In den Büros wird jetzt gebacken

Schüpfen

Von der grossen Mühle Affolter blieb ein kleines und feines Geschäft: Nebst dem Mehlladen betreiben die ehemalige Mühle-Inhaberin und eine Freundin in Bundkofen ab heute ein Backatelier.

Beim Backen: Cornelia Wüthrich (links) und Franziska Scheidegger.

Beim Backen: Cornelia Wüthrich (links) und Franziska Scheidegger.

(Bild: Beat Mathys)

Simone Lippuner

Wenn es am frühen Montagmorgen riecht wie am Sonntag nach dem Ausschlafen, ist der Wochenstart gerettet. In Bundkofen bei Schüpfen hängt der Duft nach frisch gebackenem Brot und Kaffee im Raum, Kerzen brennen in jeder Ecke, vor den Fenstern ziehen Kühe und der Nebel vorbei. Der Kitsch wird perfekt durch das Interieur à la Tante-Emma-Laden aus den Fünfzigern. In den Holzregalen stapeln sich Säcke mit Mehl, Müesli, Teigwaren.

Das ist, was von der Mühle Affolter übrig geblieben ist. Ende März ging eine 150-jährige Tradition zu Ende, als die Inhaber ihre Futtermühle an die Genossenschaft Landi Lyssbachtal verkauften. Der Mehlladen blieb auch danach geöffnet – und wird nun durch ein weiteres Angebot ergänzt: Franziska Scheidegger-Affolter, ehemalige Inhaberin der Mühle, und Cornelia Wüthrich eröffnen heute das Backatelier 1862, eine Kombination aus Mehlladen, Kurs-Küche und Event-Lokal.

Rechtzeitig zur Güezi-Saison

Die beiden Frauen, Mitte vierzig, die nicht nur die Leidenschaft zum Backen, sondern auch ihre Jugend verbindet, erfüllen sich damit einen Traum. Für Franziska Scheidegger ist das neue Projekt zudem eine gute Art, von der Mühle-Geschichte Abschied zu nehmen. «Ab April begann es sich hier zu leeren, alle Mitarbeitenden verschwanden, da keimte die Idee auf, die Räume mit neuem Leben zu füllen», sagt sie.

Die Büros wurden im September mit fünf Öfen zur Backstube umfunktioniert. «Im Winter backen die Leute öfter und lieber als im Sommer, deshalb wollten wir rechtzeitig zur Weihnachtszeit fertig sein», sagt Wüthrich.

Das Geheimnis um 1862

Im Angebot sind verschiedene Kurse wie Grittibänze und Weihnachtsgüezi backen, es gibt Urdinkel oder Cakepops-Backkurse sowie spezielle Anlässe für Kinder. Weiter können die Räume auch gemietet werden.

Die Sache lief für die Frauen gut an, die Kurse vom November sind bereits ausgebucht. Beide Frauen haben daneben noch andere Jobs, Wüthrich ist Maschinenmechanikerin, Scheidegger arbeitet im kaufmännischen Bereich. «Die Arbeit im Backatelier ist für uns ein erholsamer Ausgleich zum Rest», sind sich die zwei einig.

1862: Die im Firmennamen erwähnte Zahl hat eine Geschichte. Und zwar die Geschichte der Mühle in Bundkofen, die im Jahr 1862 gebaut wurde. Franziska Scheidegger, die während 23 Jahren im Mühlebetrieb mitwirkte, wird für immer damit verbunden sein. «Aber ich freue mich sehr auf den Neuanfang.»

Berner Zeitung

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