerzahlen in den letzten Jahren zur Eröffnung von zwei zusätzlichen Schulklassen in Herrenschwanden geführt. Die räumlichen Bedingungen seien nach wie vor ungenügend.

Werner Walther sieht das Hauptargument der Initianten bei den Finanzen. Der aktuelle Steuersatz von 1,5 Einheiten werde wohl für die anstehenden Investitionen nicht reichen. Auch wenn durch das neue Rechnungslegungsmodell die Spitzen bei den Abschreibungen gebrochen werden.

Neubau als Gegenvorschlag

Die Initianten haben bis Ende Januar 2018 Zeit, die knapp 250 Unterschriften einzureichen. Falls die Initiative zustande kommt, wird die Gemeindeversammlung voraussichtlich im nächsten Juni darüber befinden. Der Gemeinderat werde vermutlich an der gleichen Versammlung den Projektkredit für den Neubau Herrenschwanden vorlegen, sagt Werner Walther, quasi als Gegenvorschlag zur Initiative.

Berner Zeitung

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