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In Ferenbalm sorgt der Biber für Biodiversität

Bei Ferenbalm wird aus einer ehemals intensiv bewirtschafteten Ackerfläche wieder ein abwechslungsreiches Feuchtgebiet entstehen. Dabei hilft der Biber.

Neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Mühlematt heute ...
Neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Mühlematt heute ...
zvg
... und wie sie künftig aussehen wird (Visualisierung). Die Aufwertung des Gebiets an der Bibera soll 1,7 Millionen Franken kosten.
... und wie sie künftig aussehen wird (Visualisierung). Die Aufwertung des Gebiets an der Bibera soll 1,7 Millionen Franken kosten.
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In der Biberaue sollen sich neben dem Biber auch Fische, Frösche oder Insekten ansiedeln.
In der Biberaue sollen sich neben dem Biber auch Fische, Frösche oder Insekten ansiedeln.
Peter Lakerveld (Pro Natura)
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Wie so vieles in unseren gut reglementierten Zeiten brauchte auch das Projekt Biberaue einen langen Anlauf: Erstmals gesichtet wurden Biberspuren in der Mühlematt in Ferenbalm im Jahr 2006. Drei Jahre später stauten dann Biber den Mühlebach derart, dass ein Maisfeld überflutet wurde. Das rief Peter Lakerveld von Pro Natura mit der Idee auf den Plan, die Mühlematt in ein Feuchtgebiet zu verwandeln, in dem sich der Biber frei sollte entfalten können.

Es begannen Verhandlungen mit dem Landbesitzer, der Gemeinde Ferenbalm, den Kantonen Bern und Freiburg und dem Bund. Und am Dienstag, nach neun Jahren intensiver Arbeit, konnte Projektleiter Lakerveld zusammen mit anderen Mitverantwortlichen zur Einweihung laden. Die Bagger sind weg, die bereitgestellten 1,7 Millionen Franken ausgegeben. «Baumeister Biber kann übernehmen», heisst es in der Mitteilung von Pro Natura.

Erwartet wird von Bibers – es soll sich um eine Familie von sechs bis acht Tieren handeln –, dass sie die vom Bagger gegrabenen Kanäle und die von Menschenhand gepflanzten Weiden in Besitz nehmen, Dämme bauen und die Landschaft so gestalten, dass viele andere Arten heimisch werden können. «Gelbbauchunken, Grasfrösche, Teichrohrsänger und Prachtlibellen» sind es, auf deren baldige Präsenz Lakerveld hofft.

Loblied auf den Biber

Es war ein grosses Loblied auf den Biber, das am Dienstag in der Mühlematt vielstimmig gesungen wurde. «Dank gebührt allen, die das Projekt Biberaue ermöglicht haben», sagte Verena Wagner, die Präsidentin von Pro Natura Bern, «aber der grösste Dank muss für den Biber reserviert sein, der das alles in Gang gesetzt hat.» «Landschaftsarchitekt Biber» werde das Kulturland in ein «vielfältiges und dynamisches Feuchtgebiet verwandeln», erklärte Oliver Hartmann vom bernischen Amt für Landwirtschaft und Natur.

Laut Urs Leugger, dem Zentralsekretär von Pro Natura, ist der Biber der «planende Ingenieur». Überall, wo der Biber aktiv werden könne, nehme die Biodiversität zu – und das Nagetier selber vermehrt sich offenbar rasant: Zur Jahrhundertwende habe es in der Schweiz erst 150 bis 200 Biber gegeben, jetzt seien es 3000. «Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte.»

Bedenken, dass es in der Mühlematt bald zu viele Biber geben könnte, wurden zerstreut: «Biber verteidigen ihr Revier gegen Eindringlinge», sagte Lakerveld, und sobald die Jungen ein gewisses Alter hätten, würden sie fortgejagt. Denkbar – und aus Sicht von Pro Natura durchaus erwünscht – ist aber natürlich, dass sich diese Vertriebenen andere Bereiche in der Umgebung erobern werden.

Feuchtgebiet von 3 Hektaren

3 Hektaren gross ist das Feuchtgebiet, das die Umweltorganisation Pro Natura 2012 erwerben konnte und das jetzt der Biberfamlie und den hoffentlich vielen anderen Lebewesen zur Verfügung steht. Die Bibere, in Ferenbalm Grenzfluss zwischen den Kantonen Bern und Freiburg, wurde in der Mühlematt so mit Treppen und Totholzstrukturen versehen, dass künftig Bachforellen und Groppen wieder bachaufwärts wandern können. Zu viele Freiheiten können sich die Fische aber nicht erlauben – die beiden künstlich erstellten Stillgewässer dienen Fröschen, sollten darin Fische auftauchen, werden die Teiche entleert.

Ebenfalls nur mit Einschränkungen erwünscht ist in der Biberaue Ferenbalm der Mensch. Laut Projektleiter Lakerveld geht es um eine sinnvolle Besucherlenkung. «Die Mühlematt soll offen sein für Menschen, aber wir wollen keinen Rummelplatz, keine Grillstelle.» Ein Werkzeug zur Lenkung sei die Pflanzung von Schwarzdorn, damit könne der Zugang zu heiklen Stellen erschwert werden. Wie gut sich die Gattung Mensch samt seinen Begleitern Pferd und Hund von der Mühlematt fernhalten lässt, ist allerdings noch eine offene Frage. In den neu konstruierten Treppenstufen der Bibere wurden bereits Badende gesichtet.

Der Biber in Ferenbalm:

Beitrag «Schweiz aktuell» vom 16.11.2017. Quelle: SRF

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