In Zürich ist die Situation entspannter als in Bern

In Bern gibt es die Randständigen-Szene am Bahnhof seit vielen Jahren. Wie sieht das in anderen Schweizer Städten aus?

In Zürich kennt man das Phänomen weniger.<p class='credit'>(Bild: Marc Imboden)</p>

In Zürich kennt man das Phänomen weniger.

(Bild: Marc Imboden)

Dass Randständige auf öffent­lichen Plätzen bei einem Teil der Bevölkerung für Unmut sorgen, ist natürlich kein Berner Phänomen. Andere Städte wie Basel und Luzern kennen ebenfalls solche Hotspots. Und auch die dortigen Stadtregierungen stützen sich auf den Standpunkt, dass dies zum gesellschaftlichen Treiben einer Grossstadt dazugehöre. «Randständige sind ein Teil des urbanen Lebens, auch in einer Postkartenstadt», meint etwa Maurice Illi, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern.

In Basel hatte die SVP vor zwei Jahren die Regierung dazu aufgefordert, etwas gegen die in ihren Augen unhaltbare Situation auf dem Bahnhofvorplatz zu unternehmen. Der Vorplatz mit der Gruppe Randständigen sei zu einem «dreckigen Unort» verkommen, der für Touristen abschreckend wirke. Also eine Situation jener in Bern nicht unähnlich. In ihrer Antwort stellte die Basler Regierung unmissverständlich fest, dass sie keinesfalls Randständige von einem Platz wegweisen würde, der allen ­offenstehe. Auch gehöre es nicht zu den Aufgaben der Polizei, Personen, die sich an Gesetze halten würden, «aus optischen Gründen oder zur Aufwertung mit touristischem Hintergrund» zu vertreiben.

In Zürich und Luzern präsentiert sich die Situation rund um den Bahnhof weitaus entspannter als in Bern. In ­Luzern trifft sich die Alkiszene bei den Bus­stationen beim Hauptbahnhof. Da es sich um eine überschaubare Gruppe handle, gebe es wenig Beschwerden. «Die Reklamationen pro Jahr kann man an einer Hand abzählen», sagt Maurice ­Illi.

«In der Form wie in Bern existieren in der Stadt Zürich keine massierten Ansammlungen um die Bahnhöfe», schreibt die als Konfliktvermittlerin im öffentlichen Raum tätige Sip Züri. Es ist dies ein ähnliches städtisches Angebot wie jenes von Pinto in Bern. Im Vergleich mit dem Bahnhof Zürich fällt auf, dass der eher kleine Berner Hauptbahnhof mit seinen wenigen Ausgängen Brennpunkte wie im Nadelöhr zwischen Tibits und Sprüngli begünstigen. Beim grösseren und offeneren Zürcher Hauptbahnhof findet sich nirgends eine solche Ecke.

Aufs ganze Zürcher Stadt­gebiet verteilt gebe es zwar vereinzelt Orte, an denen sich auch Randständige aufhalten, so ­Bruder, von einer eigentlichen Szenebildung könne man ­je­doch nicht reden.

Die Bushaltestelle Militär-/ Langstrasse war in Zürich beispielsweise bekannt als Treffpunkt für Randständige, was Anwohnern sauer aufstiess. Da eine Wegweisung nicht infrage kam, griffen die Verkehrsbetriebe Zürich vor zwei Jahren auf eine bewährte ­Taktik zurück. Sie entfernten kurzerhand die Sitzbank, um dem Ort die Attraktivität zum Verweilen zu nehmen. Es ist ein Vorgehen, das in der Vergangenheit auch an verschiedenen Orten in Bern angewandt wurde. So etwa beim Bahnhofaufgang Neuengasse, wo sich bevorzugt Randständige aufhielten.

mib

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt