«In der Krise hatte Valiant auch Glück»

Valiant steckte in einer existenziellen Krise, als Markus Gygax 2013 Chef wurde. Am Donnerstag will er bei der wieder erfolgreichen Bank in den Verwaltungsrat wechseln. Sechs Erkenntnisse aus den sechs Jahren.

Auf dem Weg in den Verwaltungsrat: Markus Gygax.

Auf dem Weg in den Verwaltungsrat: Markus Gygax.

(Bild: Adrian Moser)

Julian Witschi

Die Umzugskisten hat er gepackt. Markus Gygax ist bereit, das Chefbüro bei der Valiant-Bank vis-à-vis dem Bundeshaus zu räumen. Am Donnerstag will er an der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt werden. Im Gespräch mit dieser Zeitung schaut der 57-Jährige auf die Zeit als Chef der Bank zurück.

1. Mitarbeiter überzeugen war entscheidend

Nach einer rasanten Wachstumsstrategie des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Kurt Streit steckte Valiant 2012 in einer Krise. Der Gewinn war klein, das Kapitalpolster dünn und eine Rüge der Finanzmarktaufsicht wegen Marktmanipulationen zerstörte den Ruf bei den Kunden. Auch eine Mitarbeiterumfrage brachte miserable Werte. «Es war eine kritische Phase», sagt Gygax. Jürg Bucher übernahm damals das Verwaltungsratspräsidium. Der frühere Post-Chef holte Gygax 2013 von der Waadtländer Kantonalbank zur Valiant. Die beiden hatten schon zusammen bei der Postfinance gearbeitet. Dort durften sie zwar nicht selbstständig Kredite vergeben, weil dies für das Finanzinstitut der Post verboten ist. «Aber wir hatten ein klares Bild, was eine Retailbank idealerweise machen und wie sie aussehen würde.»

Sie hätten daher nicht lange diskutieren müssen, wie sich Valiant ausrichten solle, sagt Gygax: «Wir haben schnell und klar definiert, Valiant ist eine Bank für Privatkunden und KMU.» Das hätten sie seither nicht geändert und mit dieser Stabilität Vertrauen von Kunden und Mitarbeitenden gewonnen. «Der Schlüssel war, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu überzeugen, dass wir als Retail- und KMU-Bank grosse Stärken haben.»

2. Zum Glück gab es keine Immobilienkrise

Er habe auch etwas Glück gehabt, räumt Gygax ein. «Wenn damals noch eine Immobilienkrise in der Schweiz ausgebrochen wäre, so wie das einige befürchteten, dann wäre es wohl sehr schwierig geworden», sagt er. Stattdessen konnte auch Valiant vom starken Wachstum der Hypothekarkredite profitieren.

Solange die Wirtschaft wächst und mehr Leute einwandern als auswandern, so lange ist laut Gygax eine Immobilienkrise unwahrscheinlich. Und Valiant sei bei der Hypothekenvergabe sowieso vorsichtig. Das behauptet zwar jede Bank. Aber Valiant wuchs tatsächlich nicht schneller als der Markt, sondern etwa im Branchenschnitt von 2,5 Prozent pro Jahr. Valiant sieht sich auch nicht als Preisbrecher: «Wir sind nie die günstigsten.»

3. Die Rentabilität ist besser, aber nicht gut genug

Zentrale Aufgabe von Gygax war es, den Gewinn stark zu steigern. Dann verhängte die Nationalbank 2015 Negativzinsen, was die Margen der Banken im Zinsgeschäft stark unter Druck setzte. «Wir mussten uns vom Ziel verabschieden, bis 2017 einen Gewinn von 150 Millionen Franken zu erzielen», sagt Gygax.

