In der Luft und auf dem Boden

Hans Ulrich Schaad ­berichtet vom Bergsommer. Diesmal freundet er sich mit den tierischen Bewohnern auf der Alp an.

Auf der Alp Obriste Morgeten hat es nicht nur Haus- und Nutztiere. An den Hängen, auf den Bergen und in der Luft gibt es zahlreiche Wildtiere. Nicht einmal 100 Meter von der Alphütte entfernt befindet sich ein Hang, wo tagsüber bis zu sieben Murmeltiere zu sehen sind.

Sie lassen sich auch nicht durch Wanderer auf dem nahen Weg ablenken. Ab und zu ist das Pfeifen zu hören, mit dem sich die Murmeltiere vor einer Gefahr warnen, etwa wenn ein Hund in der Nähe ist. Ihre Bauten können für Kühe oder Ziegen gefährlich sein. Brechen jene in einen Hohlraum ein, droht ein Beinbruch.

An einem meiner ersten Tage hier oben dachte ich, jemand habe eine Drohne auf den Berg mitgenommen. Es war aber ein Vogel, der an Ort flatterte. Diese Woche klärte mich ein Kunde des Kiosks auf dem Morgetenpass auf, dass es sich um einen Bergfalken handelt, ein eher seltener Vogel.

Typisch sei das in der Sonne hell glänzende Federkleid. In der Folge beobachtete ich den Bergfalken mit dem Feldstecher, und sah einmal einen veritablen Luftkampf zwischen zwei Falken und mehreren Dohlen. Die Dohlen ihrerseits versammeln sich immer wieder in einer Schar von über hundert Vögeln und lassen sich ohne Aufwand rasch in die Höhe tragen, wenn sich an einer Stelle ein Aufwindschlauch gebildet hat.

Auf dem Gemsgrat und rund um den Gantrisch weiden Gämsen. Da ich noch nicht dort oben war, muss ich mit einer einzigen, mit dem Feldstecher beobachteten Gämse begnügen. Überrascht war ich an einem Abend, als ich auf dem Weg zur Unterkunft fast einen Grasfrosch zertreten habe.

Vom Fuchs hat bereits Kollegin Laura Fehlmann geschrieben. Er hatte sich vor drei Wochen ein Huhn geholt. Am Donnerstagmorgen schlich er wieder in der Nähe der Hütte herum.

Vertauschte Rollen, Haustier frisst Wildtier, gibt es bei Siegenthalers Katzen. Sie bringen regelmässig Vögel und Mäuse als Beute nach Hause. Adler oder Bartgeier haben ich noch keine beobachtet, sie sollen jedoch regelmässig am Himmel kreisen.

Obwohl Wolf und Fuchs in der Region Gantrisch unterwegs sind, hat die Familie Siegenthaler mit dem Wolf noch keine unliebsamen Erfahrungen gemacht. «Zum Glück», sagt Hansueli Siegen­thaler, «aber das kann schon morgen anders sein.»

Berner Zeitung

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