In der Agglomeration Bern wurden zu wenig Mietwohnungen gebaut

Bern

Seit 2011 wird der Wohnraum knapper. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Bundes. Ausländer drängen in den Mietmarkt, Schweizer weichen auf Eigentum aus. In der Agglomeration Bern wurden zu wenig Mietwohnungen gebaut.

Je dunkler das Rot, umso angespannter ist die Lage. In diesen Gebieten ist das Angebot von Wohnungen im Vergleich zur Nachfrage knapp.

Je dunkler das Rot, umso angespannter ist die Lage. In diesen Gebieten ist das Angebot von Wohnungen im Vergleich zur Nachfrage knapp.

(Bild: zvg)

Sandra Rutschi

In der Agglomeration Bern entstehen weniger neue Haushalte als im schweizerischen Durchschnitt. Das zeigt eine Studie von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen. Während die Haushalte in der Gesamtschweiz seit 2005 um 7 Prozent zugenommen haben, sind es im Mittelland – dazu gehören auch die Kantone Bern und Freiburg – nur 4,3 Prozent.

Der Wohnungsmarkt präsentiere sich insgesamt etwas weniger angespannt als noch 2005, halten die Studienautoren fest. Ein Grund liegt gemäss der Studie darin, dass das Angebotswachstum insbesondere beim Wohneigentum mit der Nachfrage mehr als Schritt hielt. Und auch im Mietwohnungsbereich liegt das Angebotswachstum nicht weit hinter der Nachfrage.

Seit 2011 wird der Wohnraum wieder knapper

Ein Blick auf die Detailzahlen in der Studie zeigt: Der Markt hat sich zwar im Vergleich zum Jahr 2005 entspannt. Seit 2011 wird der Wohnraum aber wieder knapper. Zudem hängt es auch im Mittelland stark von den einzelnen Gebieten ab, wie sich der Wohnungsmarkt präsentiert: In der unmittelbaren Agglomeration der Stadt Bern etwa ist der Wohnraum knapper als im schweizerischen Mittel. Besonders das Aaretal, die Region Thun und das östliche Oberland sind gemäss Studie von der Wohnungsnot betroffen, sogar stärker als die Agglomeration Bern.

Lediglich in den übrigen Agglomerationsgebieten des Mittellandes ist die Wohnungsnot weniger prekär als im Schweizer Durchschnitt. Entspannt zeigt sich die Lage zum Beispiel rund um Biel.

Schweizer kaufen Eigentum, Ausländer mieten

In der Studie wird unter anderem untersucht, wie sich die Personenfreizügigkeit auf den Wohnungsmarkt auswirkt. Seit 2005 hat die Anzahl ausländischer Haushalte in der Schweiz zugenommen.

Während ausländische Haushalte mit mittlerem Einkommen (4000 bis 7000 Franken pro Monat) in den Markt für Mietwohnungen drängen, weichen immer mehr Schweizer auf Wohneigentum aus. Im Mittelland hat sich der Markt für Eigentum mehr verschärft als jener für Mietwohnungen. Besonders betroffen ist in beiden Bereichen die Region Thun.

In der Agglomeration Bern entstand zu wenig Mietraum

Bei den Mietwohnungen hat die Anzahl Schweizer Haushalte in der Agglomeration Bern zu-, die Anzahl ausländischer Haushalte abgenommen. Hier verknappte sich der Wohnraum, weil zu wenig Mietwohnungen gebaut wurden. Bei den übrigen Agglomerationsgebieten im Mittelland ist es umgekehrt: Die ausländischen Miethaushalte nehmen zu, die Schweizer Miethaushalte ab. Auf dem Land beziehen sowohl mehr Ausländer als auch mehr Schweizer Mietwohnungen.

Im Eigentumsmarkt ist das Angebot im Vergleich zur Nachfrage noch knapper als im Mietmarkt. Die Situation ist an den Rändern des Mittellandes ausgeglichen, während das Angebot in der Agglomeration Bern weiterhin relativ knapp bleibt. Mangel an Eigentumswohnungen herrscht zudem auf den Achsen Oberaargau bis Thun und Neuenburg bis Berner Oberland. Die Anspannung macht sich dort auch in höheren Preisen für Eigentum bemerkbar. Doch auch der untere Schweizer Mittelstand mit einem Einkommen von bis zu 4000 Franken im Monat will vermehrt in den eigenen vier Wänden leben. Es gibt aber zu wenig Angebote, die für diese Einkommensklasse erschwinglich sind.

Den Druck vom Genfersee spürt vor allem der Mietmarkt

Obwohl sich viele Leute Eigentum oder teurere Mietwohnungen nicht leisten können: Die Preisentwicklung für Wohnraum im Mittelland liegt sowohl in den Agglomerationen als auch in ländlichen Gebieten unterhalb des schweizerischen Durchschnitts. Gebiete mit sehr starken Preissteigerungen gibt es keine.

Mit am stärksten stiegen die Preise im westlichen und südlichen Teil des Kantons Freiburg. Gemäss der Studie dehnt sich der Wachstumsdruck aus dem Gebiet des Genfersees immer stärker auf den Französisch sprechenden Teil des Kantons Freiburg aus.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt