Die Berner Prominenz hetzt von Apéro zu Apéro

Von Apéro zu Apéro geht es für die Berner Prominenz am Zibelemärit. Lange Reden müssen sie dabei nicht über sich ergehen lassen.

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Markus Ehinger@ehiBE

7 Uhr am Zibelemärit: Rund 350 Leute treffen sich im Hotel Schweizerhof Bern zur Verleihung des Bäredräck-Preises. 10.30 Uhr im Berner Rathaus: Fast ebenso viele geladene Gäste – zum Teil die gleichen wie schon am frühen Morgen – finden sich ein zum Apéro der Stadtschützen respektive der Gilde der Zibelegringe.

11.30 Uhr, Hotel Bellevue: Die Berner Prominenz, rund 900 an der Zahl, strömt ins Fünfsternehaus zum Apéro der Mobiliar-Versicherung. Auch hier sind viele Gesichter, die man schon bei den vorherigen Anlässen getroffen hat. Ja, auch in diesem Jahr «hetzen» die Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Sport, Wirtschaft und Gesellschaft von Häppchen zu Häppchen und von Smalltalk zu Smalltalk. Und alle Anlässe haben eines gemeinsam: Es werden Reden geschwungen. Was dabei auffällt: In der Kürze liegt die Würze – oder passend zum Anlass: In der Kürze liegt die Zwiebel.

Bäredräck für RGS-Jungs

Zurück zum Start: Im Hotel Schweizerhof Bern läuten die Promis den «Zibeler» gebührend mit einem «Zmorge riche» ein. Auf dem Podium begrüssen kurz und knapp Hotel-Direktorin Iris Flückiger und PR-Mann Lorenz Furrer als Vertreter des Bärentrusts die Gäste. Seit mehr als 30 Jahren werden Menschen mit dem «Gagu» geehrt, die der Stadt Bern mit ihrem Engagement das Gefühl von Lebendigkeit, Farbe und Humor vermitteln.

In diesem Jahr fällt diese Ehre den Machern von Radio Gelb-Schwarz zu. Brian Ruchti und Simon Klopfenstein haben das Fan-Radio vor bald zehn Jahren gegründet. Letzterer ist heute nicht mehr beim Radio, sondern beim Newsportal nau.ch in führender Position tätig. Dafür sind weitere Radiomenschen hinzugekommen. Diese würdigt Schriftsteller und YB-Fan Pedro Lenz als Laudator in einer launigen Rede.

Bestes Fussball-Radio der Schweiz

«Mir wüssen au zäme, dass Fuessbau numen es Spüu isch», sagt Lenz am Anfang seiner Laudatio in seiner ihm unnachahmlichen Art. Und weiter: «Mir wüssen ou au zäme, dass mer der Fuessbau nid au zu ärnscht sötte nä. Mir wüssen ou au zäme, dass der Fuessbau nid so wichtig isch, und dass Fuessbau ke Wüsseschaft isch. Zum Glück gits aber Mönsche, wo das aues nid wüsse oder nid wei wüsse. Es git sogar Lüt wo gloube, der Fuessbau sig bedütend gnueg, für dass me ne zum eigete Läbesinhaut cha mache.»

Zum Glück gebe es Menschen wie Brian Ruchti und Simon Klopfenstein, die als junge Studenten der Meinung gewesen waren, «es bruuchi z Bärn dringend es Internet-Radio wo gäng wieder live über d YB-Mätsche brichtet und wo di Live-Reportage i di ganzi Wäut usesändet.» Kein einziger Schweizer Fussballclub habe heute ein eigenes Radio, das inhaltlich und stilistisch auch nur in die Nähe von Radio Gelb-Schwarz komme. Die Macher des YB-Radios seien deshalb würdige Bäredräck-Preisträger – drum «Young Boys for ever. Radio Gäub-Schwarz for ever!», sagt Lenz.

Thomas Stocker ist Oberzibelegring

Humor beweist ein paar Stunden später auch Regierungspräsident Christoph Neuhaus (SVP) in seiner Rede bei den Stadtschützen im Rathaus. Wenige Stunden bevor der weltbekannte Klimaforscher Thomas F. Stocker im Kursaal durch die Gilde der Zibelegringe zum Oberzibelegring 2018 gekürt wurde, spekuliert Neuhaus, wer denn in diesem Jahr geehrt werden könnte. «Es könnte ja eine Frau sein. Ich glaube, das wäre neu. Und langsam ‹nache›, eine Chance also.»

Ausgerechnet also ein SVP-Mann, der sich für die Frauen einsetzt. Das erstaunt die anwesenden Gäste – gefühlt sind dies 95 Prozent Männer. Und ja, mit Stocker wurde wie in den vergangenen Jahren eben wieder ein Mann geehrt. «Mit seiner Arbeit hat er weltweit das Klima und dessen Veränderungen ins menschliche Bewusstsein befördert und damit die Universität Bern in diesem Bereich zu einem weltführenden Institut etabliert», heisst es in der Begründung der Gilde.

Damit kann auch der Regierungspräsident leben. Er lädt nun Stocker zu einem Mittag- oder Abendessen ein. Dieser Einladung dürfte Stocker Folge leisten. Immerhin freut er sich sehr über die Auszeichnung. «Wenn man als Stadtzürcher mit Zürcher Dialekt in die Stadtberner Tradition und dieses Brauchtum eintauchen darf, ist das etwas Grossartiges», sagt er. Die Ernennung zum Oberzibelegring bedeute, dass man in Bern angekommen sei – «auch wenn ich eigentlich schon seit 25 Jahren in Bern lebe».

Kurze Begrüssung im Bellevue Palace

Den krönenden Abschluss des Stelldicheins für die Berner Prominenz bildet jeweils das Apéro riche im Hotel Bellevue Palace. Nirgends gibt es kürzere Reden als dort. Vielmehr soll den rund 900 Gästen genug Zeit eingeräumt werden für Networking und Smalltalk. «Es ist eine Tradition, dass es bei uns eben gerade keine Reden gibt», sagt Bellevue-Direktor Urs Bührer.

Und sein Co-Gastgeber, Markus Hongler, CEO der Mobiliar, sagt in seinen Begrüssungsworten ganz unbescheiden: «Das ist unsere Art, wie wir unseren Kundinnen und Kunden danke sagen. Im besten Hotel auf Einladung der besten Versicherung zwischen Nordkapp und Sizilien.»

Berner Zeitung

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