Die Einnahmen stiegen, indem Gygax das Geschäft vor allem in der Romandie mit neuen Filialen und mit der Übernahme der Luzerner Bank Triba ausweitete. Den Personalbestand in den zentralen Funktionen beliess er aber stabil. Gygax glaubt, die Bank könne die Bilanzsumme von heute gut 27 Milliarden Franken ausbauen auf über 40 Milliarden, ohne mehr Mitarbeitende in Bereichen wie IT, Compliance oder Finanzen einstellen zu müssen. Neu hat die Bank den gesamten Prozess zur Kreditvergabe digitalisiert und beschleunigt. Mehr Effizienz sei weiterhin nötig, denn: «Die Rentabilität von Valiant ist zwar besser geworden, aber noch nicht befriedigend.»

4. Trotz der Digitalisierung bleiben Filialen wichtig

Valiant ist gewachsen, der Personalbestand verharrte aber bei knapp 900 Vollzeitstellen. Abgebaut hat Gygax die Zahl der Mitarbeiter an den Schaltern. Dafür stellte Valiant als eine der ersten Banken in den kleineren Filialen Bildschirme auf, um die Kunden per Videoverbindung zu empfangen. Die betroffenen Mitarbeiter konnten sich entweder zu Beratern weiterbilden, denn die Beratung erfolgt weiterhin vor Ort. Oder sie konnten ins Kundencenter wechseln. Für die Videoberatung wurde nebst Gümligen in Biel ein Zentrum aufgebaut.

Während andere Banken das Filialnetz massiv verkleinern, setzt Gygax auf die Präsenz in den Regionen. Die Filiale müsse sich an die gewandelten Bedürfnisse anpassen. «Aber wir werden nicht zur Automatenbank. Wir haben immer Kundenberatende vor Ort», sagt Gygax. Sehr wichtig sei für Valiant, dass die Mitarbeiter in den Filialen lokal gut vernetzt sind, also dort wohnen und in Vereinen aktiv sind. Die Digitalisierung birgt auch Risiken für die Banken durch neue Anbieter. Valiant müsse im Mobilebanking, bei Bankgeschäften via Mobiltelefon, einen grossen Schritt vorwärts machen. Und viel Potenzial besteht im Vermögensberatungsgeschäft.

5. Die Expansion geht weiter, wohl bald auch nach Zürich

Valiant wird dieses Jahr in die Ostschweiz vorstossen und Filialen in St. Gallen und Wil sowie in Rheinfelden AG eröffnen. 2020 soll Frauenfeld folgen. Die Mitarbeiterzahl werde deshalb gesamthaft steigen, kündigt Gygax an. Zürich sei dann die nächste Region, wo Valiant eine Expansion prüfen werde. Nicht mitten in der Stadt Zürich, sondern im Umland. Als Regionalbank könne Valiant hier ihre Stärken ausspielen. Gygax möchte auch weitere Banken übernehmen. Aber es gebe kaum Möglichkeiten.

6. Bern ist für Valiant die richtige Heimat

Trotz der Expansion bleibt der Standort Bern für Valiant zentral. «Das wird sich nicht ändern», sagt Gygax, auch wenn er das Nein im letzten November zu tieferen Unternehmenssteuern im Kanton bedauere. Den Holdingsitz hat die Bank nach der Fusion mit der Luzerner Regiobank im Jahr 2002 bereits nach Luzern verlegt. Weitere Aktivitäten von Bern abzuziehen, das stehe nicht zur Diskussion. Die Berner Mentalität passe gut zu Valiant und sei von Vorteil: bodenständig, einfach, direkt und zuverlässig. Die Mitarbeiter seien loyal. «Wenn Valiant in Zürich ansässig wäre, hätte ich den Posten nicht übernommen», sagt Gygax, der im Zürcher Oberland aufgewachsen ist.

«Wenn Valiant in Zürich ansässig wäre, hätte ich den Chefposten nicht übernommen.»Markus Gygax

Keine neue Erkenntnis ist, dass Bankchefs sehr viel verdienen. Gygax erhielt 2018 rund 1,24 Millionen Franken. Neuer Chef wird nun der bisherige Finanzchef Ewald Burgener. Markus Gygax soll nach einem Jahr im Verwaltungsrat den Präsidenten Jürg Bucher ablösen.

Berner Zeitung

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